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INTERVIEW MIT MICHAEL HAFNER

9 Fragen an ... Michael Hafner, Verbandsdirektor der Bauwirtschaft Südbaden

Suedbaden.Business-on.de befragte führende Persönlichkeiten zu Ihren Einschätzungen und Erwartungen für das neue Jahr. Herr Michael Hafner ist Jurist (Rechtsanwalt), 54 Jahre alt und seit 1994 Verbandsdirektor der Bauwirtschaft Südbaden.

Business-on.de Südbaden: Welche Gesetzesänderung würde der Bauwirtschaft Südbaden helfen?

Michael Hafner: Unser Verband fordert die Einführung eines reduzierten Mehrwertsteuersatzes auf arbeitsintensive Dienstleistungen im Wohnungsbau. Hierdurch kann die Baunachfrage belebt werden. Gleichzeitig würde die Schwarzarbeit bekämpft. Ein zweites wichtiges Anliegen unseres Verbandes ist die Einführung einer zweckgebundenen PKW-Maut auf Autobahnen. Nur so kann sichergestellt werden, dass genügend Geld für den notwendigen Ausbau und die Instandsetzung des Verkehrswegenetzes vorhanden ist. Wichtig ist, dass die Mauteinnahmen ausschließlich dem Verkehrswegebau zugute kommen.

Business-on.de Südbaden: Wie wird sich 2009 der Arbeitsmarkt in der Region in Ihrer Branche entwickeln?

Michael Hafner: In den vergangenen beiden Jahren ist die Arbeitslosigkeit in der Bauwirtschaft deutlich zurückgegangen. 2009 wird sich dieser Trend wegen der gesamtwirtschaftlichen Rezession nicht mehr fortsetzen. Hoffnung machen den Bauunternehmen jedoch die Konjunkturprogramme der Bundesregierung, die in diesem und im nächsten Jahr für eine gewisse Stabilisierung auf dem Bau-Arbeitsmarkt sorgen dürften. Wir hoffen darüber hinaus, dass die Prognosen einiger Wirtschaftsforschungsinstitute zutreffen, die ein Erreichen der konjunkturellen Talsohle im laufenden Jahr erwarten.

Business-on.de Südbaden: Welche Faktoren zeichnen den Standort Südbaden für den Bereich Bau besonders aus?

Michael Hafner: Südbaden gehört bundesweit zu den attraktivsten Regionen und verzeichnet daher eine kontinuierliche Zuwanderung. Das hieraus resultierende Bevölkerungswachstum wirkt sich positiv auf die Nachfrage nach Bauleistungen aus.
Ein besonderes Kennzeichen Südbadens ist außerdem, dass es im Westen an Frankreich und im Süden an die Schweiz grenzt. Die regionalen Bauunternehmen haben, wenn sie in den benachbarten ausländischen Regionen tätig werden wollen, zum Teil mit erheblichen Hindernissen zu kämpfen. Andererseits bietet das nahe Ausland aber auch Marktchancen.

Business-on.de Südbaden: Was bringt der Energieausweis?

Michael Hafner: Mit der Einführung des Energieausweises für Gebäude, dem Erneuerbare-Energien-Gesetz und der Energieeinsparverordnung 2009 setzt der Gesetzgeber ein deutliches Zeichen für den Klimaschutz, die Senkung des Energieverbrauchs von Gebäuden und die verstärkte Verwendung erneuerbarer Energien. Wir erwarten durch diese gesetzlichen Vorschriften mittel- bis langfristig einen deutlichen Auftragsschub für die Bauwirtschaft.

Business-on.de Südbaden: Wann wird es wieder mehr Aufträge geben?

Michael Hafner: Die weitere gesamtwirtschaftliche Entwicklung in diesem Jahr ist noch nicht klar abzusehen. Wir erwarten, dass die verabschiedeten Konjunkturprogramme im In- und Ausland wirksam sind und die Konjunktur stützen. Wie unsere neueste Konjunkturerhebung ergeben hat, ist die Geschäftslage in der südbadischen Bauwirtschaft insgesamt noch stabil. In den kommenden Monaten könnten die steigenden öffentlichen Bauinvestitionen den Rückgang im Wirtschaftsbau und die Schwäche des Wohnungsbaus ausgleichen, wenn die Programme in der Region tatsächlich greifen.

Business-on.de Südbaden: Welche Bereiche der Bauwirtschaft haben besonders gute Chancen auf Geschäfte in Frankreich?

Michael Hafner: Der französische Bausektor hat in den vergangenen Jahren ein stabiles Wachstum verzeichnet, so dass südbadische Bauunternehmen sich hier einen Markt erschließen konnten. Chancen für deutsche Bauunternehmen gibt es z.B. im Bereich Ausbau, bei energetischen Sanierungsmaßnahmen sowie in der Solarenergienutzung. Auch im Wohnungsbau, Wirtschaftsbau und öffentlichen Bau existiert ein erhebliches Marktpotenzial. Leider muss der Bausektor in Frankreich seit dem vergangenen Herbst einen deutlichen Einbruch verkraften. Wir gehen davon aus, dass sich mit der Überwindung der Wirtschaftskrise auch die französische Bauwirtschaft wieder erholen wird.

Business-on.de Südbaden: In welchem anderen Unternehmen würden Sie gern mal für einen Tag arbeiten und warum?

Michael Hafner: In keinem, weil man an einem Tag nichts bewegen kann.

Business-on.de Südbaden: Besitzen Sie selbst Immobilien?

Michael Hafner: Ja, ich persönlich habe immer auf diese Anlageform gesetzt.

Business-on.de Südbaden: Worüber regen Sie sich beruflich derzeit auf?

Michael Hafner: Über zunehmende egoistische Tendenzen, die den Blick fürs Ganze in den Hintergrund treten lassen.

Business-on.de Südbaden: Was ist Ihre Aufgabe beim Verband der Bauwirtschaft Südbaden?

Michael Hafner: Als Hauptgeschäftsführer der drei Verbände der Bauwirtschaft Südbaden, des Wirtschaftsverbandes Holz- und Kunststoffverarbeitendes Handwerk sowie der Vereinigung Badischer Unternehmerverbände (VBU) trage ich, gemeinsam mit den Präsidien und Vorständen, die Verantwortung für die Verbandsentwicklung und alle Verbandsaktivitäten. Hierzu gehören die Vertretung der Verbände nach außen, die Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit, die Tarifpolitik sowie das gesamte Tätigkeitsfeld der Verbände im Bereich Beratung, Information sowie Aus- und Weiterbildung. Hinzu kommen die interne Organisation der Verbandsgeschäftsstelle und unseres Berufsförderingswerks mit seinen Ausbildungszentren sowie die Finanzen. Eine wichtige Aufgabe ist die ständige Weiterentwicklung unserer Organisation, in Zusammenarbeit mit den Spitzenverbänden auf Bundesebene, den Kollegenverbänden und den Mitgliedsinnungen.

(Redaktion)


 


 

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