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Smartphones überholen Handys

Telefonieren nur noch Nebensache

Was mit dem iPhone begann ist nun wichtigster Kaufgrund: das mobile Internet. Erstmals sind in Deutschland mehr Smartphones als Handys verkauft worden. Nach Zahlen des BITKOM-Verbandes entscheiden sich 55 Prozent der Mobilfunk-Käufer für ein iPhone, Android-Handy oder sonstige Smartphones. Telefonieren wird zur Nebensache.

Es sei eine Zeitenwende im Mobilfunkmarkt, sagte der BITKOM-Präsidiumsmitglied Friedrich Joussen im Vorfeld des Mobile World Congress bei Vorstellung der Verkaufszahlen in Berlin. "Das mobile Internet wird die Sprachtelefonie schon bald als wichtigste Mobilfunkanwendung ablösen." Die Smartphone-Hersteller sind heute mit vielen Modellen in unterschiedlichen Preis- und Ausstattungsvarianten auf dem Markt.

Der Erfolg hochwertiger Multimedia-Handys sorgt für einen kräftigen Schub der mobilen Internetnutzung. Der Umsatz mit mobilen Datendiensten steigt im Jahr 2012 voraussichtlich um 10 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro. Zusätzliche Impulse geben Tablet Computer, die sich als neue Geräteklasse etabliert haben. 

"Tablet Computer sind in der Regel mit einem mobilen Internetzugang ausgestattet und können so per UMTS oder LTE an fast jedem Ort in Deutschland ins Netz gehen", sagte Joussen. Nach der BITKOM-Prognose steigt der Tablet-Absatz im Jahr 2012 um 29 Prozent auf 2,9 Millionen Geräte. Der Umsatz legt um 19 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zu. "Die zunehmende Verbreitung von Smartphones und Tablet Computern sorgt für einen enormen Anstieg der in Mobilfunknetzen übertragenen Datenmengen", sagte Joussen. Nach Berechnungen des BITKOM wurden im Jahr 2011 erstmals mehr als 100 Millionen Gigabyte Daten in den deutschen Mobilfunknetzen übertragen. Das Datenvolumen stieg um 65 Prozent auf 108 Millionen Gigabyte. Im laufenden Jahr rechnet der Verband mit einem Anstieg auf 170 Millionen Gigabyte (plus 57 Prozent).

Die steigenden Datenmengen in den Mobilfunknetzen erfordern von den Netzbetreibern Investitionen in ihre Infrastruktur in Höhe von 8 bis 10 Milliarden Euro. "Der bundesweite Ausbau der neuen Mobilfunktechnik LTE läuft auf Hochtouren", sagte Joussen. Dabei gelte es, die Vorgaben der Bundesnetzagentur zu erfüllen, um die "weißen Flecken" bei der Breitbandversorgung zu schließen. 

Bald flächendeckend: Breitband im Mobilfunk

In sieben Bundesländern ist das bereits erfolgt: Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Schleswig-Holstein. In sechs weiteren Bundesländern wird der Ausbau schnellstmöglich fortgesetzt, für die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen gibt es keine Auflagen. Mehr als 10 Millionen Haushalte können inzwischen mit LTE versorgt werden. 

"Es gibt bisher keine Mobilfunktechnik, die schneller ausgerollt worden ist als LTE", sagte Joussen. "Dank LTE steht der Mobilfunkindustrie eine neue Wachstumsphase bevor." Nach der Versorgung der ländlichen Gebiete folge nun der Ausbau in den größeren Städten.

Aus Sicht des BITKOM ist für den weiteren Ausbau der Hochgeschwindigkeitsnetze im Mobilfunk und im Festnetz ein regulatorisches Umfeld notwendig, das nachhaltige Investitionsanreize setzt. Die aktuelle Novelle des Telekommunikationsgesetzes zeigt hier in die richtige Richtung. Dazu gehört insbesondere eine langfristige Planungssicherheit. 

"Die Unternehmen rechnen in 15-Jahreszeiträumen, um die Milliardeninvestitionen wieder einzuspielen. Kurzfristige Richtungswechsel in der Politik sind da kontraproduktiv", sagte Joussen unter anderem mit Blick auf die immer wieder aufflammende Diskussion um eine so genannte Universaldienstverpflichtung. Das sei auch vor dem Hintergrund seit Jahren sinkender Erlöse mit Sprachdiensten notwendig. Nach minus 6,5 Prozent im Vorjahr sinken die Umsätze mit Mobilfunksprachdiensten im Jahr 2012 voraussichtlich um 3,5 Prozent auf 14,7 Milliarden Euro.

(FN)


 


 

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