Stuttgart
Aufrecht: Stuttgarts Bürger gestalten ihre Stadt aktiv mit
Stuttgart. Die gebürtige Cannstatterin Ines Aufrecht übernahm Mitte März ihr neues Amt als Leiterin der Stuttgarter Wirtschaftsförderung. Im Interview mit Business-on.de Stuttgart stellt sich die 34jährige Wirtschaftsjuristin den Fragen zu den Schwerpunkten und Perspektiven ihrer Arbeit - und zeigt sich stolz über Stuttgart und seine Bürgerinnen und Bürger.

Überzeugung: Ines Aufrecht hat Spaß an ihrem an-spruchsvollen Beruf als Leiterin der Wirtschafts-förderung der Landes-hauptstadt.
business-on.de: Frau Aufrecht, Sie sind seit 15. März 2011 die Leiterin der Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Stuttgart – was reizt Sie an diesem Job?
Ines Aufrecht: Ich freue mich darauf, die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Stuttgart in verantwortlicher Position mitzugestalten und gemeinsam mit einem Team, dessen ausgezeichnete Arbeit ich kennen und schätzen gelernt habe, neue Akzente zu setzen.
business-on.de:... und was gefällt ihnen an Stuttgart als Stadt besonders gut?
Ines Aufrecht: Für mich persönlich ist die Stadt eine lebendige Metropole, die nie langweilig wird. Ob wirtschaftliche Stärke, spannende Forschung, beeindruckende Bauprojekte, internationale Kultur oder hippe Clubszene, die Stadt bietet unendlich viel.
business-on.de: Wenn Sie jemand fragt, wozu die Stadt eine eigene „Wifö“ braucht – können Sie ihm und uns die drei wichtigsten Aufgaben einer Wirtschaftsförderung nennen?
Ines Aufrecht: Oberstes Ziel städtischer Wirtschaftsförderung ist meiner Meinung nach die Förderung und Sicherung der wirtschaftlichen Dynamik. Die Stuttgarter Wirtschaftsförderung versteht sich als Dienstleister für Unternehmer, Gewerbetreibende, Freiberufler, Investoren, Existenzgründer und Wissenschaftler. Zu den Handlungsfeldern, auf die wir als kommunale Wirtschaftsförderung direkten Einfluss ausüben können, gehören: Investitionen in Stuttgart zu befördern, sei es durch neu angesiedelte Unternehmen oder durch neue Immobilienprojekte sowie durch unsere Aktivitäten und Maßnahmen für Stuttgarter Unternehmen und imExistenzgründerbereich sowie im Standortmarketing für den Wirtschafts- und Immobilienstandort Stuttgart. All diese für die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts wichtigen Belange vertritt die Wirtschaftsförderung verlässlich nach außen und innen.
business-on.de: Wie hat sich das Budget Ihres Amtes in den vergangenen Jahren entwickelt – und genügt es für eine nachhaltig erfolgreiche Wirtschaftförderung?
Ines Aufrecht: Das Budget der Wirtschaftsförderung wurde im Rahmen der Haushaltskonsolidierung um rund zehn Prozent gekürzt. Dies ist eine Einschränkung, die nicht erfreulich ist. Jedoch stehen die reduzierten Mittel einer nachhaltigen Wirtschaftsförderung nicht entgegen. Denn erfolgreiche Wirtschaftsförderung ist nicht nur eine Frage der Finanzausstattung.
business-on.de: Sie haben doch sicherlich ganz konkrete Visionen und Ziele, die Sie in Ihrer neuen Funktion verwirklichen möchten – verraten Sie uns ein paar davon?
Ines Aufrecht: Mir ist wichtig, dass wir eine nachhaltige Strategie zur Förderung der Kompetenzfelder Stuttgarts verfolgen und dabei die Megatrends wie den demografischen Wandel, den Strukturwandel und die Globalisierung berücksichtigen. Neben den klassischen Themenbereichen wie Ansiedlung und Bestandspflege werden wir umfangreiche branchenspezifische Aktivitäten und Serviceleistungen anbieten, die Ihren Schwerpunkt in eben diesen Kompetenzfeldern haben. Darüber hinaus liegt mir der Mittelstand besonders am Herzen. Daher werden wir eine Reihe von Maßnahmen für den Mittelstand auflegen.
business-on.de: Was sind die wichtigsten Bedingungen/ Kriterien für ansiedlungswillige Unternehmen – bzw. für erweiterungswillige Unternehmen, die schon in Stuttgart sind – um nach Stuttgart zu kommen bzw. in Stuttgart zu bleiben?
