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Grippeviren

Bundesministerium für Gesundheit und Robert Koch Institut zur Neuen Grippe

Neue Grippe, Schweine-Grippe, Pandemie, Phase 6: Lesen Sie nachfolgend die Antworten des Bundesministeriums für Gesundheit und des Robert Koch Instituts auf häufig gestellte Fragen zur Neuen Grippe

Was ist eine Pandemie?

Eine Pandemie bezeichnet eine weltweite Epidemie. Eine Influenzapandemie wird durch ein neuartiges Influenzavirus verursacht, das in der Lage ist, schwere Erkrankungen hervorzurufen und sich effektiv von Mensch zu Mensch zu verbreiten. Da dieser neue Erreger zuvor nicht oder sehr lange nicht in der menschlichen Bevölkerung zirkuliert ist, ist das Immunsystem nicht vorbereitet und daher auch nicht geschützt. Die Influenza-Pandemien des vergangenen Jahrhunderts gingen mit einer Erkrankungs- und Sterberate einher, die übliche, auch schwere, Influenzawellen übertrafen. Die Weltgesundheitsorganisation weist darauf hin, dass auch ein pandemisches Virus, das bei gesunden Menschen nur moderate Symptome verursacht, durch die hohe Zahl von Erkrankten in einem begrenzten Zeitraum die Gesundheitssysteme eines Staates überlasten könnte, insbesondere in Entwicklungsländern („Assessing the severity of an influenza pandemic“ vom 11.5.2009).

Was bedeutet Phase 6?

Die Weltgesundheitsorganisation unterscheidet fünf Warnphasen, Phase 6 stellt die Pandemie dar. Am 11.06.2009 hat die WHO Phase 6 ausgerufen. Zuvor hatte seit 29. April 2009 Phase 5 gegolten. Phase 5 wird charakterisiert durch eine fortgesetzte Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Virus in mindestens zwei Staaten einer WHO-Region, bei der Neuen Grippe („Schweinegrippe“) war das die WHO-Region Amerika. Phase 6 ist definiert durch das zusätzliche Auftreten von fortgesetzte Mensch-zu-Mensch-Übertragungen („community level outbreaks) in zumindest einem weiteren Land in einer weiteren WHO-Region, in diesem Fall Australien in der WHO-Region Westlicher Pazifik. Insgesamt gibt es sechs WHO-Regionen (Afrika, Amerika, Südostasien, Europa, Östliches Mittelmeer, Westlicher Pazifik). Eine Beschreibung der Phasen gibt die Weltgesundheitsorganisation auf ihren Internetseiten unter http://www.who.int/csr/disease/avian_influenza/phase/en/index.html

Gab es in der Vergangenheit schon Pandemien?

Im 20. Jahrhundert gab es drei Influenzapandemien: 1918, 1957 und 1968. Die schwerste davon war die so genannte Spanische Grippe 1918/19, die weltweit zwischen 20 und 50 Millionen Todesopfer forderte. Warum damals die Todesrate so hoch war, ist nicht ganz klar. Vermutlich spielten mehrere Faktoren eine Rolle. Das Virus war möglicherweise besonders aggressiv, viele Menschen waren infolge des Weltkriegs geschwächt und schlecht ernährt, es gab keine Antibiotika gegen bakterielle Folgeinfektionen und nicht die heutige Intensivmedizin. 1957/58 und 1968/69 folgten zwei weitere, schwächere Pandemien mit schätzungsweise jeweils einer Million Todesopfern weltweit. Auch vor dem 20. Jahrhundert gab es immer wieder Influenzapandemien.

Wie kann ein Pandemievirus entstehen?

Für die Entstehung von Pandemieviren gibt es zwei Mechanismen: Ein nicht in der menschlichen Bevölkerung vorkommendes Virus, zum Beispiel ein Vogel-Influenzavirus, verändert sich durch genetische Veränderungen in der Art, dass es Menschen nicht nur krank machen kann, sondern auch effektiv von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Dieser Mechanismus liegt wahrscheinlich der Entstehung des Pandemievirus 1918 zugrunde. Der zweite Mechanismus geht viel schneller: Influenzaviren verschiedener Subtypen infizieren gleichzeitig eine Zelle. Die daraus hervorgehenden Viren können Bestandteile beider Ursprungsviren enthalten. Dieser Mechanismus wird als Reassortment bezeichnet. So geht man heute davon aus, dass das H3N2-Virus der Pandemie 1968 aus einem menschlichen H2N2-Virus und einem von einem Vogel stammenden H3-Virus mit unbekanntem N-Subtyp hervorgegangen ist. Das pandemische Virus aus dem Jahr 2009 ist wahrscheinlich durch solche Reassortments entstanden, es enthält genetische Abschnitte von Influenzviren, die bei Vögeln, Schweinen und Menschen vorkommen.

