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Schwarzarbeit durch Schwarzkittel

Sie kommen nachts unbestellt in Rotten auf unsere Äcker und Wiesen und fangen an zu buddeln, ohne im Auftrag der Besitzer zu handeln. Wer macht so was? Die Antwort lautet: Wildschweine!

Weshalb soll nun der Jäger für die unbestellten Schwarzarbeiter haften? Die Antwort lautet: Weil es so im Bundesjagdgesetz (BJG) unter § 29 BJG steht: „Wird ein Grundstück, das zu einem gemeinschaftlichen Jagdbezirk gehört …, durch Schalenwild (u.a. Wildschweine, aber auch durch Reh- und Rotwild) beschädigt, so hat die Jagdgenossenschaft dem Geschädigten den Wildschaden zu ersetzen“. 

Die Jagdgenossenschaft (z. B. Gemeinde) gibt diese Schadensersatzpflicht in der Regel an den oder die Jagdpächter weiter, geregelt im Pachtvertrag.

Dies war und ist gängige Praxis von der Vergangenheit bis heute. Seit etwa zehn Jahren kommt es nun zu einer deutlichen Erhöhung und somit flächendeckender Ausbreitung von Schwarzwild. In Gebieten, wo bis vor 10 bis 20 Jahren keine oder so gut wie keine Wildschweine vorkamen, tummeln sich heute die „Schwarzkittel“ vorwiegend nachts auf den Feldern und Wiesen und richten Wildschaden an. Die Folge davon ist, dass die Jagdpächter verstärkt zur Kasse gebeten werden – ein Fass ohne Boden.

Die Ursache dieses Phänomens ist:

1. Verstärkter Maisanbau – aufgrund der Überproduktion von Getreide weicht die Landwirtschaft, auch aufgrund öffentlicher Förderung, auf Maisanbau aus (Energiebauer) Die Wildschweine finden in den riesigen Maisfeldern Deckung und Futter (Äsung) gleichzeitig.

2. Mildere Winter – aufgrund der schleichenden Temperaturzunahme werden die Winter milder mit weniger Schnee – was die Bejagung im Winter erschwert.

3. Mastjahre – früher waren alle fünf Jahre Mastjahre von Eichen und Buchen. Aufgrund der Klimaerwärmung haben wir mittlerweile alle zwei Jahre ein Mastjahr, was die Ernährungsgrundlage der Wildschweine drastisch verbessert.

4. Sturm Lothar – er sorgte für mehr Unterholz im Wald gegenüber früher, was die Bejagung der Wildschweine im Wald erschwert.

5. Natürliche Feinde – bedingt dadurch, dass Bär, Wolf und Luchs als natürliche Feinde in der Natur bei uns nicht vorkommen, fehlt dieses Regulativ.

Durch diese Umstände hat sich die Population der Wildschweine dramatisch erhöht, was wiederum zu einer Flächenausdehnung der Wildschweine führte.

Im Gegensatz zum Feld- und Waldwildschaden haftet der Jagdpächter nicht für Wildunfälle im Verkehr. Hier hat schon immer quasi die Allgemeinheit gehaftet.

Was kann man jetzt tun um die Situation zu entspannen vor Ort?

Wild ist per Gesetz „herrenlos“. Der Jagdausübungsberechtigte ist weder Tierhalter, noch Besitzer, noch Eigentümer. Er haftet deshalb grundsätzlich nicht für Schäden, durch das ihm eigene Verhalten, z.B. durch Unfälle wenn Wildtiere über die Straße wechseln.

Nur bei Schäden an Grundstücken (sogenannte Wildschäden) besteht eine Ersatzpflicht nach Maßgabe BJG (Bundesjagdgesetz) und LJG(Landesjagdgesetz).

Die Lösung lautet: 

Der Jäger vor Ort kann und darf aus den geschilderten Umständen, die durch ihn im Prinzip nicht verursacht sind, der Zahlmeister der Nation weiterhin sein. Dieses finanzielle, nicht mehr kalkulierbare Haftungsrisiko für das „herrenlose Wild“ muss haftungstechnisch von der Allgemeinheit – sprich Gemeinde/Land - übernommen werden.

Nur so werden Jagden in Zukunft noch an den Mann (verpachtbar) zu bringen sein und nur so wird das Risiko gerecht verteilt. Wenn der Bürger Rehe und Wildschweine beim Spaziergang sehen will, muss er auch bereit sein, dafür einen kleinen Obolus zu bezahlen. Wir Jäger stehen natürlich weiterhin in der Pflicht den Schaden zu begrenzen, aber er kann nicht nur zu unseren Lasten gehen ohne Deckelung bzw. Maxbegrenzung.

(Dipl.-Ing. Günther Frölich, Weissach)


 


 

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