Ines Aufrecht: Wichtig ist den Unternehmen die Verlässlichkeit der Verwaltung sowie ein Ansprechpartner und Koordinator innerhalb der Verwaltung. Ein weiteres Hauptbedürfnis der Unternehmen ist es, in Stuttgart geeignete Flächen für ihre Entwicklungen zu finden. Wenn diese dann gefunden sind, begleiten wir als verlässlicher Ansprechpartner die Entwicklungsprozesse im Rathaus. Daneben ist Lebensqualität ein ganz entscheidender Faktor. Dass Stuttgart in punkto Lebensqualität sehr attraktiv ist, bestätigt die Einwohnerentwicklung. 60 % der Zugezogenen in den letzten Jahren kamen aus der wichtigen Altersgruppe zwischen 21 und 35 Jahren. Die starken, international tätigen Unternehmen und die hiesige herausragende Forschungslandschaft benötigen diese entsprechend ausgebildeten Fachkräfte.
business-on.de: Womit kann Stuttgart dabei punkten?
Ines Aufrecht: Beim Thema Lotse durch die Verwaltung kann Stuttgart damit punkten, dass die Stadt einen „Einheiltichen Europäischen Ansprechpartner“ eingerichtet und bei der Wirtschaftsförderung verortet hat. Beim Thema Lebensqualität schneidet Stuttgart ebenfalls hervorragend ab: Jüngst befragte die Stadt Ihre Bürger zwischen 15 und 21 Jahren. Das Ergebnis ist beeindruckend: 86% der Befragten leben gern in Stuttgart. Als Gründe geben sie unter anderem an: Sicherheitsgefühl, gute Bildungschancen, hervorragende berufliche Möglichkeiten und hoher Freizeitwert. Ein Befragter formulierte es so: „Stuttgart ist eine Stadt, in der dem Mensch ermöglicht wird, ein möglichst vielseitiges und hochwertiges Leben zu haben.
business-on.de: Ist der Wettbewerb in der Region um die „Besten und Größten“ - auch als Folge der Wirtschaftskrise und deren Folgen auf die städtischen Haushalte – nicht deutlich härter geworden? Die Abwanderung namhafter Firmen – z.B. ging die IBM unlängst nach Ehningen – schmerzt doch sehr…

Aktenstudium: Stets gut informiert ist Ines Aufrecht eine kompetente An-sprechpartnerin für die Wirt-schaft.
Ines Aufrecht: Stuttgart befindet sich natürlich im Wettbewerb innerhalb der Region, aber auch im Wettbewerb mit anderen deutschen Großstädten. Selbstverständlich ist der Wegzug von Unternehmen aus Stuttgart schmerzhaft. Zeitgleich konnten wir im Jahr 2010 etliche Firmen neu in der Landeshauptstadt ansiedeln. Unter anderem zogen nach Stuttgart der Finanzdienstleister Thomas Lloyd Group, die Wirtschaftsprüfer BDO Deutsche Warentreuhand oder der LABUYLA Store, um nur drei Beispiele zu nennen. Derzeit können wir darüber hinaus eine verstärkte Flächennachfrage von Stuttgarter Firmen verzeichnen.
business-on.de: Stuttgart hat nicht mehr beliebig viele Flächen frei, die sich für die Ansiedlung neuer Firmen eignen würden, ohne dass nicht ein Interessenkonflikt zwischen Naturflächen und reinen Wohnflächen entstehen könnte – Stichwort: innerstädtische Lebensqualität – wo sehen Sie trotzdem Perspektiven?
Ines Aufrecht: Es ist richtig, dass die Landeshauptstadt selbst nur noch wenige und gar keine größeren zusammenhängenden Gewerbegrundstücke mehr im Eigentum besitzt. Größere Gewerbegebiete werden nicht mehr ausgewiesen. Die Wirtschaftsförderung sieht deshalb im Flächenmanagement und in der Nachverdichtung eine bedeutende Aufgabe. Hier müssen wir in den Dialog mit den derzeitigen Eigentümern und Nutzern treten.
business-on.de: Mit das größte Problem für die Wirtschaft – aber auch für die Menschen, die in Stuttgart leben und arbeiten - ist der Straßenverkehr: Stuttgarts Hauptstraßen werden staubedingt zwischen 7 und 9 Uhr sowie zwischen 16 und 18 Uhr mehr und mehr zu „Parkplätzen“. Der Verkehrsinfarkt droht! Doch das kann doch auf Dauer nicht so bleiben - wie sieht die Zukunft aus?
