Sie sind hier: Startseite Südbaden Aktuell News
Weitere Artikel
Kosten sparen

Air Berlin streicht Flugpläne zusammen und verliert Ihren Chef

Air Berlin streicht etliche Verbindungen von Regionalflughäfen wie Köln, Münster oder Hannover. So werden von vielen Destinationen keine Verbindungen mehr nach London oder Mallorca angeboten. Auch die Strecke Frankfurt - Hamburg wird gestrichen. Unterdessen hat der CEO von AirBerlin, Joachim Hunold seinen Rücktritt angeboten.

Joachim Hunold, CEO airberlin, hat heute Morgen bekannt gegeben, dass er beabsichtigt, dem Board of Directors seinen Rücktritt als CEO der Gesellschaft zum 1. September 2011 anzubieten. Er will der Gesellschaft weiterhin als Non-Executive Director verbunden bleiben und schlägt als seinen interimistischen Nachfolger als CEO Herrn Hartmut Mehdorn vor, der bereits Mitglied des Board of Directors der Gesellschaft ist.

„Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass jetzt ein Führungswechsel unser eingeleitetes Programm „Shape & Size“ nur beschleunigen kann“, sagte Joachim Hunold.

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft airberlin hat mit „Shape & Size“ ein umfangreiches Programm eingeleitet, um das Unternehmen in Zukunft profitabel aufzustellen.

Zu dem Maßnahmenpaket zählen u. a. die Verringerung der Kapazität um mehr als eine Million Sitze im zweiten Halbjahr 2011 und die damit verbundene Reduzierung der Flotte um acht Flugzeuge, die Streichung unrentabler Strecken, Frequenzreduzierungen, der teilweise Rückzug von Regionalflughäfen sowie die Konzentration auf die Drehkreuze Berlin, Düsseldorf, Palma de Mallorca und Wien.

Bei der Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal 2011 (Q2) sagte airberlin CEO Joachim Hunold am Donnerstag in Berlin, eine bessere Auslastung, eine Verbesserung der Einnahmen pro Passagier und Kostensenkungen hätten nicht gereicht, um sowohl die höheren Belastungen durch die Luftverkehrsteuer und erhöhte Kerosinpreise als auch den durch die Unruhen in Nordafrika bedingten Rückgang des für die Fluggesellschaft wichtigen Ägyptengeschäfts aufzufangen.

„Um profitabel zu werden, müssen wir Einschnitte in unser Streckennetz und in unserer Flotte vornehmen“, sagte Hunold. Als Beispiel unrentabler und daher zu stornierender Strecken nannte der airberlin CEO Frankfurt - Hamburg, Frankfurt - Neapel, Stuttgart - St. Petersburg, München - Kairo und Düsseldorf - Paris.

Regionalflughäfen werden geschlossen

Als Opfer der Luftverkehrsteuer bezeichnete Hunold die Regionalflughäfen. So werde airberlin ihre Flüge von Münster/Osnabrück nach London, Wien und Sylt ebenso wenig aufrecht erhalten können, wie die Verbindungen von Köln/Bonn zu verschiedenen Destinationen in Marokko sowie nach Valencia.

Darüber hinaus wird man über den Winter von Köln aus nicht mehr direkt mit airberlin nach Innsbruck, Neapel und Palermo kommen.

Storniert wird die Strecke Hannover - London. Karlsruhe, Dresden und Basel verlieren ab November über den Winter ihre Direktverbindungen nach Palma de Mallorca; von Paderborn aus geht es nicht mehr nach London und Manchester.

Außerdem werden Malaga und Alicante aus dem airberlin Programm von zahlreichen Flughäfen aus reduziert oder – wie Klagenfurt – zumindest über den Winter ganz aus dem Programm genommen. Erfurt wird als Standort ganz aufgegeben.

Wettbewerbsverzerrung durch ungerechte Steuerverteilung

„Die Luftverkehrsteuer verursacht eine dramatische Wettbewerbsverzerrung; in Relation zum Umsatz müssen wir fast viermal mehr als unser größter Wettbewerber zahlen“, betonte Hunold.

Während airberlin bei einem Umsatz von 1,8 Mrd. Euro im ersten Halbjahr rund 74,4 Mio. Euro Luftverkehrsteuer (4,1 Prozent vom Umsatz) abführen musste, waren es beim größten Wettbewerber in Deutschland bei einem Gesamtumsatz von rund 14,1 Mrd. Euro nur 162 Mio. Euro (1,15 Prozent vom Umsatz).

Hunold: „Durch die Luftverkehrsteuer und den bestehenden Wettbewerbsdruck ist es unmöglich, zum Beispiel den gestiegenen Kerosinpreis vollständig an die Kunden weiterzugeben. Um den margenschwachen Luftverkehr in Deutschland nicht noch weiter zu beschädigen, muss die Luftverkehrsteuer so schnell wie möglich wieder abgeschafft werden.“

„Die geplanten Maßnahmen werden möglicherweise nicht ausreichen, um ein positives operatives Ergebnis zum Jahresende zu erreichen, weil einige der Einspareffekte erst im kommenden Jahr wirksam werden“, sagte Hunold.

Umsatzverlust durch Krisengebiete

airberlin CFO Ulf Hüttmeyer betonte, dass das Unternehmen auf gutem Weg zur Konsolidierung war. Im zweiten Quartal 2011 konnte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum der Yield (Erlös pro Passagier) um 6,5 Prozent auf 107,68 Euro erhöht werden. Gleichzeitig verbesserte sich der Sitzladefaktor um 3,6 Prozentpunkte auf 77,4 Prozent. Deutliche Fortschritte wurden auch bei der Kostenreduzierung (ohne Luftverkehrsabgabe und Kerosin) erzielt. Insgesamt macht dies eine Summe von rund 111 Mio. Euro aus.

„Die Nachfrage nach den für unser Unternehmen so wichtigen touristischen Zielen in Nordafrika hat sich allerdings nach den Unruhen nicht wieder erholt.“

Als Beispiel nannte Hüttmeyer Ägypten, wohin airberlin normalerweise rund 80 Mal in der Woche fliegt. Wochenlang wurde gar nicht geflogen und im März dieses Jahres begonnen, Ägypten wieder aufzunehmen. Ähnliches galt für Marokko und Tunesien. Insgesamt ergab sich im zweiten Quartal 2011 eine Kapazitätsreduzierung des Nordafrika-Angebots von
25 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Allein diesen Ausfall bezifferte Hüttmeyer im zweiten Quartal mit 20 Mio. Euro. Zusammen mit dem zusätzlichen Aufwand durch die erhöhten Kerosinpreise von mindestens 71 Mio. Euro und die Luftverkehrsteuer von rund 45 Mio. Euro sind dies mindestens 136 Mio. Euro.


 


 

airberlin
Hunold
Luftverkehrsteuer
Umsatz
Drehkreuz
Shape & Size
Flotte
Direktverbindungen
Kostenreduzierung
Einsparungen

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "airberlin" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: