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Umwelt/Energie/Verkehr

Straßenbahnen mit Energiespeicher - neuartige Fahrzeuge nutzen Bremsenergie

Es gab keinen Ruck beim Anfahren, kein Zittern im Wartebetrieb. «Die neue Straßenbahn lag wie erwartet ruhig auf den Gleisen», sagt Robert Krämer. Der 40 Jahre alte Elektrotechniker der Mannheimer Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (MVV) hat in den vergangenen vier Jahren eine neuartige energiesparende Straßenbahn getestet, die von Herbst an im Rhein-Neckar-Gebiet unterwegs sein wird. Die Besonderheit: Beim Bremsen gewonnene Energie wird gespeichert und genutzt.

Entwickelt wurde die Energiespeicher-Stadtbahn seit 2003 gemeinsam vom Rhein-Neckar-Verkehrsverbund (RNV) und dem Technologie-Unternehmen Bombardier. Krämer zufolge lässt sich im Vergleich zu anderen modernen Bahnen mit dem neuen Schienenfahrzeug der Stromverbrauch um bis zu 30 Prozent senken. Die Energie, die beim Bremsen entsteht, wird im Fahrzeug gespeichert, erklärt Krämer. So kann wiederum ein Teil des Stroms, den eine Straßenbahn zum Bremsen aus dem Netz zieht, eingespart werden. «Das ist sinnvoll», sagt der Elektrotechniker.

Nach Angaben von RNV-Sprecher Georg Nowak-Hertweck wird der Verkehrsverbund von Oktober an 19 dieser neuartigen Straßenbahnen für das Schienennetz im Rhein-Neckar-Gebiet anschaffen, alte Bahnen werden ausgemustert. Die neuen Züge gibt es in unterschiedlichen Varianten, mit 80 oder 100 Plätzen. Bis August 2010 soll die Umstellung erledigt sein. 3,5 Millionen Euro kostet eine der in Bautzen hergestellten Bahnen. «Wirtschaftlich haben sich die Ausgaben bei den aktuellen Strompreisen nach 15 Jahren amortisiert», fügt er hinzu. Bei einer prognostizierten Einsatzzeit von 30 Jahren lohnen sich also die Investitionen.

Der Strom wird in einem neu entwickelten Doppelschichtkonde nsator, dem «Energy Safer» gespeichert und bei der Weiterfahrt wieder ins Netz eingespeist. Solche Kondensatoren kamen bisher unter anderem in der Elektrizitätswirtschaft zum Einsatz, vor allem um kurzfristig Stromausfälle zu überbrücken. Seit einigen Jahren hat sich die Leistung der Superkondensatoren deutlich verbessert, so dass die Technologie nun auch für die Bahn interessant ist.

Die neue Technik ermöglicht es auch, dass die Energiespar-Bahn mit der gespeicherten Energie bis zu tausend Meter ohne weitere Energieversorgung fahren kann, also ohne auf die an Masten angebrachten Fahrleitungen angewiesen zu sein. Auf diese Weise könne die Stadtbahn künftig auch dort fahren, wo es bisher aus städtebaulichen Gründen oder wegen des Denkmalschutzes nicht möglich war, Schienentrassen zu errichten, hofft man beim RNV.

Ein weiterer Nebeneffekt: Beim Betrieb aus dem Energiespeicher, also ohne Stromzufuhr über die Oberleitungen, sind nach Angaben des Verkehrsunternehmens auch deutlich geringer strahlende Magnetfelder zu erwarten. Möglich werde der Einsatz der Schienenfahrzeuge von daher auch dort, wo sich die elektromagnetischen Felder der Fahrleitung störend auf Forschungseinrichtungen oder Kliniken auswirken könnten. Vorteilhaft dürfte sich das konkret auf den öffentlichen Nahverkehr im Neuenheimer Feld in Heidelberg auswirken, wo hochsensible Einrichtungen wie die Uniklinik ihren Sitz haben und die Vorbehalte gegen den Bau einer Straßenbahnlinie bisher
entsprechend hoch waren. Weil immer mehr Kommunen auf innovative Energiesparkonzepte setzen, wird das technische Prinzip der Bahn auch für andere Städte von Interesse sein, prognostiziert Roland Krämer. «Ich werde auf
einer Fachtagung über die Technik des Energiespeichers sprechen und ich gehe davon aus, dass es auch zahlreiche Anfragen geben wird.» Damit nehme die Region eine Vorreiterrolle ein, «so etwas gibt es weltweit noch nicht».

Die Erwartung ist nicht unbegründet. Die Stadtbahn mit dem Energiespeicher gilt auch der Landesregierung als vielversprechende Alternative zu herkömmlichen Schienenfahrzeugen. Vor wenigen Tagen wurde das Projekt mit dem ÖPNV-Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Staatssekretär Rudolf Köberle lobte die Innovationskraft der Bahn und betonte, der geringere Energieverbrauch trage zum Klimaschutz bei. Beim Hersteller heißt es übrigens, dass der Energiespeicher grundsätzlich auch in anderen elektrischen oder dieselelektrischen Fahrzeugen eingesetzt werden kann.

(Redaktion)


 


 

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