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Verkehr/Hagnau

Tägliches Verkehrschaos in Hagnau am Bodensee

Hagnaus Bürgermeister Simon Blümcke kann das Verkehrschaos in seiner Gemeinde nicht mehr ertragen. «So kann es nicht weitergehen», sagt der Rathauschef vom Bodensee. Die Situation in dem Wein- und Fischerdorf mit 1500 Seelen entlang der Bundesstraße 31 setzt regelmäßig die komplette Region matt. Hagnau ist ein Nadelöhr. Der Ort ist Durchgangsstation für die Touristen, die von der Autobahn 98 Stuttgart-Singen kommen und in Richtung See oder Berge wollen. Auch die Brummifahrer zum und vom Wirtschaftsraum Friedrichshafen sowie Messebesucher und Passagiere des Bodensee Airport müssen Hagnau passieren.

Allein von Januar bis September 2008 durchquerten im Durchschnitt 20 500 Fahrzeuge innerhalb von 24 Stunden die Gemeinde. Dabei wuchs der Anteil der schweren Lastwagen während der vergangenen drei Jahreum fast 30 Prozent. Für den jüngsten Schub sorgte die Maut, die Unternehmer dazu verleitet, ihre Fahrer auf die kostenfreie Bundesstraße zu schicken. Die wirtschaftsstarke Region steht vor dem Verkehrskollaps.

Seit vier Jahrzehnten ist das Verkehrsdilemma am Bodensee bekannt. Lärm und Gestank wachsen, Entlastung ist nicht in Sicht. Im Wirtschaftsraum Friedrichshafen wird seit Jahren um eine geplante Umfahrung gestritten. Aber selbst wenn sie einst käme, brächte sie Hagnau zunächst nichts. Der Flaschenhals Hagnau bliebe bestehen. Entlastung würde der Ort erst von einer Umfahrung und Bündelung des Verkehrs im Hinterland erfahren. Dies liegt allerdings noch weiter in der Ferne, weil es in der Region an Solidarität mangelt. «Wir würgen die Region hier ab, wir brauchen einen weiteren Bypass», fordert der Bürgermeister daher fast flehentlich.

«Wir sind einen Tick zu brav», befindet der 34-Jährige, der seit sechs Jahren die Gemeinde führt und zuvor einen Lehrauftrag für Europarecht an der Verwaltungsschule im schwäbischen Haigerloch hatte. Hagnau mit seinem überschaubaren Haushaltsvolumen behilft sich mit dem Herumdoktern an den Symptomen, um wenigstens den Lärm für seine Anwohner erträglich zu machen.

So wurden auf eigene Kosten Straßenschächte ausgewechselt und zusammen mit Nachbargemeinden ein Lärmaktionsplan aufgestellt. An ein nächtliches Fahrverbot für den Schwerlastverkehr ist gedacht und an einen lärmschluckenden offenporigen Straßenbelag. Der Bürgermeister selbst stellt sich an die Straße und verteilt Postkarten mit Hilferufen, um die Verkehrsteilnehmer für die Probleme zu sensibilisieren. Mehr bleibt ihm nicht.

Im Rathaus wird befürchtet, dass die katastrophale Verkehrssituation eines Tages der gelobten Hightechregion schadet, etwa wenn die in Friedrichshafen produzierten MTU-Motoren, ZF-Getriebe und Astrium-Satelliten nicht mehr rechtzeitig beim Kunden ankommen. Hoffnung keimte in dem Ort zuletzt durch das Konjunkturprogramm des Bundes auf. Doch die einzige Ost-West-Trasse
im südlichsten Deutschland ist dort nicht als vorrangiges Projekt genannt, weil gegen den Bau der Straße drei Klagen beim Verwaltungsgericht in Mannheim liegen.

Derweil streiten sich die Politiker in Land und Bund weiter. Die Debatte hält seit vielen Jahren an. Eine gemeinsame Linie ist nicht erkennbar. «Im Fall B 31 bewegt sich leider gar nichts», konterte der FDP-Landtagsabgeordnete Hans-Peter Wetzel aus Überlingen eine optimistische Mitteilung seines CDU-Kollegen Ulrich Müller aus Ravensburg. Müller war früher einmal Verkehrsminister des Landes. Er hatte den Wahlkampf mit einem Brief angefeuert, die B 31 doch noch in die Landesliste aufnehmen zu können.

(Redaktion)


 


 

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