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Immobilienwirtschaft

Vorstandsmitglied und Marathonläuferin

180 Bewerber um Vorstandsposten

Kathrin Möller: Es sollen 180 Bewerber gewesen sein. In den engeren Kreis, zu dem auch ich gehörte, kamen neun Bewerber. Ich war, so hörte ich, die einzige Frau. Letztendlich waren es noch vier, mit denen der GAG-Aufsichtsrat Gespräche geführt hat.

business-on.de: Ist das ein Kulturschock, wenn man von Bremen nach Köln zieht?

Kathrin Möller: Ich habe eine hohe Affinität zum Norden, sicherlich auch, weil meine Mutter gebürtig daher stammt. Aber Köln hat etwas Lebendiges, das ist mir schon in den ersten Wochen hier aufgefallen ist. Jetzt bin ich schon ganz gespannt auf die Kunst- und Kulturszene.

business-on.de: Was müßte denn städtebaulich in Köln passieren?

Kathrin Möller: Ich denke, dass einerseits durch den Masterplan, der jetzt vom Architekturbüro Speer vorgestellt worden ist, intensive Diskussionen entstehen über das, was umgesetzt werden soll. Zum anderen hat Köln, wie auch viele andere Städte, den Rhein wieder entdeckt. Die Entwicklung des rechtsrheinischen Teils ist ein wichtiges Thema für die Zukunft neben allen Reparaturen, die notwendigerweise noch im Kernstadtbereich durchzuführen sind. Und die GAG hat dabei nicht unwesentliche Aufgaben. Beispielsweise in Vingst, wo es unter anderem darum geht, lebenswerten Wohnraum für eine Klientel mit kleinem Geldbeutel zu schaffen bzw. zu erhalten.

business-on.de: Es wurde gerade das Ergebnis einer Befragung von internationalen Unternehmen über die Bewertung von Köln als Wirtschaftsstandort veröffentlicht. Das Ergebnis ist nicht sehr schmeichelhaft, denn nur zwei Prozent der Befragten würden sich für eine Investition in Köln entscheiden. In welcher Weise ist die GAG von derartigen Ergebnissen betroffen?

Kathrin Möller: Wir sind natürlich auch darauf angewiesen, dass es uns wirtschaftlich gut geht. Das heißt, dass wir Vollvermietung haben und keine Leerstände. Deswegen ist es auch für uns wichtig, dass Köln ein prosperierender Standort ist mit Menschen, die hier Arbeit haben und Miete zahlen können. Das ist das eine. Zum anderen ist meine persönliche Einschätzung, dass Köln eigentlich diese Weltoffenheit und diese Internationalität hat. Von daher wäre es wünschenswert, dass diese Lebendigkeit auch durch die Ansiedlung internationaler Unternehmen gesichert bleibt. Frage ist natürlich auch, was die Attraktivität einer Stadt ausmacht. Ich denke, dazu gehört auch immer ein Stückchen Innovation, Strahlkraft und Eigenständigkeit in der Marke zu haben. Dazu hat die Stadt in den letzten Jahren bereits einiges geleistet.

business-on.de: Der Zeitpunkt, zu dem Sie Ihren neuen Job antreten, ist von den wirtschaftlichen Voraussetzungen denkbar schlecht. Was ist Ihre Einschätzung?

Kathrin Möller: Die Wirtschafts- und Finanzkrise kann uns nicht gleichgültig sein. Wir haben allerdings das Glück, dass wir von der Krise nicht direkt betroffen sind. Wir befürchten natürlich schon, dass durch die Auswirkungen unsere Mieter ihren Arbeitsplatz verlieren und damit den Lebensunterhalt nicht mehr finanzieren können und wir dadurch sekundär von Mietausfällen betroffen sein können. Im Moment macht sich das noch nicht bemerkbar, weil solche Prozesse längerfristig sind.

business-on.de: Was würden Sie Anlegern, die momentan eine Immobilie kaufen wollen, empfehlen?