Ines Aufrecht: Das Phänomen Stau zu den Hauptverkehrszeiten finden wir in allen Großstädten weltweit. Alle Städte arbeiten mit Nachdruck daran, die Mobilität stadtverträglich zu gestalten. Stuttgart verfolgt hier verschiedene Ansätze. Zum einen fördern wir die Multimodalität. Das bedeutet, das Nebeneinander der verschiedenen Verkehrsarten wir z.B. Öffentlicher Nahverkehr, Park & Ride und Carsharing noch besser zu vernetzen. Zum anderen bauen wir den Öffentlichen Nahverkehr weiter aus. Besonderes Augenmerk legt Stuttgart auf die Elektromobilität. Bereits seit geraumer Zeit laufen in unserer Stadt Pilotprojekte mit E-Bikes, E-Rollern, E-Autos und Hybridbussen. Zusätzlich entwickeln und testen namhafte hiesige Unternehmen der Mobilitätsbranche neue Nutzungskonzepte wie „Car2 go“.
Darüber hinaus ist Stuttgart als Initiator und Treiber des globalen Städtenetzwerks für urbane Verkehrsfragen sehr engagiert. In diesem internationalen Netzwerk „cities for mobility“ beschäftigen sich 610 Städte, Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus 82 Ländern mit innovativen Verkehrssystemen.
business-on.de: Stuttgart 21: Ein gigantisches Infrastruktur- und Stadtbauprojekt spaltet die Bürger und die Wirtschaft dieser Stadt. Seit Sommer 2010, als der Abriss des Nordflügels des Bahnhofs begonnen hatte, wird die Umsetzung dieses Projekts beinahe ununterbrochen medienwirksam mit Protesten begleitet. Befürchten Sie, dass der Dauerstreit dem Image von Stuttgart als Wirtschaftsstandort schaden könnte?
Ines Aufrecht: Die Auseinandersetzungen um das Bahnprojekt haben ein bis dato in diesem Umfang noch nicht gekanntes Interesse der Medien auf nationaler und internationaler Ebene hervorgerufen. Die Schlichtung hat deutlich gemacht, dass wir für ganz Deutschland neue Formen der Bürgerbeteiligung brauchen. Die Bürger und Bürgerinnen der Landeshauptstadt haben gezeigt, dass sie aktiv ihre Stadt mitgestalten wollen und ihre Meinungen Kund tun. Klar haben die Schlichtungsgespräche und Demonstrationszüge Mehrarbeit und Nerven gekostet. Unser Ruf als exzellenter Wirtschaftsstandort hat nicht gelitten. Absagen von Investoren haben wir nicht erhalten. Denn allen Akteuren aus Politik und Wirtschaft ist auch eines ganz bewusst geworden: Die Rechtssicherheit von Investitionsentscheidungen und das Vertrauen in diese Entscheidungen muss bestehen bleiben. Hierauf baut unser – mit unser meine ich Gesamtdeutschland - wirtschaftlicher Erfolg auf. Wir brauchen ein ausgewogenes Maß an Bürgerbeteiligung in Kombination mit der verlässlichen Rechtssicherheit von Entscheidungen.
business-on.de: Gestatten Sie eine Nachfrage in Zusammenhang mit "S 21": Mitunter wird der Stadt vorgeworfen, dass sie eine zu große Nähe zu den Investoren und zur Bauwirtschaft pflege und darüber die Interessen der Menschen vor Ort vernachlässige. Als Beispiel wird das geplante neue Quartier am Mailänder Platz genannt. Was ist dran an diesen Vorwürfen?
