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Oberbürgermeisterwahl

Nun ist es amtlich, Stuttgarts neuer OB heißt Fritz Kuhn

Bei der Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters hat der erste Grüne Politiker den Sprung in den Chefsessel der Landeshauptstadt geschafft. Bei der Stichwahl konnte er Sebastian Turner hinter sich lassen.

Die Grünen können Jubeln: Fritz Kuhn wird der nächste Oberbürgermeister von Stuttgart.Somit hat es der erste Grüne Politiker in das höchste Amt einer Landeshauptstadt geschafft. In der Stichwahl setzte sich Kuhn gegen den parteilosen Sebastian Turner, durch. Im zweiten Wahlgang, laut dem vorläufigen Endergebnis,  erreichte Kuhn am Sonntag 52,9 Prozent der Stimmen. Mit 45,3 Prozent konnte Turner ihn trotz der Unterstützung von  CDU, FDP und Freien Wählern nicht schlagen.

Kuhn sagte nach der Ergebnisverkündung, er wolle sich als Oberbürgermeister für ganz Stuttgart gemeinsam mit den geschlagenen auf den Weg machen um Stuttgart zu gestalten. Er wolle ein OB sein für alle die ihn gewählt haben, die Nichtwähler und auch für diejenigen die ihn nicht gewählt haben.

Die harten Angriffe gegen ihn seien wohl nicht die richtige Strategie zum Sieg gewesen. "Oberbürgermeister wird durch positive Themengestaltung", so Kuhn nach dem harten Wahlkampf mit dem Werbeprofi Turner.

Turner gestand seine Niederlage am Abend ein. Kuhn habe einen deutlichen Vorsprung und ein klares Mandat, sagte der 46-Jährige. In den vergangenen 14 Tagen habe er 15.000 Stimmen hinzugewonnen - am Ende habe es aber nicht gereicht, auch wenn er mehr Stimmen geholt habe als die CDU bei der Landtags- oder Bundestagswahl. Auf die Frage, ob er politisch weiter aktiv bleiben wolle, sagte der Werbefachmann, darüber werde er sich zuerst mit seiner Frau besprechen.

Kretschmann gratuliert zu "grandiosem Erfolg" Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) kam am Abend ins Rathaus, um seinem "alten Freund und Weggefährten" Kuhn zu dessen "grandiosem Erfolg" zu gratulieren und darauf anzustoßen. "Alles Gute, lieber Fritz, viel Erfolg, gute Nerven, Stehvermögen und viel Kraft", sagte Kretschmann und versprach: "Die Landesregierung wird sehr gut und offen mit dem OB und der Stadt Stuttgart zusammenarbeiten."

Die Grünen-Landtagsfraktionschefin Edith Sitzmann wertet das Ergebnis als "großen Vertrauensbeweis in grüne Politik und zugleich eine klare Absage an unlauteren Wahlkampf". Kuhns Wahl habe wieder gezeigt, dass grüne Ideen schon lange in der Mitte der Gesellschaft angekommen seien.

Rund 415.000 wahlberechtigte Stuttgarter waren aufgerufen, den Nachfolger von Amtsinhaber Wolfgang Schuster (CDU) zu bestimmen, der seinen Posten nach 16 Jahren am 6. Januar 2013 abgibt.

Kuhn hatte bereits im ersten Wahlgang vor zwei Wochen knapp vor Turner gelegen, die absolute Mehrheit aber verfehlt. Damals hatte er 36,5 Prozent der Stimmen erreicht, zwei Prozentpunkte mehr als Turner. Beim zweiten Wahlgang reicht bereits die einfache Mehrheit für den Sieg. Insgesamt waren neun Kandidaten angetreten. Das amtliche Endergebnis soll am Dienstag feststehen.

Herbe Niederlage für die CDU Für die Christdemokraten ist Kuhns Sieg eine weitere herbe Niederlage. Die CDU stellte fast 40 Jahre lang den Rathauschef in der sechstgrößten Stadt Deutschlands. Bei der Kommunalwahl 2009 hatte sie bereits die Position der stärksten Fraktion im Gemeinderat an die Grünen abgeben müssen. Bei der Landtagswahl im vergangenen Jahr verlor sie nach fast 60 Jahren die Macht an Grün-Rot.

