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Porträt

Ein Macher für den VfB Stuttgart

Am 9. Oktober wählt die Mitgliederversammlung des abgestiegenen Traditionsvereins VfB Stuttgart einen neuen Präsidenten. Der Leonberger Unternehmer Wolfgang Dietrich ist der einzige Kandidat, der sich dieses schwere Amt zutraut und sich zur Wahl stellt.

Der Mann hält Gegenwind aus, auch wenn er noch so stark ist. Und derzeit bläst er Wolfgang Dietrich heftig ins Gesicht. Verschiedene Fangruppierungen des abgestiegenen Bundesligisten VfB Stuttgart verweigern dem 68jährigen Unternehmer als künftigen Präsidenten ihre Unterstützung. Und das, obwohl Dietrich als Einziger bereit ist, sich zur Wahl und der damit verbundenen Verantwortung für den angeschlagenen Traditionsverein zu stellen.

„1963 habe ich mein erstes VfB-Spiel im Stadion angeschaut“, erinnert er sich stolz. Und schon seit 42 Jahren ist Dietrich auch Mitglied bei den „Roten“. “Beim Spiel gegen Rotterdam habe ich damals noch auf dem Parkplatz meinen Mitgliedsantrag unterschrieben“, erinnert er sich lachen. Dietrich brennt für „seinen“ Verein. Aus diesem Grund schreckt er nicht vor der großen Herausforderung des Präsidentenamtes zurück. „Auch wenn mich manche meiner Freunde deshalb für verrückt halten“, schmunzelt der gebürtige Remstäler. Er wirkt offen, ehrlich, leidenschaftlich und absolut authentisch, wenn er über seine Herzensangelegenheit VfB Stuttgart spricht, so wie letzten Sonntag beim wirtschaftspolitischen Frühschoppen im Burrenhof auf der Alb, zu dem Andreas Waldner, Sohn von Ex-VfB-Profi und Nationalspieler Erwin Waldner, geladen hatte. Den rund dreißig Unternehmern und VfB-Mitgliedern beantwortete Dietrich auch noch so kritische Fragen zu seinen Ambitionen und Plänen. „Ich will die Abwärtsspirale des VfB stoppen und den Verein langfristig wieder in die Erfolgsspur führen. Das wird nicht einfach, aber ich traue mir das zu“, macht er deutlich. Bevor er jedoch seinem Herzen nachgab, ließ Dietrich sowohl von seinen als auch von den Anwälten des VfB genau überprüfen, ob seine frühere Unternehmertätigkeit auf dem Gebiet der Finanzierung und des Marketings im Profi-Fußball mit dem Präsidentenamt kollidieren könnte. Als die Anwälte und sogar die DFL, die Dietrich von sich aus dazu befragte, grünes Licht gaben, sagte auch sein Verstand ja zur Kandidatur.

„Erfolg fängt bei der Führung an“, weiß er aus langjähriger Erfahrung. Der studierte Betriebswirt hat in seinem langen Berufsleben mehrere Unternehmen gegründet und erfolgreich aufgebaut, das erste schon im jungen Alter von 23 Jahren. Ihm ist bewusst, dass es beim VfB nicht wie gewohnt weitergehen kann. Es müssen Veränderungen her, auch wenn sie manchem Mitarbeiter oder Mitglied wehtun. „Ich habe klare Positionen und bin in der Lage, Entscheidungen herbeizuführen“, sagt er selbstbewusst. So steht für ihn aus unternehmerischer Sicht völlig außer Frage, dass ein wichtiger Schritt zur Veränderung eine Ausgliederung des Profi-Fußballs aus dem Verein sein sollte. Um auch sportlich wieder Erfolge zu feiern, muss seiner Meinung nach wieder intensiv an der Verwurzelung des Vereins mit der Region gearbeitet sowie die Jugendarbeit und das Scouting deutlich verbessert und aufgewertet werden. Auch den Mitgliedern möchte Wolfgang Dietrich eine größere Mitgestaltungschance einräumen. „Warum führen wir für Mitgliederversammlungen nicht einfach die Briefwahl ein“, schlägt er beispielsweise vor. „Der VfB hat derzeit 47.000 Mitglieder, von denen jeder die Chance zur Mitgestaltung haben sollte. Mit der Briefwahl würden wir für alle die gleichen fairen Bedingungen schaffen.“ Um diese und weitere neue Ideen umzusetzen, strebt er deshalb im Fall seiner Wahl am 9. Oktober eine baldige Satzungsänderung an.

Transparenz, Kontinuität und Kommunikation sind die Schlagworte, die sich der ehemalige Stuttgart 21-Sprecher für eine mögliche Präsidentschaft auf die Fahne geschrieben hat. Dafür wirbt er auf allen Ebenen. Doch die diversen Fangruppierungen machen ihm derzeit das Leben schwer. Vor allem die Ultras, allen voran das ‚Commando Cannstatt‘, lehnen den einzigen Bewerber als „ihren“ Präsidenten ab. Sie bezeichnen ihn als „Spalter“ und kreiden ihm seine kompromisslose Haltung als Stuttgart 21-Sprecher an. Auch wenn Dietrich zum Präidenten gewählt würde, wird sich an der Gegenwehr der einzelnen Fangruppierungen wohl zunächst nichts ändern. Dietrich hält das jedoch nicht davon ab, für sein Herzblut-Projekt VfB Stuttgart mit couragiertem Engagement am Ball zu bleiben.

„Machen statt Reden“, lautet seit jeher sein Credo. Sollte er gewählt werden, würde er deshalb auch auf eine ehrenamtliche Präsidentschaft bestehen. „Das macht mich innerlich unabhängiger in meinen Entscheidungen“, erklärt er. Dietrich wäre damit der erste Präsident seit Gerhard Mayer-Vorfelder (1975-2000), der „unseren Verein“ wieder ehrenamtlich leitet. „Wobei ich mich nicht als Grüß-Gott-August sehe, sondern dieses Amt als Fulltime-Job betrachte. Ich nehme diese Aufgabe ernst, will dem Verein dienen und für ihn etwas erreichen.“

Wolfgang Dietrich weiß, dass der Gegenwind nach seiner anzunehmenden Wahl sogar richtig stürmisch werden kann. Er wird dennoch standhaft bleiben. „Mir geht es schließlich um den Verein, nicht um meine Person!“

(Patricia Leßnerkraus Freie Journalistin)


 


 

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1 Kommentar

von Marcel
16.09.16 15:43 Uhr
Wolfgang Dietrich als VfB-Präsident

Eine große Chance für unseren VfB. Wolfgang Dietrich, eine interessante Persönlichkeit, die sehr viel Erfahrung mitbringt, klar, authentisch und leidenschaftlich an Aufgaben heran geht. Und ganz wichtig: Er ist eine Führungskraft und weiß was es heisst, ein Unternehmen zum Erfolg zu führen. Ich hoffe, dass viele Mitglieder diese Chance ebenso erkennen und ihn am 9.10. wählen werden. Und wenn er dann Präsident ist, sollte ich mir mal Gedanken machen, Mitglied zu werden.

 

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