Kathrin Möller: Das ist eine schwere Frage. Die Situation ist sicherlich nicht dazu geeignet, spekulativ zu kaufen.

business-on.de: Braucht eine Powerfrau Macht, um sich behaupten zu können?

Macht mit Durchsetzungsvermögen

Kathrin Möller: Natürlich braucht man als Frau Durchsetzungsvermögen, um sich Gehör zu verschaffen und um die Ideen, die man hat, durchzusetzen. 

business-on.de: Das Wort Macht gebrauchen Sie offensichtlich nicht gern.

Möller: Richtig. Weil das Wort für mich sehr stark mit Willkür verbunden ist. Aber das ist wahrscheinlich eine sehr weibliche Interpretation. Prinzipiell habe ich natürlich Macht in meiner Position - aber auch eine Menge Verantwortung. Das Schöne an der Macht ist der Gestaltungsspielraum. 

business-on.de: Es ist vielleicht noch nicht der richtige Zeitpunkt, Sie nach Ihren weiteren Zukunftsplänen zu fragen. Ich versuche es trotzdem.

Kathrin Möller: Ganz persönlich wünsche ich mir, dass ich die Entscheidung für Köln nicht bereue und dass ich hier ein neues Zuhause finde. Auch ein soziales Gefüge, in dem ich mich wohl fühle. Im Vorstellungsgespräch habe ich dem Aufsichtsrat gesagt, dass ich hoffe, die nächsten zwanzig Jahre gemeinsam mit der GAG und der Stadt etwas bewirken zu können und positive Spuren zu hinterlassen. Das ist auch der Zeitraum, den man braucht, um etwas nachhaltig gestalten zu können.

business-on.de: Sie haben sicherlich schon vom Kölschen Klüngel gehört. Haben Sie als so genannte Imi Angst davor?

Freundliche und offene Kölner

Kathrin Möller: Nein, überhaupt nicht. Der Kölsche Klüngel ist neben der negativen Besetzung ja auch das, was man neudeutsch soziale Netzwerke nennt. Er spricht auch für Kommunikationsfreude und soziale Nähe. Es gibt zwei Dinge, vor denen man gewarnt wird, wenn man nach Köln zieht. Das ist der Karneval und die rheinische Unzuverlässigkeit. Den Karneval lerne ich nun kennen. Die Unzuverlässigkeit kann ich bislang nicht bestätigen. Freundlichkeit und Offenheit haben mir bislang den Einstieg in die Stadt sehr positiv gestaltet.

business-on.de: Wie schafft man sich ein neues soziales Netzwerk?

Kathrin Möller: Darüber habe ich mir auch Gedanken gemacht. Zwei Dinge haben mich entspannt, was das betrifft. Das eine ist mein weit verstreuter, langjähriger Freundeskreis, mit dem ich mich seit vielen Jahren regelmäßig treffe, ob in Wien, München, Berlin oder eben nun auch in Köln. Der bleibt mir ja erhalten. Das zweite, was ich festgestellt habe, dass Köln als Kultur- und Kunstmetropole eine ganze Menge Anknüpfungsmöglichkeiten bietet, neue Kontakte zu knüpfen. Aber vorerst steht an erster Stelle natürlich meine Arbeit für die GAG, so dass private Unternehmungen erst einmal hinten an stehen.  

business-on.de: Und was sind das für Aktivitäten?

Kathrin Möller: Eine wichtige Seite meines Privatlebens besteht aus Laufen und Bergsport. Das ist ein guter Ausgleich, weil sportliche Aktivität, Koordination und Raum- und Landschaftserleben beim Bergsteigen, Mountainbiken und Klettern zusammenkommen.

business-on.de: Sie sind u.a. Marathon-Läuferin und bereits sieben Mal gestartet. Letztes Jahr in New York. Läßt sich das überhaupt mit Ihrem neuen Job vereinbaren?

Kathrin Möller: Das Training ist wichtig für mich um Konzentration und Ausgleich zu erhalten. Außerdem werde ich natürlich am GAG- Halbmarathon im August und am Köln Marathon im Oktober starten. 

(Karin Bäck)


 


 

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