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Managementberatung

Führungskräfte müssen vor allem Hoffnung ausstrahlen

Für viele Unternehmer, Manager und Führungskräfte sieht die Welt gerade vor allem düster aus: Rezession, Kurzarbeit, Umsatzeinbruch, fehlende Planbarkeit.

Warum Führungskräfte vor allem Hoffnung ausstrahlen müssen

Gerade jetzt appelliert Gary Burnison, CEO der weltweit größten Personal- und Organisationsberatung an Führungspersönlichkeiten, vor allem eines zu verbreiten: Hoffnung. Er gibt einen sehr persönlichen Einblick in seine eigene Gefühls- und Gedankenwelt in der Zeit der Coronakrise.

Als ich (Gary Burnison, CEO, Korn Ferry) vor einer Woche mit meinem Hund spazieren ging, fiel mir eine Kreidezeichnung auf der Straße auf. Dort stand: „Alles wird gut“.

In dem Moment, als ich es las, fühlte ich mich in eine Situation versetzt, die bereits viele Jahre zurück liegt.

Mein Sohn Jack, damals fünf Jahre alt, lag in einem sterilen, weißen Zimmer eines Krankenhauses, um operiert zu werden. Die Nacht davor waren wir alle sehr ruhig. Aber als am nächsten Morgen die Krankenschwester kam, um Jack eine Spritze zu geben, verfiel jede Leichtigkeit.

Mit weit offenen Augen fragte mich Jack: „Papa, wird alles gut werden?“

Jeder, der Kinder hat, wird irgendwann mit dieser Frage konfrontiert werden. Für mich war es das erste Mal. Und ich sagte: „Ja, alles wird gut.“

Heute, ob wir es uns nun selbst eingestehen wollen oder nicht, schwingt diese Frage in beinahe allen Gesprächen mit. Hoffnung, die vielfach als Tarnung für Angst fungiert.

In Bullenmärkten wird von Führungskräften vor allem Bestätigung erwartet. In Bärenmärkten dagegen sucht man eher nach Zuversicht, dass es so schlimm nicht wird. Führungskräfte verlassen sich vielfach vor allem auf ihre analytischen Fähigkeiten (die linke Hälfte unseres Hirns), um Strategien zu entwickeln. Um aber Hoffnung auszustrahlen, müssen sie gerade in den jetzigen Zeiten mehr als jemals ihre rechte Hälfte des Hirns einsetzen, mit der sie Inspiration und Motivation erzeugen können.

Einige persönliche Gedanken von mir dazu:

  • Zuhören, um die eigene Intuition anzuregen. Seit jeher können Krisen nicht vom Schreibtisch aus gelöst werden. Stattdessen ist ‚Management by Walking around‘ angesagt: Also der intensive Kontakt mit Kunden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Lieferanten und allen relevanten Stakeholdern. Wie das jetzt geht? ‚Walking‘ funktioniert nicht, aber ‚Talking‘. Ich telefoniere pro Tag mit 50 Menschen – und höre dabei viel mehr zu, als dass ich selbst spreche. Führungskräfte sollten trotz der sozialen Isolation nicht plötzlich ‚verschwinden‘, sondern gerade jetzt für alle besonders präsent sein. Nur so hören sie auch heraus, was Kunden und Mitarbeiter gerade wirklich denken und fühlen. Nur wenn sie ein akkurates Bild vom Heute haben, können sie auch ein akkurates Bild für das Morgen entwickeln – und antizipieren, wie die Welt in zwölf, 18 oder 24 Monaten aussehen könnte.
  • Vom Ende her denken. Wer ein Ende im Kopf hat, dem fällt es deutlich leichter, Hoffnung zu schöpfen. Und als Ende sollte hier nicht nur die medizinische Lösung bedacht werden. Sondern wie die Geschäftswelt und -modelle im ‚Danach‘ aussehen werden. Unsere Kolleginnen und Kollegen aus China berichten aktuell, wie sich ihr Leben langsam normalisiert. Ein Kollege aus unserem Büro in Schanghai schrieb mir gerade: „Mir geht es gut, mental und physisch. Das Land fängt an, sich langsam zu erholen. Und Ihr werdet das auch schaffen.“ Mir geht es nicht darum, die Ernsthaftigkeit des Jetzt damit in Frage zu stellen – aber aus dieser Perspektive heraus Hoffnung zu vermitteln. Ich habe Führung immer als Reise begriffen: Menschen emotional, manchmal auch physisch, von einem Punkt zum anderen zu bringen. Hoffnung kann uns dabei helfen, diesen Punkt zu erreichen.
  • Nicht mental in Selbstisolation gehen. Es erscheint unbedingt notwendig, dass wir physische Selbstisolation ausüben. Aber wir sollten nicht auch mental einfrieren. Ich bin in Kansas aufgewachsen. Ich kann mich an heiße Sommertage mit einem wolkenlosen blauen Himmel erinnern. Doch dann, ganz plötzlich, fielen die Temperaturen und seltsame Wolkenformationen bildeten sich am Himmel. Als ich das erste Mal die Tornadosirenen hörte, rannte ich so schnell ich konnte in den Keller und hatte fürchterliche Angst. Nachdem ich das einige Male erlebt hatte, wurde ich gelassen. Denn ich wusste, was zu tun ist. So ist es auch heute. Wir alle wissen, dass die Krise enden wird. Aber nicht abrupt, sondern eher wie abflachende Wellen. Es wird alles verändern: Lieferketten, Verkehr und Veranstaltungen, um nur einige Dinge zu nennen. Aber wir sollten jetzt trotzdem nicht paralysiert sein. Das Leben ist und bleibt in Bewegung und jeder sollte jetzt das tun, was ihn in seiner Einschätzung des ‚Danach‘ weiterbringen wird.
  • Die Enden miteinander verbinden. Führung heißt seit jeher, die unterschiedlichen Enden miteinander zu verbinden. Das ist heute umso mehr die Aufgabe der Unternehmensführung – um auf dieser Basis ein Bild der Organisation zu entwerfen, wie sie nach der Krise aussehen wird und was jetzt zu tun ist, um diese Transformation anzugehen. Strategie muss jetzt in Echtzeit gemacht werden, Entscheidungen schnell angepasst und Konditionen verändert werden, ohne das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Auch kann es sein, dass der ‚Purpose‘ des Unternehmens, also der Unternehmenszweck, neu ausgerichtet werden und mit einer neuen Strategie in Einklang gebracht werden muss. Ohne eine solche Justierung des Kompasses erscheinen heute ‚gute Entscheidungen‘ später vielleicht eher wie Zeitverschwendung.
  • Hoffnung ist Resilienz. Der Schwarze Tod im Mittelalter, die Pest in London im 17. Jahrhundert, die Spanische Grippe 1918 bis 1920... um nur einige medizinische Katastrophen zu nennen. Unzählbar viele Menschen verloren ihr Leben. Aber wir wissen auch, dass den Katastrophen der Geschichte ohne moderne Wissenschaft und Technologien der heutigen Zeit begegnet werden musste. Trotzdem hat die Menschheit stets weiter existiert. Unsere Hoffnung kann darum nicht nur auf Wissenschaft und Technologie liegen, sondern auch auf der über Jahrtausende erworbenen Resilienz der Menschheit.
  • „Die Mutigen haben keine Angst.“ An der Wand in meinem Home Office hängt dieser wunderbar eingerahmte Spruch – schwarze Pinselstriche auf weißem Hintergrund, ein chinesisches Schriftzeichen. Ein Geschenk, das ich vor Jahren von einem Kollegen in China überreicht bekam. Dieses Zitat von Konfuzius (551 vor Christus) ist Teil einer längeren Textpassage: „Der Menschenfreund macht sich keine Sorgen, der Weise ist nicht verwirrt, der Mutige hat keine Angst.“ Es bezeichnet ein Ideal – und legt die Latte extrem hoch. Für mich sind das nicht nur Worte von Trost, sondern viel mehr eine Ermutigung mich zu erinnern, wer jeder von uns sein kann! 

In schwierigen Zeiten ist es die Aufgabe der Führungskräfte zu sehen, was die anderen nicht sehen können. Durch ihre Worte und Handlungen zeichnen sie ein Bild, das andere sich bisher noch nicht vorstellen konnten.

Wie die Pinselstriche auf einer Leinwand, oder die Kreidezeichnung eines Kindes auf der Straße. Diese Botschaften verbreiten Hoffnung und fördern Mut. Ja, alles wird gut.


Über Korn Ferry

Korn Ferry ist ein globales Beratungsunternehmen für Organisation und Executive Search. Sie helfen Unternehmen, ihre Geschäfts- und Talentstrategie zu synchronisieren, um Top-Performance zu erzielen. Dazu entwickeln sie neue Strukturen, Rollen und Verantwortlichkeiten in den Organisationen ihrer Klienten und helfen ihnen, mit den richtigen Menschen ihre Strategie mit Leben zu füllen. Korn Ferry berät Klienten darin, wie sie diese Menschen ansprechend vergüten, persönlich entwickeln und langfristig motivieren können.

(Redaktion)


 


 

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