Der Landesvorsitzende Thomas Strobl räumte ein, die CDU Baden-Württemberg habe in Großstädten nur noch wenig Rückhalt. Dies sei aber auch in anderen Teilen Deutschlands ein Problem. "Es ist die Aufgabe der gesamten CDU, auch diesen Umstand zu analysieren und daraus Schlüsse zu ziehen", verlangte Strobl.

Der Unionsbundestagsfraktionsvorsitzende Volker Kauder sagte in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin", es werde sich noch zeigen, ob der Sonntag ein guter Tag für Baden-Württemberg ist. Die CDU sei für den Bau des Eisenbahnprojekts Stuttgart 21. Mit einem Grünen Oberbürgermeister in Stuttgart werde das nicht leicht.

Bereits nach Bekanntgabe der Ergebnisse aus den ersten Wahlkreisen waren Stuttgart-21-Gegner vor das Rathaus gezogen und hatten mit Trommeln den Sieg von Kuhn gefeiert. Dieser hatte sich von jeher gegen das Bahnprojekt ausgesprochen, im Wahlkampf jedoch betont, die Volksabstimmung zu akzeptieren. Er wolle den Bau des Projektes kritisch zu begleiten, um es dadurch besser zu machen.

"Fischers Fritz" kehrt zu Wurzeln zurück Für Kuhn ist die Wahl eine Heimkehr: Er gehörte vor mehr als 32 Jahren zu den Gründungsmitgliedern der Grünen in Baden-Württemberg. Vor rund zwölf Jahren verließ der Grünen-Realo Stuttgart, um in der Bundespolitik mitzumischen. Kuhn war Parteichef der Bundes-Grünen und Fraktionschef im Bundestag. Nun schreibt der 57-Jährige als erster grüner Oberbürgermeister einer Landeshauptstadt Geschichte.

Manche sagen, was Kretschmann vor eineinhalb Jahren im Großen machte, als er erster grüner Ministerpräsident wurde, vollzieht Kuhn nun im Kleinen. Sein langjähriger Weggefährte Rezzo Schlauch hatte bereits 1996 versucht, den Chefsessel der CDU-Bastion zu erobern - und lag damals knapp hinter seinem Unionskonkurrenten Schuster.

Kuhn und Schlauch galten damals als "Asterix" und "Obelix", aus Kuhn wurde "Fischers Fritz" - wegen seiner Nähe zum damaligen Außenminister Joschka Fischer. Kuhn ist ein Vordenker des Realo-Flügels seiner Partei, für die er zahlreiche Strategiepapiere verfasste.

Der studierte Philosoph und Germanist gilt als rhetorisch und intellektuell versiert, aber nicht unbedingt als volksnah. Auf Menschmassen reagiert er zurückhaltend, als Mensch ist er eher ein ernster Typ. Auf die Frage, ob ein Intellektueller zum Stuttgarter OB-Posten passe, antwortete Kuhn vor einigen Monaten in einem Interview: "Wenn wir das Wort intellektuell einfach als Nachdenken verstehen, dann ist das eine urschwäbische Eigenschaft."

Kuhns Vision für Stuttgart ist eine Stadt, in der sich Ökonomie, Ökologie und soziale Gerechtigkeit verbinden. "Mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben", stand auf einem seiner Plakate.

Im Bundestag war es zuletzt ruhig um den 1955 in Bad Mergentheim geborenen Grünen geworden. Den Posten als Vize-Fraktionschef legte er im Frühjahr nieder, um sich auf die OB-Kandidatur konzentrieren können. Kuhn, der nach wie vor ein Bundestagsmandat innehat, ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Mehr Bürger an den Urnen als im ersten Wahlgang
Die entscheidende Runde der Oberbürgermeisterwahl hat mehr Bürger an die Urnen gelockt als der erste Wahlgang vor zwei Wochen: Am Sonntag machten 47,2 Prozent der Wahlbeteiligten ihr Kreuz; im ersten Wahlgang am 7. Oktober hatten 46,7 Prozent ihre Stimme abgegeben. Quelle: Spiegel online

(Redaktion)


 


 

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