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  • 18.03.2009, 13:07 Uhr
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  • Friedrichshafen/Plesetsk (Ru)
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Raumfahrt/Satellit/Unternehmen

Vom Bodensee ins Weltall - mit schwäbischer Beteiligung

Sechs Minuten vor dem geplanten Start wurden die Verantwortlichen im russischen Weltraumbahnhof Plesetsk immer blasser. Sie vergaßen fast, den Knopf für den Abbruch zu drücken. Das Tor klemmte, aus dem der Satellit, der in Friedrichshafen am Bodensee mitentwickelt worden war, die Abschussrampe verlassen sollte. Erst sieben Sekunden vor dem Abheben des Forschungssatelliten hatten sie sich aus ihrer Starre befreit und damit vor allem auch am ESA-Stützpunkt in Frascati bei Rom das lähmende Entsetzen unter den Hunderten von Mitarbeitern beendet, die am Montag den Start verfolgen. Die Party musste um einen Tag verschoben werden: Am Dienstag (17. März 2009) war der technische Fehler behoben und mit einem Tag Verspätung startete der Satellit um 15.21 Uhr ins All.

800 Kilometer nördlich von Moskau, vom Kosmodrom Plesetsk, hat die europäische Raumfahrtagentur ESA ihren Forschungssatellit GOCE  - von der Firma "Astrium" in Friedrichshafen mitentwickelt - ins All geschickt. Er soll 20 Monate lang das Schwerefeld der Erde vermessen und kartografieren, dort surfen, in einer Art Achterbahn-Kurs 16 Mal pro Tag um die Erde rasen und aus etwa 260 Kilometern Höhe das Innere unseres Planeten erforschen. So genau, wie das noch keiner getan hat.

Die Wissenschaftler erhoffen sich exklusive Daten für ihre ozeanografischen Untersuchungen, wie der Messung eines Anstiegs des Meeresspiegels, der Analyse von Meeresströmungen oder Erkenntnisse über Klimaveränderungen, Aufschluss über Ozeanzirkulationen und Erdbewegungen, so dass Erdbeben oder Vulkanausbrüche genauer vorhergesagt werden können. Wenn der fünf Meter lange, pfeilspitzenförmige und eine Tonne schwere Forschungssatellit in 20 Monaten seine Aufgaben erfüllt hat, wird man vielleicht auch wissen, wie hoch der Mount Everest tatsächlich ist. Denn auch das soll der Satellit aufklären.

Beteiligt an dem 350 Millionen Euro teuren ESA-Projekt sind über 40 europäische Industriepartner aus 13 Ländern. Unter anderem der Satellitenspezialist Astrium aus Friedrichshafen, der für die Entwicklung und den Bau der Satellitenplattform verantwortlich ist. Allein diese hat 45 Millionen Euro gekostet. Der Chef des Astrium-Standortes am Bodensee, Eckard Settlemeyer, ist mit dem Satelliten hochzufrieden. Er war mit seinen Ingenieuren fast ein Jahrzehnt lang mit dem Projekt beschäftigt. «Wir sind auf einem guten
Weg», sagte der Chef von 1000 Mitarbeitern. Seien die Erderkundungssatelliten ERS-1 im Jahr 1991 und ERS-2 im Jahr 1995 noch experimentell unterwegs gewesen, gewinne zunehmend der zusätzliche Aspekt der operativen Dienste an Fahrt.

Dank des erfolgreichen Satellitengeschäfts sind sowohl die Auftrags- als auch die Beschäftigtenlage in Friedrichshafen stabil. Auch in diesen wirtschaftlich angespannten Zeiten. Für zwei bis drei Jahre liegen Aufträge vor, und der Bedarf an Mitarbeitern wächst eher. Mit der Entwicklung des Forschungssatelliten GOCE waren 40 Ingenieure am Bodensee beteiligt. Sie fiebern jetzt 20 Monate lang mit, unterbrochen vom nächsten Start. Die Ingenieure arbeiten bereits am Eisforschungssatelliten Cryosat-1 und dem Erdbeobachtungssatelliten EarthCARE. Diese sollen dann möglichst beim ersten Startversuch die Rampe verlassen.

(Redaktion)


 


 

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