Ines Aufrecht: Nichts! Die Wirtschaftsförderung ist absolut neutral. Unsere Aufgabe ist es, als einheitlicher Ansprechpartner die verschiedenen Anforderungen der städtischen Ämter zu koordinieren und mit Vertretern der Baugemeinschaft abzustimmen. Bedenken Sie bitte: Bei einem Bauvorhaben dieser Größe mit unterschiedlichen Nutzungen (Wohnen, Einzelhandel, Hotel, Büro), sowie unterschiedlichen Verantwortungsbereichen seitens der Antragsteller, ist eine Koordinierung des Verfahrens unter Federführung der neutralen Wirtschaftsförderung sinnvoll und erforderlich.
Das Quartier am Mailänder Platz ist das gegenwärtig größte Bauvorhaben in Stuttgart, dessen Planung enorme Ansprüche an die Stadt stellt. In Anlehnung an Beispiele anderer Großstädte wurde Anfang 2011 eine Lenkungsgruppe gebildet, die aus Vertretern verschiedener städtischer Ämter besteht und sich regelmäßig trifft. Dadurch wird gewährleistet, dass die verschiedenen Belange - z.B. in Sachen Umwelt, Sicherheit und Technik - beachtet werden.
business-on.de: Politisch stehen die Zeichen gegenwärtig auf „grün/rot“: Die Kommunalwahlen im Jahr 2009 und die jüngsten Landtagswahlen brachten eine politische Wende: sowohl im Stuttgarter Gemeinderat als auch im Landtag haben die bürgerlichen Fraktionen keine Mehrheit mehr: spüren Sie aus dem mittelständisch geprägten Handel, Handwerk und Industrie eher Misstrauen oder Skepsis – oder gar Zuversicht und neue Chancen?
Ines Aufrecht: In meinen Gesprächen mit großen und mittelständischen Unternehmen sowie mit Handwerksbetrieben nach der Landtagswahl habe ich Gelassenheit vernommen. Es herrscht Einigkeit darüber, dass auch „Grün/Rot“ Alles dafür tun wird, damit es dem Wirtschaftsstandort weiterhin gut geht und er sich weiter positiv entwickelt. Nachhaltiges Bauen mit den Themenfeldern Architektur, Elektro-, Energie- und Gebäudetechnik ist beispielsweise ein spannender Zukunftsbereich, in dem Stuttgart beachtliches Wachstumspotenzial hat. Dieses Themenfeld wird durch stärkere ökologische Gesichtspunkte einer neuen Wirtschaftspolitik Rückenwind bekommen.
business-on.de: Hat diese „politische Zeitenwende“ bislang schon konkrete Änderungen für die strategische Ausrichtung Ihrer Arbeit bzw. Ihres Amtes bewirkt – oder erwarten sie solche Änderungen?
Ines Aufrecht: Da waren wir, die Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Stuttgart, dem Zeitgeschehen einen Schritt voraus. Bereits Ende letzten Jahres haben wir eine Studie abgeschlossen, in der wir der Frage nachgegangen sind: Welche Kompetenzfelder stehen zukünftig im Focus der Landeshauptstadt? Ergebnisse der umfangreichen Analyse sind beispielsweise die Nachhaltige Mobilität und Ökologisches Bauen. Wir bearbeiten selber bereits viele „grüne“ Themen, so dass wir entspannt den Inputs der neuen Landesregierung entgegensehen.
business-on.de: Ihr Job ist wahrlich kein „9 to 5“-Job - wenn Sie einmal nicht im Büro oder auf Veranstaltungen sind – wo kann man Sie denn nach Feierabend antreffen? (Essen & Trinken, Kultur, Sport…)
Ines Aufrecht: Als echte Cannstatterin bin ich eine bekennende „Wasserratte“ und schwimme gerne. Stuttgart bietet in allen Genres der Freizeitgestaltung so viel, dass ich immer wieder mit Vergnügen Neues ausprobiere.
(Redaktion)
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Glaubt dieser 10% Minderheitspo litiker wirklich er kann mit seiner holtadipolta Methode die Schweiz beeindrucken??? ein MP will... - Guter Beitrag!
Hallo, mit gefällt der Beitrag! Sehr interessant ist auch dies hier: www.wie-verkaufen.de Gruß - -
mein letzter Kommentar wurde nicht gespeichert, offenbar sind hier nur Leiharbeitsbe fürworter erwünscht - -
contra: man kann ohne gesichertes Einkommen nur schwer eine Familie gründen. - Die Auferstehung ist ein Erkennt
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Diejenigen, die sagen: "Der Herr ist zuerst gestorben und dann auferstanden", sind im Irrtum....
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