24.08.2009  17:31 Uhr

Unternehmen/Ailinger Mühle
Spätzle, Dinnete, Mühlengeist - Spezialitäten aus Oberschwaben

Reinhausen b. Bad Schussenried. Als die Müllerstöchter die Geschäfte in 5. Generation übernehmen, zweifeln die Leute in Oberschwaben. Doch die beiden Frauen lassen sich davon nicht beirren. Heute haben von den knapp 50 Mühlen am Federsee nur zwei überlebt. Eine davon gehört ihnen - Silke und Evelyn Ailinger. Schon im Jahr 1856 brachten Pferdekarren das Getreide der umliegenden Felder nach Reichenbach zur Mühle. Damals noch von Wasserkraft angetrieben, produzierte die Mühle schon damals feinstes Mehl aus den angelieferten Körnern.

Ein LKW steht an der Rampe. Riesige Rohre saugen das frische Korn in den Silo. Die Maschinen surren. Über allem liegt ein feiner, weißer Staub. Dabei ist in der 700 Jahre alten Mühle längst nichts verstaubt. Im Gegenteil: Die zwei Frauen, mit denen wir hier verabredet sind, tragen fesche, rot-weiß-karierte Blusen, Jeans und Pumps.

Eigentlich hatten Silke und Evelyn Ailinger ganz andere Träume. Silke reiste als Touristik-Fachfrau durch die Welt. Sie liebte neue Länder, andere Kulturen. Evelyn hatte sich nach der kaufmännischen Ausbildung auf ihre Familie gefreut. Als sie mit ihrem zweiten Kind schwanger ist, wird der Vater krank. "Plötzlich war unsere Mühle in Gefahr." Nächtelang beraten die Schwestern: "Die Mühle ist unser Zuhause. Hier verlebten wir eine wunderschöne Kindheit. Spielten zwischen Körnerfuhren und Mehlsäcken. Wir kennen die stolzen Bilder von Großvater und Urgroßvater, die hier schon Müller waren. Vier Generationen - das sollte nun vorbei sein?" 

Doch ausgerechnet zu dieser Zeit ist die wirtschaftliche Lage der Mühlen eine Katastrophe. Kleine Mühlen halten den Preisdruck nicht aus. Kein Wunder, dass die Leute zweifeln: "Die Mädels halten eh nicht lange durch!" Silke und Evelyn lassen sich davon nicht beeindrucken. Sie suchen sich Nischen. "Wir haben die Tagesproduktion von 30 Tonnen Mehl am Tag auf die Hälfte reduziert, verarbeiten dafür vor allem Dinkel. Unsere Backmischungen für Spätzle, Flammkuchen und Schussenrieder Knauzen werden immer beliebter. Aus der großen Scheune wurde ein rustikaler, gemütlicher Saal für Kaffee und Kuchen oder große Hochzeitsfeiern." Eine Erlebnismühle mit Museum, Backstube, Konzerten. In der hofeigenen Brennerei werden Mühlengeist, ein teuflisch gutes Getränk, Champagner-Trüffel-Likör, der Frauenliebling unter den Creams und herrlich duftender Marillen-Likör gebrannt. 

Heute lächelt niemand mehr über die beiden Frauen. Im Gegenteil: Immer mehr Bauern kehren mit ihrem Korn zurück zur Mühle. Denn von den einst 50 Mühlen rund um den Federsee überlebten nur zwei. Eine davon gehört den Müllerstöchtern. Näheres unter http://www.klick-germany.de


 

(lifepr / Redaktion)

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