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Bildung lohnt sich, gerade auch in der Krise!

Tertiäre Ausbildung in Deutschland nimmt weiter zu, aber langsamer als im OECD-Mittel – Weiterbildung sollte mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Der durch die Wirtschaftskrise zu erwartende Anstieg der Arbeitslosigkeit wird in den kommenden Jahren auch die Jobaussichten für junge Menschen verschlechtern. Umso mehr lohnt es sich für Schulabgänger, sich in dieser Zeit durch die Aufnahme eines Studiums weiter zu qualifizieren.

Auf diese Entwicklung sollten die OECD-Länder vorbereitet sein und sie in ihrer Bildungsplanung berücksichtigen. Zu diesem Ergebnis kommt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in der diesjährigen Ausgabe der Studie "Bildung auf einen Blick", die gestern in Berlin vorgestellt wurde.

"Wenn Deutschland gestärkt aus dieser Wirtschaftskrise hervorgehen will, dann ist jetzt der Zeitpunkt, in Bildung und höhere Qualifikation zu investieren", sagte die OECD-Direktorin für Bildung, Barbara Ischinger, bei der Präsentation der Studie. „Dies gilt für die Erstqualifikation wie auch für die Weiterbildung.“ Schon vor dieser tiefsten Rezession der Nachkriegszeit wiesen ein wachsender Einkommensvorsprung sowie eine deutlich niedrigere Arbeitslosigkeit für Erwerbstätige mit tertiärer Ausbildung darauf hin, dass der Bedarf der Wirtschaft an Hochqualifizierten durch das deutsche Bildungssystem nicht ausreichend gedeckt wird.

Zum ersten Mal legt die OECD in diesem Jahr detaillierte Berechnungen zu Bildungserträgen über die gesamte Erwerbsphase vor:

So können Männer in Deutschland, die nach Schulabschuss direkt ein Studium aufnehmen, in ihrer Erwerbszeit mit einem Einkommensbonus von durchschnittlichen 150.000 Euro (175.000 US-Dollar in Kaufkraftparitäten) brutto nach heutigem Wert rechnen. Für Frauen liegt der Einkommensbonus aufgrund niedrigerer Löhne und einer höheren Teilzeitquote bei 95.000 Euro (110.000 US-Dollar in Kaufkraftparitäten). Der OECD-Mittelwert liegt für Männer bei 186.000 US-Dollar und für Frauen bei 134.000 US-Dollar. In den USA, Italien und Ungarn sind die Einkommensprämien besonders hoch. In den nordischen Ländern ist der Einkommensvorsprung für Hochqualifizierte dagegen eher gering.

Besonders groß ist in Deutschland die Rendite , die sich aus der geringeren Arbeitslosigkeit bei Hochqualifizierten ergibt. Für Männer entspricht das einem weiteren Einkommensvorteil von 32.000 Euro (37.000 US-Dollar in Kaufkraftparitäten). Das ist nach Polen der höchste Wert in der OECD und vier Mal so hoch wie im OECD-Schnitt. Würde man auch noch die höhere Erwerbsbeteiligung von Hochqualifizierten berücksichtigen, dann fiele der Einkommensbonus noch höher aus. "Ein Studium ist langfristig ein guter Schutz gegen Arbeitslosigkeit und schafft die Voraussetzung für eine lange Erwerbstätigkeit, die wir beispielsweise für eine angemessene Alterssicherung brauchen", so Ischinger.

Da ein Teil dieser Bildungserträge als zusätzliche Steuern und Sozialbeiträge abgeführt werden, ergeben sich durch Bildungsinvestitionen auch hohe öffentliche Erträge. Sowohl für den Einzelnen wie auch für die öffentliche Hand übersteigen die Erträge deutlich die Investitionen in Form von direkten Ausbildungskosten und Einkommensausfällen während der Ausbildungsphase.

