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INTERVIEW MIT Karl Röckinger

9 Fragen an ... Karl Röckinger, Landrat des Enzkreises

Suedbaden.Business-on.de befragte führende Persönlichkeiten zu Ihren Einschätzungen und Erwartungen für das neue Jahr. Der Jurist Karl Röckinger sagt im Interview mit suedbaden.business-on.de, welche Risiken er 2009 für die Firmen seiner Region erwartet und wie die Landkreisverwaltung im Enzkreis die Wirtschaft unterstützt.

Business-on.de Südbaden: Wie wird sich der Arbeitsmarkt in
ihrem Landkreis 2009 voraussichtlich entwickeln? Bleibt es stabil?

Karl Röckinger: Ohne die Finanzkrise hätte ich diese Frage ohne zu zögern mit „ja“ beantworten können. So aber vermag ich keine Prognose abzugeben. Die
Krise wird in der Realwirtschaft im Enzkreis ankommen und damit auch
auf dem Arbeitsmarkt – in Frage steht nur in welcher Intensität.
Fachkräfte werden nach wie vor gesucht werden. Insgesamt bin ich
sicher, dass die Unternehmen bei uns im Kreis im Kern gesund sind.

Business-on.de Südbaden: Welche guten und schlechten Faktoren zeichnen den Standort besonders aus?

Karl Röckinger: Der Enzkreis ist ein Wirtschaftsraum mit vielen Standortvorteilen. Er liegt zwischen den Ballungszentren Stuttgart und Karlsruhe und ummantelt die Stadt Pforzheim. Diese besondere Lage bietet eine Reihe von Vorteilen, Chancen und Möglichkeiten. Dazu gehören zum Beispiel der direkte Anschluss an die Autobahn und an das überregionale Fernstraßen- und Eisenbahnnetz sowie die Nähe zum Landesflughafen Stuttgart und zum Baden-Airport. Die  Bundesautobahn A8 Karlsruhe-Stuttgart sowie mehrere Bundesstraßen führen durch das Kreisgebiet und Mühlacker ist ein wichtiger Bahnknotenpunkt.

Business-on.de Südbaden: Welche Chancen und Risiken wird das
Jahr für die Region bringen?

Karl Röckinger: Als Zulieferer-Region für die Automobilindustrie in Stuttgart,
Sindelfingen oder Rastatt und für den Maschinenbausektor besteht das
Risiko, dass unsere Unternehmen mögliche Auswirkungen der Finanzkrise
zu spüren bekommen.  Eine der größten Stärken ist jedoch das vorhandene
Unternehmenspotenzial mit seinem breiten und diversifizierten Spektrum
an Kompetenzen. Wir haben eine große Zahl an inhabergeführten mittelständischen Unternehmen mit einer hohen Standortbindung sowie eine Vielzahl von hochinnovativen kleineren Firmen. Diese sind im besten Sinne sogenannte „hidden champions“, die sich auf Nischenprodukte spezialisiert haben und oft im Kreise der Weltmarktführer ihrer Branche anzutreffen sind.

Business-on.de Südbaden: Bei welchen Unternehmen in Ihrem
Landkreis waren Sie schon zu Besuch?

Karl Röckinger: Seit meinem Amtsantritt vor bald 6 Jahren besuche ich im
Monatsrhythmus eine Kreisgemeinde. Schwerpunkt dieser Besuche sind die
ortsansässigen Firmen. Ich habe so inzwischen etwa 200 Unternehmen im
Enzkreis besucht.

Business-on.de Südbaden: Welche Maßnahmen zur Förderung der
Wirtschaft sind für das kommende Jahr im Landkreis geplant?

Karl Röckinger: Die mittel- und langfristige Ausrichtung der Wirtschaftspolitik des
Enzkreises erfordert ein ganzheitliches Vorgehen. Unser Motto lautet
„die Stärken stärken” mit dem Ziel, mittelfristig die Wirtschaftskraft des Kreises zu erhöhen. Dabei soll ein Schwerpunkt der Aktivitäten auf die wachstumsstarken und bereits entwickelten Cluster gelegt werden. Durch Fokussierung der öffentlichen Maßnahmen – weg vom Gießkannenprinzip – werden Wachstumskerne weiterentwickelt, die über die jeweiligen Branchen hinaus wirken.  Wir als Landratsamt unterstützen die Wirtschaft, indem wir schnelle
Bearbeitungszeiten in Planungs- und Genehmigungsverfahren gewährleisten. Wir haben zum Beispiel ein Wertanalyse-Projekt „Träger öffentlicher Belange“ erfolgreich durchgeführt, um Abläufe und Entscheidungen von Baurecht, Naturschutz, Gewerbeaufsicht, Forst, Landwirtschaft und Straßenbau zu bündeln und zu optimieren.

Business-on.de Südbaden: Wird der Landkreis "antizyklisch"
handeln und in diesem Jahr besonders viel investieren?

Karl Röckinger: Wir werden in diesem Jahr ein „Investitionsfeuerwerk zünden“ – so habe ich es in meiner Haushaltsrede genannt: Insgesamt fast 18 Millionen
Euro fließen vor allem in unsere Schulen, in die Straßenerhaltung, in die Straßenmeistereien und in die Abfallwirtschaft. Dazu kommen Investitionszuschüsse für die Enzkreis-Kliniken, die Krippen in den
Enzkreis-Kommunen sowie für die Alfons-Kern-Schule in Pforzheim.

Business-on.de Südbaden: Was sollte die Bundesregierung tun,
um die heimische Wirtschaft zu fördern?

Karl Röckinger: Ich denke, dass der aktuelle Beschluss sehr sinnvoll ist: nämlich den Großteil des Investitionspakets in die Verantwortung der Kommunen zu
legen. Wenn hier keine bürokratischen Hindernisse aufgebaut werden, kann damit vor Ort einiges getan werden.

Business-on.de Südbaden: Besitzen Sie Aktien oder Investmentfonds?

Karl Röckinger: Nein.

Business-on.de Südbaden: Was halten sie davon, dass auch
Unternehmer soziale Verantwortung haben? Kennen Sie Beispiele?

Karl Röckinger: Bürgerschaftliches Engagement oder Social Sponsoring sind für viele Unternehmen im Enzkreis eine Selbstverständlichkeit: Sie unterstützen
Vereine, helfen beim Bau von Kinderspielplätzen, fördern das kulturelle Leben, spenden für Rettungsdienste oder setzen sich für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz ein.

(Redaktion)


 


 

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