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Beraterwahl

Wie findet man den richtigen Karriereberater?

Sie stecken beruflich in der Sackgasse oder sind von einem Jobverlust bedroht? Dann sollten Sie eventuell einen Karriereberater kontaktieren, um eine neue berufliche Perspektive zu entwickeln. Einige Tipps, worauf Sie bei der Beraterwahl achten sollten.

Ihre Steuererklärung macht ein Steuerberater, und wenn Sie krank sind, gehen Sie zum Arzt. Doch wen kontaktieren Sie, wenn Sie beruflich an einem Scheideweg stehen? Zum Beispiel, weil Ihre Karriere in einer Sackgasse steckt. Oder ein Jobverlust droht. Dann wissen viele Menschen nicht, an wen sie sich wenden sollen.

Dabei ist in solchen Situationen eine professionelle Unterstützung oft wichtig. Denn Hand aufs Herz: Kennen Sie als Berufserfahrener, der sich zuletzt vor zehn oder gar 20 Jahren bewarb, noch den aktuellen Arbeitsmarkt und seine Regeln? Und haben Sie Zugang zum verdeckten Stellenmarkt, über den drei Viertel aller offenen Positionen besetzt werden? Vermutlich nicht! Also stellt sich die Frage nach einem guten Berater. Doch wie finden Sie diesen? Schließlich ist Karriereberater kein geschützter Beruf. Jeder kann sich so nennen. Auch Sie!

Profis von „Möchte-Gern-Beratern“ unterscheiden

Entsprechend wichtig ist es, Profi-Berater von „Möchte-Gern-Beratern“ unterscheiden zu können. „Denn in den zurückliegenden Jahren machten sich leider viele Männer und Frauen als Karriereberater oder -coachselbstständig, die zuvor jahrelang erfolglos an ihrer eigenen Karriere gebastelt haben“, klagt Personalberater Frank Adensam aus Ludwigshafen. Und nun böten sie ihre „Bastel-Erfahrung“ als Beratungsleistung an. Deshalb empfiehlt er: „Prüfen Sie, bevor Sie einem Berater Ihre Karriere anvertrauen, wie erfolgreich dieser seine eigene berufliche Biografie gestaltet hat.“

Womöglich gehört der Berater oder Coach zur Gruppe „ehemalige Führungskräfte“. Denn manch Führungskraft, die in der Krise ihren Job verlor, kam nach einer Outplacement- oder Karriereberatung auf die Idee: Das kann ich auch. Diese Berater erkennt man laut Sabine Prohaska, oft daran, dass sie „primär mit ihren Erfolgen als Manager für sich werben“. Aber, so die Coachausbilderin aus Wien: „Eine erfolgreiche Führungskraft ist noch lange kein guter Karriereberater.“

Drei Gruppen von Beratern

Verallgemeinert lassen sich drei Gruppen von Karriereberatern unterscheiden. Da sind zunächst die „Einzelkämpfer“, die auf eigene Rechnung und projektbezogen für größere Beratungsgesellschaften arbeiten. Von diesen Beratern sind viele kompetent. „Sie verfügen aber oft nicht über die personelle und informationstechnische Infrastruktur, um solche Leistungen wie ’Job-Search’ und ‚Aktive Vermittlung’ qualifiziert anzubieten“, betont Adensam.

Die zweite Gruppe bilden die Giganten der Branche, die zum Teil sogar international Büros haben. Diese Unternehmen sind zum Teil gewerkschafts- oder arbeitgebernahe Beratungskonzerne oder Töchter großer Zeitarbeitsfirmen. Sie sind oft primär auf Gruppenoutplacements spezialisiert – selbst wenn sie ihre Beratungen als „individuelle“ bezeichnen, erklärt Pia Gaspard, Managementberaterin aus Pforzheim. Faktisch arbeiteten sie aber meist mit standardisierten Beratungskonzepten, die von Freelancern abgearbeitet werden.

Die dritte Gruppe bilden die zumeist inhabergeführten mittelständischen Beratungsgesellschaften. Sie sind in der Regel in ihrer Region sehr stark verwurzelt. Entsprechend „feingesponnen“ ist laut Einschätzung von Elisabeth Heinemann, Professorin für Schlüsselqualifikationen an der Fachhochschule Worms, meist ihr Beziehungsnetzwerk in der Region. „Oder in der Branche, auf die sie sich spezialisiert haben“, ergänzt die Autorin des Karriereratgebers für ITler „Jenseits der Programmierung“. Deshalb seien sie häufig auch in der aktiven Stellen-Vermittlung stark.

Berater müssen reifen

Klar ist für Elisabeth Heinemann jedoch: „Mit einem Berater verhält es sich wie mit einem guten Wein. Er wird zumeist mit den Jahren besser.“ Das liege zum Einen an der zunehmenden Erfahrung, zum Anderen am wachsenden Beziehungsnetzwerk. Und dieses sei sehr wichtig: „Denn der Arbeitsmarkt gleicht einem Eisberg: Die meisten Stellen sind unter der Wasseroberfläche verborgen.“

Und wie so oft gibt es auch bei der Karriereberatung eine Korrelation zwischen Qualität und Preis. Etablierte Anbieter berechnen pro Beratungsstunde 120 Euro aufwärts; fürs Coaching sogar 200 Euro und mehr. Selbstzahler können diese Kosten zwar als Werbungskosten von der Steuer absetzen, trotzdem ist diese Investition hoch. „Schauen Sie sich deshalb, bevor Sie sich für einen Berater entscheiden, mehrere an“, empfiehlt Pia Gaspard. „Und checken Sie insbesondere deren Ausbildung, Netzwerk, Erfahrung und berufliche Biografie.“ Bei der Berater- oder Coachwahl sollte aber auch der Bauch mit-entscheiden. Denn eine konstruktive Zusammenarbeit setzt Sympathie und Vertrauen voraus.

(Andreas Lutz)


 


 

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