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Verkehr/Fahrrad

Mannheim: Abwrackprämie für Fahrräder - Start am 2. Mai 2009

Eigentlich ging es im Agenda-21-Büro der Stadt Mannheim anfangs nur darum, ein weiteres Klimaschutzprojekt zu initiieren. Doch die Idee, als erste deutsche Stadt für alte Fahrräder eine Abwrackprämie zu zahlen, wird inzwischen groß diskutiert. Umweltverbände und einige Kommunen wie beispielsweise Freiburg loben die Aktion, Ökonomen dagegen tun sie als werbewirksamen Gag ab. Die Mannheimer Fahrradläden bereiten sich jedenfalls auf den großen Ansturm am Samstag (2. Mai) vor.

Ab diesem Tag können die Mannheimer am Hauptbahnhof ihren alten Drahtesel abgeben und bekommen für den Kauf eines neuen Fahrrads 50 Euro in die Hand gedrückt. Wie groß der Ansturm wird, ist noch völlig unklar: «Wir können das schwer einschätzen», sagt die Sprecherin der Stadt Mannheim, Xenia Stobbe. Jedenfalls «haben sich in den vergangenen Wochen etliche Interessenten gemeldet.» Auch die Fahrradgeschäfte in der Stadt registrierten derzeit ein großes Interesse an neuen Rädern.

Ziel der Aktion «Rad im Quadrat», ist es nach Angaben der Stadt, das Radfahren auf den etwa 260 Kilometer langen Radwegen zu fördern, um Verkehrsdichte und Abgase zu verringern. Zudem steige die Verkehrssicherheit mit neuen City-Rädern. «Dass sich das Projekt für die Mannheimer Fahrradhändler zu einem Konjunkturpaket entwickelt, ist eher ein positiver Nebeneffekt der Abwrackprämie», sagt Stobbe.

Der dürfte aber gering sein, denn die Prämie ist offiziell begrenzt auf die ersten 100 Fahrräder. Nur wer ein Rad nach dem 1. Mai kauft, erhält Geld für sein altes Gefährt. Dementsprechend bereiten sich die Händler auf viele Kunden am Samstagvormittag vor. Gut möglich aber, dass bei großem Andrang kurzfristig aufgestockt wird. «Wer die Voraussetzungen am 2. Mai erfüllt, soll nicht mit
leeren Händen nach Hause gehen», kündigte Oberbürgermeister Peter
Kurz (SPD) an.

Die Abwrackprämie hat auch eine soziale Komponente. Projektpartner der Stadt Mannheim ist die Fahrradwerkstatt des Arbeitsförderungsbetriebs «Biotopia». Seit mehr als 20 Jahren verfolgt die Beschäftigungsgesellschaft das Ziel, Arbeitslose in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Ausbildung zum Zweiradmechaniker gehört ebenso zum Angebot von Biotopia wie etwa das Erlernen des Maler-Handwerks. Daher werden die Räder - anders als bei der Auto-Abwrackprämie - nicht verschrottet. Sie sollen den jugendlichen Biotopia-Mitarbeitern, die als schwer vermittelbar gelten, als Übungsobjekte und Ersatzteillager dienen. Stadt und Biotopia zahlen die Abwrackprämie gemeinsam.

Kritiker halten die Abwrackprämie für Fahrräder ökonomisch nicht
für sinnvoll. Der Konjunkturexperte des Hamburger
Weltwirtschaftsinstitutes (HWWI), Jörg Hinze, kanzelt das Vorhaben
als Werbeaktion ab und findet die bislang auf 100 Räder begrenzte
Prämie halbherzig. «Außerdem wäre es aus ökonomischer Sicht sinnvoll,
wenn Kommunen ein Konjunkturpaket auflegen würden, bei dem mehr
Bürger profitieren könnten.» Denn im Umkehrschluss führe eine
Förderung gewisser Branchen dazu, dass die Kunden an anderer Stelle
sparten. «Das Geld fehlt dann wieder in anderen Bereichen, die
konsequenterweise auch gefördert werden müssten.»

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) lobt die Mannheimer Fahrrad-Abwrack-Prämie indes ausdrücklich als Schritt in die richtige Richtung. «Uns ist bewusst, dass die Kommunen bei der aktuellen Lage gar nicht die Möglichkeit haben, viel Geld für solche Projekte zu zahlen, sagt eine Sprecherin. Die Mannheimer Aktion habe Symbolwirkung für die Förderung umweltfreundlicher Verkehrsmittel. Der VCD selbst startete vor einigen Wochen eine Aktion, bei der Bürger via E-Mail beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle einen Antrag zur Gewährung «einer echten Umweltprämie für ein neues Fahrrad sowie für Bus- und Bahntickets gestellt» haben. 10 000 Menschen haben laut VCD mittlerweile ihre E-Mails nach Berlin gesendet.

(Redaktion)


 


 

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