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"Faire Milch"

Bauern bekommen 40 Cent für Milch ohne Gentechnik

Im Kampf um einen besseren Literpreis für Milcherzeuger sind der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e.V. (BDM) und die MVS Milchvermarktungsgesellschaft im bayrischen Freising in die Offensive gegangen und haben am Mittwoch in Freising ihr neues Produkt „Faire Milch“ vorgestellt. Rund 120 Milchbauern aus Bayern, Baden-Württemberg und bald auch aus Hessen profitieren zum Start der „Fairen Milch“ von dem ausgezahlten Literpreis von 40 Cent.

„Die Milch, die sie beim Discounter kaufen, kann nicht kostendeckend produziert werden“, sagt Franz Schweizer aus Kirchzarten. Schweizer ist BDM-Vorsitzender im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald. Die Forderung, 40 Cent für den Liter Milch an den Bauern auszuzahlen, hat der BDM in den vergangenen Monaten wiederholt und mit groß angelegten Protestaktionen vorgebracht. „Jetzt stellen wir das Geschäft auf den Kopf“, sagt Schweizer. Statt „Resteempfänger“ bei der Auszahlung zu sein, werde beim Produkt „Faire Milch“ zunächst der Erzeuger bezahlt, danach werde der Rest des Gelds verteilt. "Es ist ein vollkommen neues Konzept", so MVS-Geschäftsführer Jakob Niedermaier.

„Molkereien müssen durch den Preisdruck im Discount Mischkalkulationen machen, bei denen der Bauer auf der Strecke bleibt“, so Franz Schweizer. Er geht davon aus, dass viele Bauern „nun aufwachen und sich die Augen reiben“ werden, wenn sie sehen, dass ein Milchpreis von 40 Cent bei einem Verkaufspreis von 99 Cent im Laden tatsächlich machbar sei. „Wenn wir uns zusammentun, können wir etwas am Markt bewegen“, ist Schweizer überzeugt.

Die Verbraucher sollen ebenfalls einen Vorteil von dem Produkt mitnehmen, der BDM setzt auf Transparenz, die Höfe der Zulieferer werden im Internet vorgestellt, die Milch wird als „gentechnikfrei“ beworben, die Kühe werden artgerecht gehalten und bekommen überwiegend Grünfutter und der Konsument weiß, was er kauft und wo es herkommt. Die Milcherzeuger verpflichten sich zudem, Umweltprojekte wie den Erhalt von Blumenwiesen zu fördern.

Auch in Südbaden findet sich die „faire Milch“ nun im Supermarktregal, die Milchbauern in der Region sind jedoch – noch - keine Zulieferer, da sie an die Genossenschaft „Breisgaumilch“ in Freiburg gebunden sind. Zuletzt gab es dort für einen Liter angelieferte Milch 29 Cent. Auch die Breisgaumilch könne als Genossenschaft aber den Milchbauern in der Region zu einem fairen Milchpreis verhelfen, wenn sie sich als Abfüller für die „Faire Milch“ am Geschäft beteilige, so der BDM. „Man wird sehen, ob die Breisgaumilch hier ein Geschäft sieht, oder sich auf den Standpunkt stellt, dass sie das nicht nötig hat“, gibt sich Franz Schweizer kämpferisch. Bei der Genossenschaft in Freiburg war gestern jedoch keine Auskunft zu dem Thema zu bekommen. Man plane Gespräche und werde sich demnächst zu dem Thema äußern, hieß es hinter den Kulissen. Dass es bereits kommende Woche, wie vom Branchenmedium „topagrar“ vermeldet, in Freiburg hierzu ein Gespräch geben soll, wurde seitens der Breisgaumilch nicht bestätigt.

Erhältlich ist die „Faire Milch“ in rund 1800 tegut und REWE Supermärkten in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen. Zur Markteinführung wurde sie als H-Milch mit 1,8 und mit 3,8 Prozent Fett vorgestellt, weitere Produkte sollen folgen.

(Ralf Deckert)


 


 

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