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Zukunft Personal Köln 2014

Ihr wiederholt Euch! Kreativer Overkill in Unternehmen

In vielen Branchen kommen immer schneller neue Produkte und Dienstleistungen auf den Markt. Kreativität und Innovationsfähigkeit sind deshalb verstärkt erfolgskritisch für moderne Unternehmen. Doch warum tun sich so viele Betriebe schwer, ausgetretene Pfade zu verlassen? Antworten auf diese Frage gibt der als „Enfant Terrible“ unter den Business-Vordenkern bekannte Alf Rehn, Management-Professor an der Åbo Akademi University (Finnland), in seinem Keynote-Vortrag am Dienstag, 14. Oktober 2014, auf der Messe Zukunft Personal in Köln.

„Wir neigen dazu, Kreativität zu vereinfachen und machen daraus etwas, was wir schon kennen: ein Best-Practice-Beispiel“, hat Prof. Alf Rehn bei seiner weltweiten Arbeit in Forschung und Praxis festgestellt. Die meisten Industriezweige oder Unternehmensfelder hätten ihre bevorzugten Vorbilder – zum Beispiel Apple, Google, Philips oder 3M. „Indem wir die Kreativität anderer nachahmen, begrenzen wir unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten, wirklich neue Arbeitsformen, Produkte oder Dienstleistungen zu kreieren“, ist der Management-Vordenker überzeugt, den die „Times“ einmal einen „Star der Zukunft“ nannte.

Endstation Kreativitätsstress

Ein weiterer Kreativitätskiller sei das fehlende Gleichgewicht von Geben und Nehmen: „Wir können nicht Kreativität fordern, ohne die nötigen Bedingungen dafür zu schaffen.“ Oftmals herrsche in Unternehmen eine Art Innovationsstress. „Mitarbeiter sind ständig überarbeitet und dann kommt der Chef und sagt so nebenbei, dass sie auch noch kreativ und innovativ sein sollen.“ Als Gegenbewegung lasse sich ein Trend in Richtung Aufmerksamkeitskultur beobachten, den der Trainingssektor mit Angeboten für Entspannung und Selbstreflexion aufgreife. Diesen Ansatz hält Rehn für vielversprechend, solange er als Bestandteil in einem größeren Innovations-Mix daherkomme – angepasst an die individuelle Situation des Unternehmens.

Provokativere Führungskultur schaffen

Wichtiger sei allerdings die Führungskultur. „Wir brauchen provokativere Führungskräfte“, lautet eine der Forderungen des Management-Vordenkers. Häufig seien Führungskräfte zu brav und vorsichtig, weil sie niemanden im Betrieb verärgern wollten. So könne allerdings keine produktive Reibung entstehen, die gerade von unterschiedlichen Perspektiven und Meinungen herrühre. „Führungskräfte und Mitarbeiter sollten ihre Gedanken frei von der Leber weg aussprechen, auch wenn sie wissen, das könnte jemand abstoßend finden.“ Nur durch eine Art Erschütterung entstehe Veränderung und nicht, indem alle sich in ihrer Sicht- und Arbeitsweise bestätigten.

Unternehmen demokratisieren

„Wir müssen unsere Beschäftigten befähigen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und mit ihren Ideen zu experimentieren“, ist der Innovationsexperte überzeugt. Die Demokratisierung von Organisationen sei deshalb ein Megatrend. Es gebe bereits Ansätze, Autorität und Entscheidungsfindung über selbstorganisierte Teams zu verteilen anstatt sie an der Spitze der Hierarchie anzusiedeln. Gleichzeitig warnt Prof. Rehn vor einer kompletten Abschaffung von Führung: „Sogar eine perfekt demokratisierte Organisation braucht jemanden, der Entscheidungen trifft. Beides ist nötig: Demokratie und Führung.“

Social Media als Kreativitätsturbo?

Lange Zeit habe Social Media als Werkzeug gegolten, um Wissen zu demokratisieren. Doch diese Vorstellung entmystifiziert Rehn: Social Media werde immer mehr zu einem herkömmlichen Medien-Kanal. „Zu oft sehe ich, wie Leute immer das gleiche Zeug teilen oder die immer gleichen Posts aus der gleichen Quelle immer wieder retweeten – ohne über einen tieferen oder produktiveren Sinn nachzudenken“, so der Professor, der aktiv auf Twitter unterwegs ist. „Wir sollten uns erinnern, dass Social Media nur ein Werkzeug ist. Es arbeitet nur so gut, wie wir damit umgehen.“

Über Aufbau und Zerfall kreativer Unternehmenskulturen spricht Alf Rehn auch in seinem Vortrag auf der Messe Zukunft Personal. Im Anschluss können die Zuschauer ihre Fragen an den Experten aus Skandinavien richten.

Keynote-Vortrag von Alf Rehn:
“The design and decay of creative cultures – how ideas die in the contemporary corporation” (auf Englisch)
powered by: The London Speaker Bureau
Zukunft Personal 2014,
Dienstag, 14. Oktober, 14.30 bis 15.30 Uhr, anschließend Public Interview
koelnmesse, Halle 2.1, Keynote-Forum

Über Alf Rehn
Alf Rehn ist ein international bekannter Business-Vordenker, Autor, Speaker und Management-Professor. Aktuell hat er den Lehrstuhl für Management und Organisation an der Åbo Akademi University in Finnland inne. Vorher war er SSES-Professor (Stockholm School of Entrepreneurship) für Innovation and Entrepreneurship am Royal Institute of Technology in Stockholm und hat an vielen Universitäten weltweit gelehrt. Thinkers50, ein Ranking internationaler Top-Speaker, hatte den internationalen Top-Professor 2009 auf dem „Guru Radar“. Alf Rehn hat zahlreiche akademische Texte veröffentlicht, aber auch eine Reihe an Büchern, Artikeln und Kolumnen für das breite Publikum. Einen Namen hat er sich auch auf Twitter gemacht (@alfrehn). Aktuell lebt er in Finnland und Dänemark – und an vielen Orten rund um den Globus.

(Redaktion)


 


 

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