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Prof. Dr. med. Elisabeth Pott

Gib Aids keine Chance

Die Aids-Trailer im Fernsehen sind noch allen gut bekannt. Weniger bekannt ist die Behörde, die dahinter steht und von Professor Dr. Elisabeth Pott geleitet wird. Wichtiger ist ihr, die Öffentlichkeit für Gesundheitsrisiken und Prävention zu sensibilisieren, Hilfen vor Ort zu organisieren und Kindern aus sozial schwierigen Verhältnissen eine Chance zu geben.

Seit 23 Jahren ist ProfessorDr. med. Elisabeth Pott Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die ihren Sitz auf dem Gelände des Merheimer Krankenhauses hat. Die Bundeszentrale, eine Fachbehörde des Bundesgesundheitsministeriums, hat die Aufgabe und das Ziel, Gesundheitsrisiken vorzubeugen und gesundheitsfördernde Lebensweisen zu unterstützen. Die Behörde selbst ist im öffentlichen Bewusstsein eher unbekannt. Bekannt sind ihre zahlreichen Kampagnen in Fernsehen, Funk, Printmedien, auf Plakaten und im Internet. Rund 40 eigene Webseiten informieren zu Themen wie Aids, Sexualaufklärung, Schwangerschaft, Kindergesundheit, Drogen, Rauchen oder Ernährung. Dazu kommen etwa 600 Veröffentlichungen sowie bundesweite Veranstaltungen und Kongresse. Für das gewaltige Aufgabenpensum stehen der gebürtigen Bochumerin rund 144 Mitarbeiter inklusive der Zeitkräfte zur Verfügung. Das Kernpersonal setzt sich aus Psychologen, Pädagogen, Sozialwissenschaftlern, Medizinern, einem Theologen und Verwaltungsfachleuten zusammen.

Seit vorigem Jahr hat Elisabeth Pott eine Professur an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Damit wurde ihre langjährige Arbeit als Lehrbeauftragte am Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung sowie ihre wissenschaftliche Tätigkeit honoriert. Der Wissenschaft ist sie bis heute treu geblieben. Wann hat sie noch Zeit dazu? Im Urlaub oder am Wochenende, so die junge Professorin.

Elisabeth Pott studierte Medizin in Bonn und Kiel. Ihre ärztliche Weiterbildung begann sie in der Chirurgie am Malteser–Krankenhaus in Bonn. Der Job als Chirurgin machte ihr zwar Freude, aber die Tatsache, dass man normalerweise den ganzen Tag über in einem fensterlosen Raum arbeitet, veranlasste sie, nach einer neuen Betätigung Umschau zu halten. In der Orientierungsphase sammelte sie Erfahrungen in der Arbeitsmedizin, als Referentin im Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung in Bonn und ab 1981 – Voraussetzung war die Qualifikation als Ärztin für öffentliches Gesundheitswesen - als Referatsleiterin im Niedersächsischen Sozialministerium. Hier stellte sie fest, dass diese komplexen Aufgaben ihren Fähigkeiten entsprechen und ihr viel Spass machen. Damit waren die Weichen für ihre berufliche Karriere im Bereich Public Health gestellt.

business-on.de: Haben Sie gezielt auf eine Führungsposition wie die der BZgA-Direktorin hingearbeitet? 

Elisabeth Pott: Ja und Nein. Ich war schon daran interessiert, eine weiterführende Stelle zu bekommen. Irgendwann wurde der Posten hier in der BZgA frei. Da mußte ich mich allerdings nicht bewerben, sondern ich wurde von der Leitung des Bundesgesundheitsministeriums gefragt, ob ich die Behörde übernehmen möchte. Zu der Zeit war ich schon ein bißchen bekannter. 

business-on.de: Was hat Sie bekannt gemacht?

Elisabeth Pott: Ich habe einige Dinge bewegt, die positiv bewertet worden sind. Und ich denke, dass ich meine Aufgaben auch immer gut, engagiert und gern gemacht habe.

business-on.de: Werden die Inhalte im Public Health vorgegeben oder können Sie die Inhalte selbst gestalten?

Elisabeth Pott: Das ist ja gerade das Tolle, dass man in diesem Beruf viel gestalten kann. Natürlich gibt es Grenzen, die zu beachten sind und es gibt Notwendigkeiten, sich abzustimmen. Aber inhaltlich hat man innerhalb der Rahmenbedingungen große Gestaltungsräume. Und es macht Freude, diese Möglichkeiten auszuschöpfen. Wer das nicht will, der wird in dieser Rolle nicht glücklich.

business-on.de: Wie hoch ist Ihr jährliches Budget?

Elisabeth Pott: Um das Budget muss ich jährlich kämpfen. Dieses Jahr sind das ungefähr 30 Mio. Euro für Sachmittel.

business-on.de: Welche Schwerpunkte gibt es bei der Verteilung der Sachmittel?

Elisabeth Pott: Der größte Schwerpunkt ist die Aidsprävention. Dann kommt die Suchtprävention. Dazu zählen Alkohol, illegale Drogen wie Cannabis, aber auch Spielsucht.

business-on.de: Haben Sie nie Haschisch geraucht?

Elisabeth Pott: Ich habe mal probiert, aber es hat mir nicht geschmeckt.

business-on.de: Und wie ist es mit einem Glas Wein?

