Sie sind hier: Startseite Stuttgart
Weitere Artikel
Fort- und Weiterbildungskosten

Lohnsteuerpflicht bei der Übernahme von Fortbildungskosten

Die Übernahme von Fort- und Weiterbildungskosten durch den Arbeitgeber kann eine Lohnsteuerpflicht auslösen. Dieses kann nach einem Erlass der Senatsverwaltung für Finanzen in Berlin vom 4. Mai 2009, III B - S 2322 - 12/2006) selbst dann gelten, wenn der Arbeitgeber Studiengebühren für Beschäftigte übernimmt.

Berufliche Fort- oder Weiterbildungskosten des Arbeitgebers führen nicht zu Arbeitslohn, wenn die Bildungsmaßnahme im ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers durchgeführt wird (R 19.7 Abs. 1 Satz 1 LStR 2008). Diese liegen vor, wenn die Bildungsmaßnahmen von fremden Unternehmen für Rechnung des Arbeitgebers erbracht werden. Wenn z. B. ein Unternehmen direkt mit einer Berufsakademie einen Kooperationsvertrag abschließt und ergibt sich hieraus,
dass das Unternehmen alleiniger Schuldner der Studiengebühren ist, liegt kein steuerpflichtiger Arbeitslohn vor. In einem solchen Fall erfolgt die Zahlung im ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesse. Arbeitslohn ist zu verneinen, weil der Arbeitgeber gegenüber der jeweiligen Berufsakademie eine eigene Verpflichtung hat.

Nach einem bundeseinheitlich abgestimmten Erlass des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen vom 26. Februar 1993, 32-S 2332-120/5-122441, konnten Leistungen im ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers selbst dann vorliegen, wenn der fremde Unternehmer die Leistung dem Arbeitnehmer in Rechnung stellt und der Arbeitgeber den Rechnungsbetrag ganz oder teilweise begleicht bzw. dem Arbeitnehmer ersetzt.

Das Bayerische Staatsministerium der Finanzen hat diesen Erlass bereits mit Wirkung vom 31. Dezember 2007 aufgehoben (Erlass vom 12. Oktober 2007, 34 – S 2332-120-39 332/07). Werden berufliche Fortbildungsmaßnahmen eines fremden Unternehmers für Rechnung des Arbeitnehmers erbracht und durch den Arbeitgeber ganz oder teilweise beglichen bzw. dem Arbeitnehmer ersetzt, liegt seit dem 1. Januar 2008 (bundeseinheitlich) steuerpflichtiger Arbeitslohn vor (so auch:
FinMin NRW, Erlass vom 31. Oktober 2007, S 2332-73-V B 3).

Praxishinweis: Liegt steuerpflichtiger Arbeitslohn vor, führt dieses auch dazu, dass eine Belastung mit Sozialversicherungsbeiträgen eintritt. Der Arbeitnehmer kann die als Arbeitslohn erfassten Fort-/Weiterbildungsaufwendungen als Werbungskosten (zur Werbungskosten Definition) oder Sonderausgaben (§ 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG ) geltend machen. Der Werbungskostenabzug ist der Höhe nach unbegrenzt, wo hingegen ein Sonderausgabenabzug auf einen Betrag von 4.000 Euro im Kalenderjahr beschränkt ist. Der Sonderausgabenabzug ist einschlägig, sofern Aufwendungen des Steuerpflichtigen für seine erstmalige Berufsausbildung oder für ein Erststudium außerhalb eines Dienstverhältnisses erbracht werden (§ 12 Nr. 5 EStG).

Beispiel: Der Arbeitgeber übernimmt die Lehrgangskosten „Bilanzbuchhalter“ für
einen Mitarbeiter. Dieser hat sich bei dem Lehrgangsanbieter selbst angemeldet;
der Arbeitgeber zahlt seit August 2009 monatlich eine Rate von 100 Euro unmittelbar an den Veranstalter. Es hat eine Erfassung als steuerpflichtiger Arbeitslohn zu erfolgen; der Arbeitnehmer kann die Kosten und weitere im Zusammenhang mit der Fortbildung entstehende Aufwendungen als Werbungskosten bei seinen Einkünften aus nicht selbstständiger Arbeit geltend machen und vorab als Freibetrag auf der
Lohnsteuerkarte eintragen lassen. Übernehmen Arbeitgeber im Rahmen eines Ausbildungsverhältnisses die vom studierenden Arbeitnehmer geschuldeten Studiengebühren, gilt nach bundeseinheitlicher Entscheidung von dem vorgenannten
Grundsatz eine Ausnahme. Danach ist die Leistung kein Vorteil mit Arbeitslohncharakter, wenn sich der Arbeitgeber arbeitsvertraglich zur Übernahme der Studiengebühren verpflichtet (Loschelder in H/H/R, Jahrgangsbuch 2005, § 12 Anm. J 04-11). Dieses ganz überwiegend betriebliche Interesse muss durch eine Rückzahlungsverpflichtung des Studierenden dokumentiert sein, wenn er das ausbildende Unternehmen auf eigenen Wunsch innerhalb von zwei Jahren nach Studienabschluss verlässt (OFD Karlsruhe, Verfügung vom 10. Oktober 2007, S
222.7/147-St 146 in DStR 2007, S. 1961, und Senatverwaltung für Finanzen
Berlin, Erlass vom 4. Mai 2009, III B – S 2332-12/2006). Die Ansicht der Finanzverwaltung ist dadurch bestimmt, dass der Arbeitnehmer die Studiengebühr andernfalls als Werbungskosten geltend machen kann.

Praxishinweis: Nach Auffassung der Spitzenorganisationen der Sozialversicherung
ist die steuerliche Sicht nicht auf das Sozialversicherungsrecht übertragbar. Die Übernahme solcher Studiengebühren stelle einen geldwerten Vorteil und damit beitragspflichtiges Arbeitsentgelt (§ 14 Abs. 1 Satz 1 SGB IV ) dar. Klargestellt hat die Senatsverwaltung für Finanzen Berlin mit Erlass vom 4. Mai 2009, dass die Vereinfachungsregelung bei Übernahme von Studiengebühren keine Anwendung findet, wenn kein Ausbildungsdienstverhältnis vorliegt (III B – S 2332-12/2006).

(Redaktion)


 


 

Fort- und Weiterbildungskosten
Lohnsteuerpflicht
Übernahme
Fortbildungskosten

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Fort- und Weiterbildungskosten" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: