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Atomabfälle

Verglasung flüssiger Atomabfälle verzögert sich weiter - Ministerium hält sich bedeckt

Die geplante Verarbeitung von 60 000 Litern hoch radioaktiven Flüssigabfalls aus der stillgelegten Wiederaufarbeitungsanlage (WAK) in Karlsruhe verzögert sich auf unbestimmte Zeit. Wie das baden-württembergische Umweltministerium am gestrigen Freitag (17.07.2009) in Stuttgart mitteilte, war die Zustimmung für den «heißen Betrieb» - also die Verglasung der sogenannten «Atomsuppe» - zwar für Juli vorgesehen. Die zugezogenen Sachverständigen hätten das Ministerium jedoch am Donnerstag darüber informiert, dass der letzte vorgesehene Prüfschritt noch nicht vollständig sei. Deshalb könne man die Zustimmung für den Betrieb der Verglasungsanlage noch nicht erteilen.

Auf einen Termin für den Beginn der Verglasung wollte sich das Ministerium nicht festlegen. «Es ist nicht entscheidend, wann es los geht. Entscheidend ist vielmehr, dass den höchsten Sicherheitsanforderungen Rechnung getragen wird», sagte ein Ministeriumssprecher.

   Der energiepolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Franz Untersteller, betonte, dass Sicherheit zwar auch aus seiner Sicht höchste Priorität habe. Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) müsse aber endlich Klarheit schaffen, wann die Verglasungsanlage die Arbeit aufnehmen könne. Sie müsse «erklären, warum es immer wieder zu Verzögerungen kommt, und warum diese dann scheibchenweise bekannt gegeben werden». Schließlich hinke die Inbetriebnahme der Anlage schon fast drei Jahre hinter dem Zeitplan hinterher. Dies dürfe «keine unendliche Geschichte werden», warnte Untersteller.

   Der Ministeriumssprecher räumte ein, dass die erneute zeitliche Verzögerung zwar «nicht erfreulich» sei - zunächst war als Starttermin Ende Juni angepeilt. Nach der mehrjährigen Vorbereitungsphase werde man jedoch jetzt «auf den letzten Metern weiterhin an dem Grundsatz 'Sicherheit vor Schnelligkeit' festhalten».


   Bei der Verglasungsanlage (VEK) handele es sich um eine «Pilotanlage mit umfassenden Sicherheitseinrichtungen». Die Kosten für die Errichtung der Anlage einschließlich der Inbetriebsetzung und späteren Zwischenlagerung der produzierten Glaskokillen lägen inzwischen bei 350 Millionen Euro.  Die strahlenden Flüssigkeiten lagern in der 1991 stillgelegten WAK derzeit in großen Behältern. Sie sollen in Glas eingeschmolzen werden, um sie sicher und endlagerfähig zu machen. Rund 130 Glaskokillen sollen dann in fünf Castorbehälter verfrachtet, nach Greifswald transportiert und dort zwischengelagert werden. Von 1971 bis Ende 1990 wurden in der WAK rund 200 Tonnen Kernbrennstoffe aufgearbeitet.

   Untersteller betonte, dass die Gesamtkosten für den Rückbau der WAK inklusive der Verglasung des Atommülls von einst 1 Milliarde Euro auf mittlerweile 2,7 Milliarden Euro gestiegen seien. «Und jeder weitere Tag beschert dem Steuerzahler Mehrkosten», sagte der Grünen-Politiker. Es sei verständlich, dass die Öffentlichkeit irritiert sei, «wenn alle paar Wochen eine weitere Verschiebung der Inbetriebnahme verkündet wird». Der sogenannte kalte Probelauf der Anlage ohne radioaktives Material war im Mai erfolgreich abgeschlossen worden.

(Redaktion)


 


 

hoch radioaktiven Flüssigabfalls aus der stillgelegten Wiederaufarbeitungsanlage (WAK) in Karlsruhe

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