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Das Ende des Jugendwahns - oder: der demographische Wandel zeigt sich immer deutlicher

Die heute veröffentlichte IHK-Umfrage zeigt es: Der Jugendwahn ist vorbei und die regionale Wirtschaft stellt sich auf den demografischen Wandel ein: Zahlreiche Unternehmen der Region Stuttgart stellen ältere Bewerberinnen und Bewerber über 50 Jahren ein.

Damit reagieren sie auf den demografischen Wandel, der sich jetzt vor allem durch eine geringere Verfügbarkeit von Fachkräften und einen gestiegenen Weiterbildungsbedarf bei der vorhandenen Belegschaft bemerkbar macht. Darüber hinaus intensivieren die Unternehmen ihr Engagement in Aus- und Weiterbildung und setzen auf den Wissenstransfer in altersgemischten Teams. Das ergab eine IHK-Umfrage zum demografischen Wandel, an der sich rund 300 Betriebe beteiligt haben.

„Der Jugendwahn, der den Unternehmen oft vorgehalten wurde, ist vorbei. Trotz Wirtschaftskrise haben 43 Prozent der Firmen in den vergangenen beiden Jahren Mitarbeiter über 50 Jahren eingestellt“, erläutert IHK-Präsident Dr. Herbert Müller. Analog dazu steigt das Durchschnittsalter der Beschäftigten: Bei der Mehrheit der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen liegt der Anteil über 50-Jähriger inzwischen bei 20 bis 40 Prozent. Diese Entwicklung wird sich laut Angaben des Statistischen Landesamtes fortsetzen. „Der demografische Wandel wird sich immer mehr bemerkbar machen“, warnt der IHK-Präsident. Bis 2020 wird sich die Schülerzahl im Südwesten um 20 Prozent reduzieren. Im Jahr 2030 werden in der Region Stuttgart rund 96.000 Menschen weniger leben als heute. Ist bereits heute jede vierte Erwerbsperson im  Land über 50 Jahre alt, wird es 2030 jede Dritte sein. Auch die Alterszusammensetzung innerhalb der Bevölkerung wird sich dramatisch verändern: Immer mehr Ältere kommen auf immer weniger Erwerbsfähige.

„Fast alle befragten Unternehmen rechnen auch damit, künftig vom demografischen Wandel betroffen zu sein“, sagt Dr. Müller. Ein Risiko in diesem Wandel sehen insgesamt 90 Prozent der Betriebe. Dabei schätzt ein Viertel der Befragten dieses Risiko als groß ein, während 64 Prozent eher gelassen nach vorn blicken. Dies sind vor allem Betriebe, die bereits heute eine größere Anzahl älterer Mitarbeiter beschäftigen und darin keine Nachteile sehen. „Dramatisch entwickelt sich die Einschätzung der Firmen in Bezug auf ihre Innovationsfähigkeit: Während heute hier nur sechs Prozent Probleme sehen, erwartet fast jedes vierte Unternehmen in der Zukunft eine Verschlechterung“, erläutert der IHK-Präsident. Dies bedrohe nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft auf den Weltmärkten sondern auch das Rationalisierungstempo, dessen Bedeutung angesichts des Fachkräftemangels zunehmen müsse.

Während die Unternehmen als Reaktion auf den demografischen Wandel heute in erster Linie auf verstärkte Ausbildung setzen, wollen sie sich in der Zukunft vermehrt in der Weiterbildung engagieren. Weitere Maßnahmen sind nach wie vor die Förderung von Know-how Transfer in altersgemischten Teams und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Der Blick ins Ausland gewinnt auf der Suche nach Fachkräften zwar an Bedeutung, bleibt mit 21 Prozent der Nennungen allerdings eher auf den hinteren Plätzen der Maßnahmenrangliste. Schlusslicht ist die Verlagerung von Tätigkeiten ins Ausland, dies planen nicht einmal zehn Prozent der befragten Unternehmen. 34 Prozent der kleinen Unternehmen mit bis zu 19 Mitarbeitern halten Reaktionen auf den demografischen Wandel gar nicht für nötig, was mit ihrem im Vergleich zu großen Unternehmen absolut gesehen geringeren Fachkräftebedarf sowie geringeren Ressourcen etwa für ausgefeiltes Personalmanagement zusammenhängt.

„84 Prozent der Unternehmen wünschen sich Unterstützung bei der Bewältigung des demografischen Wandels“, betont Dr. Müller. So sollte das Potenzial älterer Erwerbsfähiger und das der weiblichen Fachkräfte besser ausgeschöpft werden.  Dr. Müller weiter: „In der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sehen die Firmen eine große Chance und erwarten neben eigenem Engagement auch vom Staat entsprechende Maßnahmen.“ Außerdem sprechen sich die Befragten für mehr Transparenz bei den Fördermöglichkeiten für Unternehmen aus. Bildungspolitische Maßnahmen, etwa eine stärkere Ausrichtung von schulischer und akademischer Ausbildung an der Arbeitswelt, hält ein Fünftel der Unternehmen ebenfalls für sehr wichtig.

Die Broschüre „Demografischer Wandel – Damoklesschwert für die Wirtschaft?“ finden Sie neben der Pressemitteilung unter "Downloads".

(Redaktion)


 


 

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