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Quelle kann weiter arbeiten - Kredit nun endgültig freigegeben

Schon lange flatterten die blauen Fahnen an vielen Transportern, die rund um die Quelle-Zentrale in Fürth verkehren. «Quelle sagt Danke» steht darauf in weißer Schrift. Grund dazu haben die Mitarbeiter des insolventen Versandhauses erst seit Freitagnachmittag (10.07.2009), als die Banken gegen 15.40 Uhr endlich den dringend benötigen Massekredit absegnen. «Ich bin erleichtert, aber nicht euphorisch», kommentiert der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ernst Sindel die Entscheidung. Bis Ende August soll nun nach Angaben der vorläufigen Insolvenzverwaltung ein Sanierungskonzept erstellt werden.

Nach tagelangen Beratungen gaben die Banken am Freitag endgültig grünes Licht für den Kredit in Höhe von 50 Millionen Euro. Das Geld sei bereits unmittelbar nach der Unterzeichnung auf den Konten gewesen, sagte der Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters, Thomas Schulz. Jetzt werde man sich umgehend darum kümmern, den Katalog in die Haushalte zu bringen. «Je mehr Kunden jetzt bestellen, desto stabiler wird das Sanierungskonzept», appellierte er an die Freunde des Unternehmens.

   Der Vertrag sichert die notwendige Liquidität, sodass Quelle die Geschäfte stabilisieren und fortführen kann. Unmittelbar nach dem Insolvenzantrag am 9. Juni hatte die Valovis Bank das sogenannte Factoring -Programm gekündigt. Die Bank treibt für Quelle die Kundenzahlungen ein und überweist dem Versandhaus das Geld sofort abzüglich eines Abschlags. Mit der Kündigung war Quelle vom normalen Geldfluss abgeschnitten.

   Der 50-Millionen-Euro-Kredit, der nun genehmigt wurde, ist eine Sicherheit für die Valovis Bank, die nun die Gelder wieder freigibt. Quelle-Sprecher Manfred Gawlas zeigt sich erleichtert, dass sich das Unternehmen nun wieder um die Kunden kümmern könne, die Kataloge ausgeliefert und die Ware bereitgestellt werde. Vor einer Woche hatten die Druckereien wegen ausstehender Zahlungen die Lieferung des Katalogs gestoppt.

   Auch Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) und Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) begrüßten die vertragliche Einigung. Zugleich warnten die Minister vor verfrühtem Jubel, denn Quelle stünden noch «schwierige Hausaufgaben» bevor. Am 1. September wird das Insolvenzverfahren eröffnet, bis dahin erhalten die Beschäftigten Insolvenzausfallgeld vom Staat.

   Um zu beweisen, dass Quelle eine Zukunft hat, gelte es nun, die Ärmel hochzukrempeln, betont Betriebsrat Sindel. Nach seiner Einschätzung hängt alles davon ab, welche Investoren sich für Quelle interessieren. Einen Teilverkauf des Unternehmens an Otto lehnt er vehement ab: «Da nimmt man uns nur die Rosinen weg. Wir brauchen eine Gesamtlösung.»

   Bund, Länder und EU hatten dem staatlichen Kredit bereits vor rund zwei Wochen zugestimmt. Die Laufzeit des sechsmonatigen Massekredits begann am 29. Juni, als die EU grünes Licht für die Nothilfe gab. Die Enttäuschung über die Verzögerung war bei allen Beteiligten groß. Sindel kündigte an, dass er herausfinden wolle, an welcher der drei beteiligten Banken es lag, dass Quelle so viel wertvolle Zeit verloren hat.

Mit der Unternehmensinsolvenz des Versandhändlers Quelle ist auch das sogenannte Factoring-Programm zum Erliegen gekommen. Bislang erwarb die Valovis Bank die Forderungen, die Quelle gegenüber seinen Kunden hatte. Als Gegenleistung zahlte Valovis umgehend den Kaufpreis an Quelle abzüglich bestimmter Leistungen wie Finanzierung oder Debitorenmanagement. Das Versandhandelsunternehmen erhielt auf diese Weise sofort Liquidität. Am 9. Juni nach dem Insolvenzantrag kündigte Valovis den entsprechenden Vertrag.

   Um den Geschäftsbetrieb von Quelle weiterführen zu können, bat der vorläufige Insolvenzverwalter die Valovis Bank, die Forderungen wieder «anzukaufen». Valovis erklärte sich unter bestimmten Bedingungen dazu bereit, Quelle die benötigte Liquidität wieder zu geben. Zentrale Forderung war der staatliche Massekredit als Garantie für potenzielle Ausfälle.

   Sobald der Massekreditvertrag auf einem Treuhandkonto hinterlegt ist, fließt das Geld bei Quelle wieder. Dann können die drängendsten Rechnungen bezahlt werden, unter anderem bei den Druckereien, die die Auslieferung des Herbst-Winter-Katalogs gestoppt haben. Allerdings wird Valovis wegen der Insolvenz einen höheren Betrag zur Sicherung einbehalten.
 

(Redaktion)


 


 

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