Elisabeth Pott: Natürlich trinke ich auch mal ein Glas Wein. Klar. Ich bin ja auch ein lebensfroher Mensch, auch wenn ich keine Rheinländerin bin. Die Menschen im Ruhrgebiet sind auch offen und herzlich und die Region hat durchaus ihre schönen Seiten.

business-on.de: Von ihrer bekannten Kampagne: "Gib Aids keine Chance" war lange Zeit nichts mehr zu hören und zu sehen. Inzwischen heißt es, dass die Zahl der Menschen mit einer HIV-Infektion wieder zunimmt.

Außenwerbung für Aids-Kampagne gewonnen

Elisabeth Pott: Das ist richtig. Und richtig ist auch, dass Aids (Aids als Kündigungsgrund) in der öffentlichen Berichterstattung in den letzten Jahren zurückgedrängt worden ist. Früher war es z.B. so, dass die öffentlich-rechtlichen Sender die Aids-Aufklärungs-Spots, mit denen quasi die ganze Bevölkerung erreicht wurde, kostenlos ausgestrahlt haben. Dazu sind sie in dem Maße nicht mehr bereit. Hinzu kommt außerdem, dass viele Zuschauer zu den Privaten abgewandert sind. Wir haben zwar in der Zwischenzeit einige Privatsender gewinnen können, aber das macht noch nicht die Reichweiten von früher aus. Inzwischen haben wir den Fachverband Außenwerbung als wichtigen Sponsor gewinnen können. Er stellt uns kostenlos Großplakatflächen zur Verfügung. Damit hat die öffentliche Wahrnehmung des Themas wieder deutlich zugenommen.

business-on.de: Nimmt die Zahl der HIV-Infizierten auch in Deutschland zu?

Elisabeth Pott: Die Zahlen steigen europaweit. Auch in Deutschland hatten wir in den letzten Jahren einen Anstieg, allerdings im internationalen Vergleich auf niedrigem Niveau. Im westeuropäischen Vergleich liegen wir vor Andorra an vorletzter Stelle. Die Erfolge der Aids-Prävention sind also in Deutschland sehr gut. Weltweit beobachten wir, dass Südostasien und Afrika sehr betroffen sind, und dass in den osteuropäischen Ländern die Dynamik der Ausbreitung am höchsten ist.

business-on.de: Inzwischen gibt es Medikamente, die den Krankheitsverlauf mildern. Macht das leichtsinnig?

Elisabeth Pott: Leichtsinnig würde ich nicht sagen. Aber sie machen Aids besser behandelbar, sie heilen nicht, sie verlängern das Leben und das erzeugt einen gewissen Entwarnungseffekt.

business-on.de: Diese Tabletten müssen ein Leben lang eingenommen werden. Welche Nebenwirkungen sind damit verbunden?

Elisabeth Pott: Es gibt verschiedene Nebenwirkungen. Wichtig ist besonders die Gefahr von Resistenzentwicklungen.

business-on.de: Die Mittel, die Ihnen zur Verfügung stehen, werden in erster Linie für Kampagnen, Broschüren und Veranstaltungen eingesetzt. Was wird noch mit dem Budget abgedeckt?

"Kinder stark machen"

Elisabeth Pott: Wir erstellen auch Studien und entwickeln Fortbildungskonzepte für Multiplikatoren. Ich habe z.B. eine enge Zusammenarbeit mit den großen Sportverbänden wie DOSB und DFB aufgebaut, um Kinder im Sinne der Suchtprävention zu erreichen. Die Kampagne „Kinder stark machen“ der BZgA soll Kindern helfen, sich zu starken Persönlichkeiten zu entwickeln, die nicht auf Suchtmittel ausweichen müssen, sondern den Anforderungen des Lebens gewachsen sind. Siebzig Prozent der Kinder sind mindestens zeitweilig in Sportvereinen aktiv. Wir wissen, dass für Kinder Trainer oder Betreuer wichtige Bezugspersonen sind. Bei dem Fortbildungsangebot geht es uns deswegen darum, über das sportliche Training hinaus Fähigkeiten und Fertigkeiten zu fördern, die notwendig sind, um Lebenskompetenzen zu entwickeln, die vom Suchtmittel wegführen.

business-on.de: Sind Sie selber auch aktiv als Referentin?

Elisabeth Pott: Ich referiere auf Tagungen über Aids, Sucht, Kindergesundheit, Organspende, über Programme zur Qualitätssicherung in der Gesundheitsförderung, die von uns entwickelt worden sind und über Konzepte, Modelle und Strategien für eine neue Gesundheitsförderung.

business-on.de: Sind die Mittel, die Ihnen zur Prävention zur Verfügung stehen, ausreichend? Oder sind das eher Tropfen auf den heißen Stein?

Elisabeth Pott: Das ist unterschiedlich. Bei Aids verfügen wir über ein relativ gut ausgestattetes Budget. Eine gewisse Schwierigkeit besteht in der föderalistischen Struktur. Wenn Bund, Länder und Kommunen, die gemeinsam zuständig sind, alle genügend Geld zur Verfügung stellen und gut koordiniert zusammenarbeiten, dann kann noch mehr erreicht werden.

business-on.de: Haben sich eigentlich die Schwerpunkte der Prävention in den vergangenen Jahrzehnten verändert?


 


 

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