Wer ist besonders gefährdet bei einer Pandemie?

Bei den jährlichen Grippewellen sind ältere Menschen und solche mit Grunderkrankungen am meisten gefährdet, weil es bei ihnen häufiger zu Komplikationen (vor allem zu bakteriellen Lungenentzündungen) und, vor allem bei älteren Menschen, zu Todesfällen kommt. Wenn es sich bei einem neuen (pandemischen) Erreger um ein Virus handelt, das in dieser oder einer ähnlichen Variante bereits in der Bevölkerung zirkulierte, hätten ältere Menschen möglicherweise einen gewissen Schutz. Dieser Schutz dürfte zwar nicht mehr sehr umfassend sein, aber größer als bei jüngeren Menschen, deren Immunsystem noch nie Kontakt mit dem Erreger hatte. Die Weltgesundheitsorganisation hält es bei dem neuen pandemischen Virus H1N1 allerdings für möglich, dass ältere Menschen einen gewissen (vermutlich eher geringen) Schutz haben, weil ihr Immunsystem schon häufiger Kontakt mit den H1N1-Viren der saisonalen Influenza hatte (die sich aber deutlich von der neuen H1N1-Variante unterscheiden).

Wie gefährlich ist die Neue Grippe?

Das weiß man noch nicht. Meist verläuft die Krankheit relativ moderat, aber esgab in den besonders betroffenen Ländern auch schon schwere Verläufe und Todesfälle. Die Sterblichkeit bei der Neuen Grippe ist in etwa vergleichbar mit der jährlichen Grippewelle (siehe auch die Frage „Wie viele Menschen werden bei einer Pandemie erkranken oder sterben?“). Bei der jährlichen Grippewelle kennt man aber die zirkulierenden Viren gut, die Viren verändern sich stetig in geringem Maße, der Impfstoff wird jährlich angepasst, und es gibt es in der Bevölkerung einen gewissen Immunschutz. Bei der Neuen Grippe handelt es sich dagegen um ein neues Influenzavirus, gegen das keine oder kaum ein Immunschutz in der Bevölkerung existiert, dessen weitere Entwicklung unbekannt ist und an dem anders als bei der jährlichen Grippe bisher vorwiegend jüngere Menschen erkranken.

Wie viele Menschen werden bei einer Pandemie erkranken oder sterben?

Wie schwer die Pandemie mit dem neuen H1N1-Virus verlaufen wird, lässt sich nicht vorhersagen. Auch eine allgemeine Abschätzung der Auswirkungen einer Pandemie ist nur unter Vorbehalt möglich, weil man die Entwicklung der Eigenschaften eines Erregers und seiner Verbreitung in der Bevölkerung nicht vorhersagen kann. Hinzu kommt, dass unterschiedliche Länder auch unterschiedlich schwer betroffen sein können, etwa wenn es kein funktionierendes Gesundheitssystem oder keine ausreichende Ernährungssituation gibt.

Bei der neuen Influenza sind in den USA, der weltweit am stärksten betroffene Staat, rund 0,2 Prozent der Erkrankten gestorben, die Betroffenen hatten häufig Grunderkrankungen. Ein ähnlicher Anteil ist auch bei der saisonalen Grippe möglich, etwa bei der schwersten Welle des vergangenen Jahrzehnts 2004/2005. Damals gab es geschätzte 12.000 Todesfälle bei rund 4,7 Millionen Erkrankungen („Influenzaassoziierte Exzess-Konsultationen“).

Wieso beginnt eine Influenza-Pandemie nicht im Winter?

Die jährlichen Influenzawellen haben in Deutschland in den vergangenen Jahren meist im Januar/Februar begonnen. Bei früheren Pandemien zeigte sich aber, dass Erkrankungswellen einer Pandemie auch außerhalb der typischen Influenzasaison auftreten können. So lag zum Beispiel die erste Welle der Pandemie 1918 in den USA im Frühjahr, während sich die zweite Welle nach einer Ruhezeit im Sommer ab September aufbaute. Die ersten Fälle des neuen
H1N1-Virus wurden im April 2009 registriert.


 


 

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