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AKW Fessenheim

Atomprotest erreicht Millionenpublikum

Medieninteresse ist für Axel Mayer dieser Tage nichts Besonderes: Seit der Atomkatastrophe in Fukushima ist der Geschäftsführer des Umweltverbands BUND in Freiburg ein gefragter Mann. Seit rund 4 Jahrzehnten ist er in der Anti-AKW- und in der Umweltbewegung aktiv, zuletzt hat er sogar japanischen Journalisten erklären dürfen, warum er Atomkraft für eine gefährliche Sache hält.

Dass nun aber auch die BBC aus London ein Radioteam nach Freiburg und nach Colmar entsandt hat, um über den Fessenheim-Streit und den regionalen Widerstand dies- und jenseits des Rheins im Dreiländereck zu berichten, das eröffnet für Mayer doch neue Dimensionen: Wenn in der kommenden Woche der BBC World Service seine 23 Minuten lange Sendung über den Dauerzankapfel Fessenheim ausstrahlt, wird weltweit eine zweistellige Millionenzahl an Hörern zuhören.

„Uns interessiert vor allem, wie unterschiedlich in Deutschland und Frankreich mit der Debatte um die Kernkraftnutzung umgegangen wird“, erzählt der Wissenschaftsjournalist und BBC-Umweltkorrespondent Richard Black aus London. Der Konflikt um das alte französische AKW am Rhein sei wie ein Brennglas für die unterschiedliche Haltung, die man von außen in Deutschland und Frankreich wahrnehmen könne. Auch in seiner Heimat habe die Zustimmung in der Bevölkerung für die Atomkraftnutzung nach Fukushima abgenommen, aber noch immer stehe ein Großteil der Briten hinter der Atomenergie und den 9 Atomkraftwerken im Land, so Black: „Vor allem Windparks werden mit einem gewissen Zynismus betrachtet, Atomkraft ist nicht so ein Riesenthema wie in Deutschland und die meisten Briten dürften der Meinung sein, dass Deutschlands Atomausstieg vor allem eine sehr teure Energieversorgung in der Zukunft für das Land nach sich ziehen dürfte.“

England ist das „Mutterland“ der kommerziellen Kernkraftnutzung und hat mit der Atomanlage Sellafield im Nordwesten des Landes selbst einen Katastrophenstandort der Atomgeschichte zu bieten: 1957 kam es hier in der Folge eines Brandes zu einem Nuklearunfall der „Stufe 5“, einem „ernsten Unfall“, so die Bezeichnung. Radioaktivität wurde freigesetzt und verteilte sich bis über den Kontinent, rund 240 Menschen sollen als direkte Folge des Unfalls an Krebs gestorben sein.

Zusammen mit der Produzentin Jo Wheeler war Richard Black nun Anfang der Woche zweieinhalb Tage in der Region am Oberrhein unterwegs: „Wir haben mit Fabienne Stich, der Bürgermeisterin von Fessenheim gesprochen, und sie hat uns vor allem erzählt, wie wichtig das Atomkraftwerk für die Arbeitsplätze in ihrer Gemeinde ist“, erzählt er. Nun wolle er mehr über die Anti-AKW-Bewegung östlich des Rheins erfahren. Axel Mayer berichtet ihm daraufhin von seinen vier Jahrzehnten in der Umweltbewegung und zeigt den beiden staunenden Briten das „Wyhl Lied“ des Protestsängers Roland „Buki“ Burkhart aus dem Jahr 1976, dass er gerade auf „YouTube“ eingestellt hat. Mayer erzählt von den aktuellen Medienberichten, die auch in Frankreich eine sinkende Atom-Akzeptanz erkennen wollen, von den Evakuierungsszenarien, die der Region im Falle eines Atomunfalls in Fessenheim drohen könnten und von der Notwendigkeit, künftig mehr und mehr auf regenerative Energien zu setzen. „Fessenheim ist im Fall eines Unfalls ein europäisches Problem, Millionen Menschen entlang des Rheins würden unter einem Unfall zu leiden haben, nicht zuletzt deshalb muss der Protest auch grenzüberschreitend stattfinden“, sagt Mayer. Und: „Dass Freiburg heute als „Green City“ auftrumpfen kann, ist nicht zuletzt ein Verdienst des Atomprotests, der einst in Wyhl seinen Ausgang nahm.“

Dass dort in den Siebzigern der Bau eines Atomkraftwerks vom breit aufgestellten Bürgerprotest verhindert wurde, ist neu für Black und Wheeler, die neben Axel Mayer auch mit dem Freiburger Umweltjournalisten Bernward Janzing und dem Liedermacher Jeremiah Wood zusammentreffen. Wood spielt ihnen sein Stück „I get on“ vor, das er Ende Mai auch bei einer großen Anti-AKW-Demo in Freiburg vor rund 10.000 Leuten gesungen hat. „Auch schlaue Männer können fehlgeleitet sein“, singt er in dem Song sinngemäß. Als Protestsänger der alten Tradition sieht er sich zwar nicht, aber zum „selbst denken“ will er mit seinem Song doch anregen. „Letztlich geht es doch darum, dass wir ein teil der Natur sind“, sagt der Sänger über sein eigenes Öko-Engagement. Demnächst dürften Millionen Menschen in der Welt davon zu hören bekommen.

(Ralf Deckert)


 


 

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