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Interview mit Dr. Dieter Salomon

9 Fragen an ... Dr. Dieter Salomon, Oberbürgermeister der Stadt Freiburg im Breisgau

Suedbaden.Business-on.de befragte führende Persönlichkeiten zu Ihren Einschätzungen und Erwartungen für das neue Jahr. In diesem Interview verrät Herr Dr. Dieter Salomon, wie sich seiner Einschätzung nach, die Wirtschaft und die Arbeitsplatzbeschäftigung in der Region entwickeln wird.


Business-on.de Südbaden: Herr Dr. Salomon, wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Entwicklung des vergangenen Jahres?

Dr. Dieter Salomon: Für die Stadt und die Region Freiburg ausgesprochen gut. Die Arbeitslosenquote in der Stadt und im Bezirk Freiburg ist 2008 weiter zurück gegangen, und wir halten unsere Position als der Stadtkreis in Baden-Württemberg mit den höchsten Arbeitsplatz-Zuwächsen.

Business-on.de Südbaden: Wie wird sich der Arbeitsmarkt in der Region in 2009 entwickeln?

Dr. Dieter Salomon: Ich hoffe – und ich gehe nach Gesprächen mit vielen Fachleuten auch davon aus -, dass wir besser durch die Krise hindurch kommen als andere, weil Freiburg ein Standort mit einer vielfältig gegliederten Wirtschaftsstruktur ist, mit einem sehr hohen Anteil an Dienstleistungen und ohne Abhängigkeit von nur einer Branche. Was die Stadt beitragen kann zu mehr Arbeits- und Ausbildungsplätzen, das tun wir mit unserem Haushalt und den Investitionsausgaben, an erster Stelle für die Sanierung von Schulen. Unser Haushalt ist mit über 60 Millionen Euro Investitionsausgaben pro Jahr ein regionales Konjunkturprogramm im besten Sinne.

Business-on.de Südbaden: Welche Faktoren zeichnen den Standort Südbaden besonders aus?

Dr. Dieter Salomon: Das sind mehrere Faktoren: Die Vielfalt der Branchen, ein hoher Anteil an Dienstleistungen, eine überproportional starke und schnell wachsende Umweltwirtschaft, und Freiburg als Standort für Wissenschaft und Forschung, vor allem im Sektor Life Sciences. Die Universität mit dem Klinikum ist der größte Arbeitgeber in Südbaden.

Business-on.de Südbaden: Spüren Sie bereits die Ausmaße der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise? Welche Folgen bedeutet dies für Sie und Ihr Unternehmen?

Dr. Dieter Salomon: Wir spüren die ersten Anzeichen. Das größte gewerbliche Unternehmen, ein Hersteller für Mikrochips, hat angekündigt 450 Stellen abzubauen. Ausschlaggebend ist die Absatzkrise in der Unterhaltungselektronik und Automobilindustrie. Das sind weltweit wirksame Ursachen und keine, die im Standort bedingt sind. Trotzdem ist es schmerzhaft für die Betroffenen und die ganze Stadt.

Business-on.de Südbaden: Welche Chancen und Risiken wird das Jahr für die Region Südbaden bringen?

Dr. Dieter Salomon:Die Chance, dass wir unsere Position als Wissenschaftsstandort und als Standort für Umweltwirtschaft weiter stärken, um damit Risiken zu mindern.

Business-on.de Südbaden: In welchem anderen Unternehmen würden Sie gern mal für einen Tag arbeiten und warum?

Dr. Dieter Salomon: An einem Tag ändert man nichts, und für einen fundierten Einblick ist ein Tag zu wenig. Ich möchte in meinem Amt als Oberbürgermeister mit niemandem tauschen.

Business-on.de Südbaden: Sind Sie als Unternehmer zufrieden mit Standort Südbaden, und welche Faktoren schätzen Sie besonders?

Dr. Dieter Salomon: Wie ich als Oberbürgermeister höre, ist die Wirtschaft sehr zufrieden mit dem Standort und den Rahmenbedingungen. Ein wirtschaftsfreundliches Klima, die Lage mitten in Europa in einer der schönsten Landschaften, ein Arbeitsmarkt mit gut ausgebildeten Fachleuten, die Nähe zu Forschung und Wissenschaft, eine interessante Kulturszene – das sind die Faktoren, die in der Wirtschaft immer wieder als positiv herausgestellt werden.

Business-on.de Südbaden: Welche Maßnahmen, sind für das kommende Jahr geplant, oder werden größere Investitionen neu überdenkt?

Dr. Dieter Salomon: Wir sind nach einigen schwierigen Jahren in der glücklichen Lage, dass der Haushalt ausgeglichen ist und es möglich macht, in die Infrastruktur zu investieren und gleichzeitig in nennenswertem Umfang Schulden zu tilgen. An diesem Programm wollen wir festhalten, und solange die Einnahmen durch Steuern und Finanzzuweisungen einigermaßen stabil bleiben, können wir auch weiter investieren und Schulden abbauen.

Business-on.de Südbaden: Was sind die wichtigsten Trends, die im kommenden Jahr einen maßgeblichen Einfluss auf die Region Südbaden haben werden?

Dr. Dieter Salomon:Sicherlich an erster Stelle die Wirtschafts- und Finanzkrise. Gegen weltweite Einbrüche können wir wenig tun, sondern allenfalls die Folgen abfedern. Ich setze aber darauf, dass unsere Stärken als Bildungs- und Wissenschaftsstandort und als Standort der Umweltwirtschaft krisenresistenter sind als andere Bereiche. Die Menschen wissen, dass Bildung und Qualifizierung gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wichtig sind. Dafür bietet Freiburg viel mit der Universität und den Hochschulen. Und die Menschen wissen auch, dass sie in Zeiten langfristig steigender Energiepreise und angesichts des Klimawandels etwas tun müssen, um den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen zu senken. Freiburg hat das wirtschaftliche Know-How, die Erfahrung der Wirtschaft und die Konzepte der Stadtpolitik dafür. Beide sind und bleiben auch in der Wirtschaftskrise Wachstumsbranchen. Das stimmt mich zuversichtlich.

Business-on.de Südbaden: Was sind die wichtigsten Trends, die Ihre Branche im kommenden Jahr maßgeblich bestimmen werden?

Dr. Dieter Salomon: Eine Stadtverwaltung ist kein Unternehmen. Übertragen auf die Stadtpolitik, spüren wir als wichtigsten Trend immer mehr das Bedürfnis der Bürgerinnen und Bürger nach Bildung und Betreuung, schon ab dem Vorschulalter bis zum Anspruch des lebenslangen Lernens. Diesem „Trend“ muss die Politik entsprechen, weshalb Freiburg hier einen besonderen Schwerpunkt setzt.

Auf Dauer werden die Städte attraktiv sein, die entsprechende Angebote für Bürgerschaft bereitstellen können: Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren, Ganztags-Kindertagesstätten, gut ausgestattete Schulen und leichte Übergänge in die betriebliche Ausbildung oder in die Hochschulen, auch für Kinder aus Migrantenfamilien. Wer das verschläft, gerät im Wettbewerb der Standorte hoffnungslos ins Hintertreffen.

Business-on.de Südbaden: Was war Ihr Aufreger des letzten Jahres?

Dr. Dieter Salomon:Das Leben eines Oberbürgermeisters ist jeden Tag aufregend, vor allem in einer Stadt wie Freiburg. Positiv „aufgeregt“ hat mich, dass wir bereits im Spätsommer 2008 einen Haushalt für 2009 und 2010 aufstellen und im Dezember 2008 beschließen konnten. Der Haushalt wird uns mit seinen guten Eckwerten, was Investitionen und Schuldenabbau angeht, hoffentlich solide durch das Konjunkturloch bringen.

Business-on.de Südbaden: Haben Sie einen guten Vorsatz für das neue Jahr?

Dr. Dieter Salomon: Kurs halten und nicht von Fatalisten beirren lassen.

Business-on.de Südbaden: Vielen Dank für Ihre Einschätzungen.

(Redaktion)


 


 

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