Jenseits wirtschaftlicher Renditen haben Investitionen in Bildung auch hohe soziale Erträge. Menschen mit einem höheren Bildungsabschluss sind im Schnitt politisch interessierter, gesünder und vertrauen eher ihren Mitmenschen als es Menschen mit mittlerer Qualifikation tun. "Diese hohen finanziellen und sozialen Renditen sollten ein starker Anreiz sein, mehr in tertiäre Bildung zu investieren, seien diese Investitionen privat oder öffentlich", so Ischinger.

Wie in fast allen anderen OECD-Ländern ist auch in Deutschland in den vergangen Jahren der Anteil der Hochqualifizierten kontinuierlich gestiegen. So schlossen 2007 in Deutschland 23 Prozent eines Jahrgangs ein Hoch- oder Fachhochschulstudium ab, 1995 waren es nur 14 Prozent. In den OECD-Ländern, für die die Daten für beide Zeitpunkte vorliegen, stieg die Absolventenquote allerdings von 18 auf 36 Prozent.

Der Anteil der Studienanfänger an Hoch- und Fachhochschulen ist in Deutschland 2007 mit 34 Prozent eines Jahrgangs das dritte Jahr in Folge weiter gesunken. Nach der Türkei, Belgien und Mexiko ist das der geringste Wert in der OECD. Gleichzeitig weisen Belgien und die Türkei deutlich höhere Studienanfängerquoten in der höheren beruflichen Bildung auf als Deutschland. Im OECD-Mittel liegt die Studienanfängerquote an Hoch- und Fachhochschulen bei 56 Prozent. 2008 ist in Deutschland die Studienanfängerquote allerdings wieder auf 36 Prozent gestiegen.

Deutlich geringer als im OECD-Schnitt ist der Anteil der Studierenden, die die Hochschule ohne Abschluss verlassen. Die Abbrecherquote lag 2005 in Deutschland bei 23 Prozent, im OECD-Mittel waren es 31 Prozent. Die Umstellung der Studienprogramme auf Bachelor und Master dürfte in den kommenden Jahren die Abbrecherquoten noch weiter sinken lassen. „Einige Signale aus den vergangenen Jahr sind positiv, allerdings bedarf es in Deutschland weiterer großer Anstrengungen um bei der tertiären Ausbildung Anschluss an die anderen OECD-Länder zu finden“ , so Ischinger.

Gerade die Wirtschaftskrise und der sich abzeichnende Strukturwandel sollte zum Anlass genommen werden, Weiterbildung und lebenslanges Lernen stärker in den Fokus der politischen Debatte zu stellen. Nur so kann Beschäftigung für ältere Arbeitnehmer auf Dauer gesichert werden. EAG 2009 bietet hier keinen umfassenden Überblick über alle Weiterbildungsformen. Daten zur Teilnahme Älterer an der formalen tertiären Ausbildung offenbaren jedoch große Unterschiede zwischen den OECD-Ländern. Während in Australien, Finnland oder Schweden 13 Prozent und mehr der 30 bis 39-Jährigen für ein Vollzeit- oder Teilzeitstudium eingeschrieben sind, sind es in Deutschland gerade einmal 2,5 Prozent. Nach der Türkei und Korea ist das der geringste Wert in der OECD. Bei den über 40-Jährigen ist in Deutschland die Studienteilnahme kaum messbar, Länder wie Belgien, Finnland oder Australien erreichen hier noch Quoten zwischen drei und sechs Prozent.

Die gesamten öffentlichen und privaten Ausgaben für Bildung lagen in Deutschland 2006 nach internationaler Abgrenzung bei 4,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, mit in den letzten Jahren rückläufiger Tendenz. Unter den OECD-Ländern gaben 2006 nur die Türkei, die Slowakei, Spanien und Irland einen geringeren Anteil für Bildung aus. Bei den Spitzenreitern, USA, Korea und Dänemark, liegt der Anteil der Bildungsausgaben bei über sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

(OECD)


 


 

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