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Atom/Neckarwestheim

Rund 1000 Atomgegner bei Demo gegen KKW Neckarwestheim

Trotz der brütenden Hitze ist Elisabeth Sick am Samstag an den Bahnhof von Kirchheim am Neckar gekommen. Die 59 Jahre alte Frau weiß, dass der bevorstehende, rund drei Kilometer lange Demonstrationszug zum Kernkraftwerk Neckarwestheim schweißtreibend wird. «Aber trotz der Anstrengung, es ist mir wichtig, hier zu sein», sagt sie. Zu offensichtlich sei es, dass die Atomkraftwerke eine stete Gefahr für die Menschen darstellen. Knapp 1000 Demonstranten sehen das genauso. Sie sind dem Aufruf von Bürgerinitiativen, Umweltverbänden und den Grünen gefolgt und demonstrieren für die planmäßige Abschaltung des Atomkraftwerks im kommenden Jahr - und gegen eine Laufzeitverlängerung.

Die Demonstranten wollen ein Zeichen gegen Atomkraft generell setzen. Dass der Block I in Neckarwestheim 2010 abgeschaltet werden soll, macht ihn zu einem Symbol. «Denn das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind», findet die 18 Jahre alte Greta Descher. «Allein das Problem der Atommüllentsorgung ist eine Hypothek für spätere Generationen», ist sie überzeugt.

Viele, die am Samstag in Neckarwestheim sind, befürchten eine CDU-FDP-Koalition nach der Bundestagswahl und dass diese den Atomausstieg rückgängig machen könnte. Erst am Samstag wurde eine nichtöffentliche Studie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) bekannt, wonach die deutschen Energiekonzerne durch eine Laufzeitverlängerung für ihre Atomkraftwerke möglicherweise dreistellige Milliardengewinne erwirtschaften könnten.

BUND-Landesgeschäftsführer Berthold Frieß beklagt bei der Demonstration, dass die Stromkonzerne die Kernkraft als klimafreundliche Energieform darstellen. Dies sei eine «Klimalüge», schimpft er. Vielmehr benötige die Republik eine dezentrale Stromversorgung, «eine Versorgung mit erneuerbaren Energien, die außerdem auch Arbeitsplätze schafft».

Auch Fries verweist auf die Bundestagswahl: «Wir jagen die Parteien zum Teufel, die nicht auf erneuerbare Energien setzen«. Der Jubel ist groß, die Plakate auf denen »Keine Kompromisse - Energiewende jetzt!« oder Sozialdemokraten für den Ausstieg» zu lesen steht werden begeistert in die Höhe gestreckt.

«Ich finde es eigentlich ziemlich traurig, dass wir überhaupt auf der Straße protestieren müssen», sagt Helmut Loschko inmitten der Menge. Der 52-Jährige engagiert sich schon seit Jahrzehnten gegen die Nutzung der Kernenergie. Auch er fürchtet, «dass eine schwarz-gelbe Koalition mit der Atomlobby mauscheln würde».

Der Grünen-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Jürgen Trittin, warnt, eine Revidierung des Atomausstiegs sei unverantwortlich. Sieben der ältesten Reaktoren in Deutschland seien nicht ausreichend gegen Flugzeugabstürze und Terrorangriffe gesichert. Diese Gefahr sei «realistisch». Der SPD-Energieexperte im Bundestag, Hermann Scheer, kritisiert die Stromkonzerne, weil diese den Atomausstieg unter Gewährung steuerlicher Vorteile zugesagt haben. Nun würden sie sich wieder für Laufzeitverlängerungen einsetzen. «Diese Leute sind nicht seriös, man kann mit ihnen keine Abmachung treffen», moniert Scheer.

Der Reaktor Neckarwestheim I wurde 1976 in Betrieb genommen und ist der zweitälteste der derzeit 17 produzierenden Atommeiler in Deutschland. »Viele von uns glauben, dass Neckarwestheim weiterhin laufen soll«, sagt der 17-jährige Sven. Immerhin sei das Kraftwerk während der vergangenen Jahre modernisiert worden, und das »obwohl eigentlich feststeht, dass das Ding ausgeschaltet  werden soll«, kritisiert er.

Neben ihm steht ein älterer Herr, der einen »Atomkraft? Nein Danke«-T-Shirt trägt. Er ist froh, dass auch viele Demonstranten der jüngeren Generation angehören. »Das zeigt, dass es sich um ein generationenübergreifendes politisches Thema handelt.» Nachwuchsprobleme gebe es bei der Anti-AKW-Bewegung ganz offensichtlich nicht.

(Redaktion)


 


 

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