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Wieder Unruhe bei OPEL-Verhandlungen

Der Bieterstreit um den Autohersteller Opel hat sich zu einem Zweikampf zwischen dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna und dem Finanzinvestor RHJ zugespitzt. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte am gestrigen Freitag (17.07.2009) in Berlin, dass die Verhandlungen mit beiden Bietern derzeit in einer wichtigen Phase seien. Gleichzeitig wiederholte er, dass die Bundesregierung «eine gewisse Präferenz für das Konzept von Magna» habe. RHJ-Chef Leonhard Fischer erklärte derweil, dass Opel nach einem möglichen Einstieg drastische Einsparungen bevorstünden. Demnach soll rund jeder Fünfte der europaweit 50 000 Arbeitsplätze gestrichen werden.

Regierungssprecher Ulrich sagte weiter, dass in den nächsten Tagen noch offene Fragen geklärt werden müssten. Dabei gehe es vor allem um Einzelheiten der Finanzierungskonzepte. Zugleich betonte er, dass der Bieterprozess noch offen sei. Der chinesische Autobauer BAIC sei weiterhin interessiert. Die Verhandlungen mit Magna und RHJ seien jedoch in einem «weiter fortgeschrittenen Stadium», sagte Wilhelm. Magna und RHJ hätten erklärt, in den nächsten Tagen unterschriftsreife Angebote vorlegen zu können. Dies sei ein Stadium, in dem die anderen Interessenten noch nicht seien, sagte Wilhelm.

   Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) erklärte: «Jedes Angebot muss daraufhin geprüft, wie valide der Businessplan ist.» Die eine oder andere Frage sei noch zu lösen, sagte er am Rande des CSU-Parteitages in Nürnberg mit Blick auf das Magna-Konzept. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) drückte derweil aufs Tempo. «Ich fordere alle Beteiligten auf, jetzt endlich zu Potte zu kommen. Wir brauchen eine klare Entscheidung auch im Interesse der vielen Mitarbeiter bei Opel», sagte er in Düsseldorf. Wichtig sei, dass es dabei weder zu betriebsbedingten Kündigungen noch zur Schließung von Standorten komme.

   Derweil bezifferte RHJ-Chef Fischer in der «Bild»-Zeitung (Freitagausgabe) das jährliche Einsparvolumen nach einem möglichen Einstieg des Finanzinvestors bei Opel auf 800 Millionen Euro. Zugleich erneuerte er seine Bestandsgarantie für alle vier Werke in Deutschland. «Um es deutlich zu sagen: Wir werden alle vier deutschen Opel-Werke erhalten», sagte er. Für die Kostensenkungen wolle man «die Partnerschaft mit der ehemaligen Opel-Mutter GM nutzen, zum Beispiel beim gemeinsamen Einkauf von Fahrzeugteilen», sagte Fischer.

   Weiter betonte der RHJ-Chef, dass Opel eigenständig bleiben solle. «Wir wollen Opel als eigenständiges Unternehmen führen, die Mitarbeiter sollen sich mit bis zu zehn Prozent an der Firma beteiligen können», sagte Fischer. In diesem Zusammenhang wies er Spekulationen als «Unsinn» zurück, wonach sich RHJ im Falle einer Opel-Übernahme schon nach wenigen Jahren wieder von der Beteiligung trennen wolle. «Wir sind eine börsennotierte Industrieholding und denken in langen Zeiträumen. Das trifft auch bei Opel zu.», betonte der RHJ-Chef. Bei der Sanierung habe die Rückzahlung von Staatshilfen Vorrang. «Solange der deutsche Steuerzahler nicht jeden Euro seines Geldes zurückerhalten hat, werden wir auch keine Dividenden erhalten», sagte Fischer.

  Unter Berufung auf das RHJ-Konzept berichtete die Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires, dass der Finanzinvestor im Falle des Erwerbs eines 50,1 prozentigen Anteils 275 Millionen Euro bis Ende 2012 investieren will, davon 175 Millionen Euro bei Vertragsabschluss. Die Opel-Mutter General Motors (GM) würde dann noch 39,9 Prozent halten. Wie aus dem Dokument weiter hervorgeht, will RHJ Staatshilfen von 3,8 Milliarden Euro beantragen und bis 2014 zurückzahlen. Die Gewinnschwelle beim operativen Ergebnis soll bei Opel 2011 erreicht sein.

   An den einzelnen Standorten soll die Produktion laut dem Papier zum Teil deutlich zurückgefahren werden, am thüringischen Standort Eisenach sogar bis 2012 ruhen. Weniger soll auch im englischen Luton und spanischen Saragossa produziert werden. Das belgische Werk in Antwerpen soll im März 2010 geschlossen werden.

(Redaktion)


 


 

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