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Konjunktur/Kredite

Kreditvergabe der Banken wird immer restriktiver - EZB bestätigt Verschärfung der Kreditbedingungen

Die deutschen Unternehmen kommen einer Umfrage zufolge immer schwerer an Bankkredite und sehen dies als eine Gefahr für den Aufschwung. Wie das Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo am Mittwoch mitteilte, schätzen derzeit 45,1 Prozent der befragten Unternehmen die Kreditvergabe durch die Banken als restriktiv ein. Gegenüber Juni ist das ein Anstieg um fast drei Prozentpunkte. Die Klagen über die strenge Kreditvergabepraxis der Banken hätten in allen Wirtschaftsbereichen merklich zugenommen, so das Ifo-Institut. Dadurch sei die Gefahr einer Behinderung des erhofften Aufschwungs durch eine Unterkapitalisierung gewachsen.

Laut Europäischer Zentralbank ( EZB ) haben die Banken in der Eurozone im zweiten Quartal ihre Kreditvergabebedingungen weiter verschärft, allerdings in einem deutlich geringeren Ausmaß als im ersten Jahresviertel. Die Banken begründeten die anhaltende Verschärfung ihrer Kreditrichtlinien einerseits mit den anhaltend ungewissen weltwirtschaftlichen Perspektiven, andererseits aber auch mit branchenspezifischen Problemen, etwa im Bereich der Refinanzierung , so die EZB.

 Zur Sicherung der Unternehmensfinanzierung hat der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, bei der Bundesregierung Sofortmaßnahmen angemahnt. Angesichts des dramatischen Rückgangs des Kreditvolumens müsse die Politik unverzüglich handeln. «Sonst droht durch die restriktive Kreditpolitik der Banken Zehntausenden Klein- und Mittelbetrieben die Insolvenz», sagte Ohoven.

 Er schlug im ersten Schritt vor, die Haftungsübernahme durch die staatliche KfW-Bank bei Betriebsmittelfinanzierungen von derzeit bis zu 50 auf 80 Prozent zu erhöhen. «Wenn sich die Kreditklemme weiter verschärft, sollte das Hausbankenprinzip befristet außer Kraft gesetzt werden. Damit erhielte die KfW die Möglichkeit, Kredite auch direkt an Unternehmen zu vergeben», sagte Ohoven.

 Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, sieht gegenwärtig keine Kreditklemme in Deutschland. Bei der Vorstellung der neuen Konjunkturprognosen seines Instituts warnte er aber davor, dass es ab Herbst oder im kommenden Jahr zu Problemen bei der Kreditversorgung kommen könnte: Wenn sich die Wirtschaft dann wieder erholen sollte «und gleichzeitig Staat und Unternehmen einen hohen Bedarf auf Kapitalmarkt haben».

 Die Sparkassen in Deutschland tun nach eigenen Angaben alles, um eine Kreditklemme zu verhindern. So seien im ersten Halbjahr 2009 knapp 30 Milliarden Euro Kredite an Unternehmen und Selbstständige von den Sparkassen neu zugesagt worden, teilte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband mit. Das entspreche einer Steigerung von rund einer Milliarde Euro im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008. «Diese Steigerung ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass die Konjunktur sich im ersten Halbjahr 2008 auf einem Höhepunkt befand und erst danach abgefallen ist», so Verbandspräsident Heinrich Haasis in Berlin.

 Nach Angaben der EZB von Anfang der Woche ist die Kreditvergabe an nichtfinanzielle Unternehmen im Juni um 35 Milliarden Euro gegenüber dem Vormonat gefallen.

(Redaktion)


 

 

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