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Kultur

The Gift – der bewegende Abschied des Tänzers Eric Gauthier

Mit seinem beeindruckend persönlichen Soloprogramm “The Gift“ verabschiedet sich Eric Gauthier als aktiver Tänzer von der Bühne und begeistert ein letztes Mal sein Publikum.

Er gehört zu Stuttgart wie Daimler, Porsche oder der Fernsehturm. Eric Gauthier, der gebürtige Kanadier, der 1996 im zarten Alter von knapp neunzehn Jahren seine Heimat verließ, um seinem Meister Reid Anderson ans Stuttgarter Ballett zu folgen, hängt mit nun 41 Jahren die Tanzschuhe an den Nagel. In seinem 70-minütigen Soloprogramm „The Gift“, gemischt aus Humor und einer ebenso großen Portion Melancholie, das der befreundete israelische Choreograf Itzik Galili unter Berücksichtigung Gauthiers eigener Ideen sehr abwechslungsreich kreierte, lässt er seine Karriere, sein Leben als Tänzer, Musiker und Mensch mit allen Höhen und Tiefen auf sehr eindrückliche Weise nochmals Revue passieren. Dabei gewährt das in der Öffentlichkeit als stets gut gelaunte und witzig-charmant bekannte Multitalent erstmals tiefere Einblicke in seine verletzliche, oftmals an sich selbst zweifelnde Seele. Er offenbart einen Tänzer, der scheinbar nie seinen eigenen Ansprüchen gerecht geworden ist, der dennoch seine ihm mitgegebenen Talente als großes Geschenk empfindet, das er an sein Publikum weitergeben will. Gauthier gibt sich voll und ganz der Musik hin, zieht mit seinen expressiven wie geschmeidigen Bewegungen das Publikum wie eh und je in seinen Bann. Dabei wird er stets verfolgt von einer Live-Kamera, die den staunenden Zuschauern den Künstler zeitgleich in der jeweils konträren Perspektive auf eine Leinwand im Bühnenhintergrund projiziert. Dazwischen immer wieder Szenen an einem Lügendoktor, dem Gauthier ehrlich Auskunft gibt auf die Fragen: „Würde ich mein Leben anders leben? Würde ich sehen, was ich noch nicht gesehen habe?“ Die Antwort lautet: „Blick nicht in die Vergangenheit, lebe jetzt!“

So ernst und verletzlich er sich auf der einen Seite zeigt, so unterhaltsam-komödiantisch zeigt er sich wieder in anderen Szenen seines Programms. So bleibt kein Auge im Zuschauerraum trocken, wenn Gauthier endlich mit einem Augenzwinkern all die begehrten Rollen tanzt, von denen er immer geträumt hat, die ihm während seiner Laufbahn beim Stuttgarter Ballett jedoch verwehrt blieben. „Ich wollte immer einmal den Prinzen im Dornröschen tanzen, doch dafür war ich zu klein“. Auch die Balkonszene als Romeo interpretiert er in seinem Abschiedsprogramm nun endlich auf seine ganz eigene Weise und hat die Lacher auf seiner Seite. Doch nicht nur Gauthier selbst tanzt an diesem Abend, nein, er betätigt sich wie so oft als geschickter Animateur und versetzt als „Jamie Oliver des Tanzes“ sein dankbares Publikum mit einem tänzerisch umgesetzten „Spaghetti Carbonara“-Rezept gekonnt in Schwingung.

Mehr als 20 Jahre schon bereichert der begnadete Künstler, der auch an der Gitarre mit eigenen Songtexten überzeugt, die Landeshauptstadt Baden-Württembergs mit seinem Tanz, seiner Musik und vor allem mit seinem Charme, aber auch mit seiner Bodenständigkeit – einfach ein Star zum Anfassen. Schnell eroberte Gauthier, der sich selbst als „Kultur-Chamäleon“ tituliert, die Herzen der Schwaben. Bis zum Jahr 2007 tanzte Gauthier als Solist beim Stuttgarter Ballett, nachdem er zuvor an der National Ballet School in Toronto Tanz, Musik und Gesang studiert hatte. Kurz nach seinem Ausscheiden beim Stuttgarter Ballett gründete er seine eigene Dance Company und fand im Stuttgarter Theaterhaus eine neue Heimat. Der Kompaniechef und Choreograf Gauthier zeichnet inzwischen für siebzehn festangestellte Tänzer verantwortlich und feiert längst internationale sowie preisgekrönte Erfolge mit seiner Truppe. Als Begründer und Intendant des Stuttgarter „Colours-Tanzfestivals“ bringt er eine ganze Stadt in Bewegung, als Moderator und Entertainer bereichert er jeden Event.

Doch so wie das Publikum Eric Gauthier braucht, braucht auch dieser sein Publikum. Deutlich wird dies mit seinem Abschluss-Song seines Soloabends, für den noch weitere Termine im Juli vorgesehen sind und der zudem als Tournee ab Herbst geplant ist. In seiner Muttersprache Französisch singt der in Montreal geborene Künstler sehr bewegend das berühmte Chanson „Ne me quitte pas“ von Jacques Brel. Sein sehnlicher Wunsch, ihm weiterhin auch abseits der eigenen Bühne die Treue zu halten, trifft das Publikum tief ins Herz und treibt so manchem Zuschauer zum Abschied die Tränen in die Augen.

Dabei ist seine eindringliche Bitte eigentlich überflüssig. Das Publikum liebt Eric Gauthier und wird diesen großartigen Künstler auch zukünftig unterstützen und verehren.

Termine für The Gift im Stuttgarter Theaterhaus: 

6./7./8. Juli 2018, 15./16./17./18./19. November 2018,  

30./31. Januar 2019 und 1./2. Februar 2019 

Telefonische Reservierung unter: (0711-40207-20 /-21 /-22 /-23

(Patricia Leßnerkraus Freie Journalistin)


 


 

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