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Tschechien

Chancen für den deutschen Mittelstand

Energieeffizienz und erneuerbare Energien im Fokus der Prager Baumesse. In Tschechien boomt der Markt der erneuerbaren Energien und eröffnet hervorragende Chancen für den deutschen Mittelstand. Deutsche Produkte und deutsches Know How aus den Bereichen Energieeffizienz und Photovoltaik sind in dem Nachbarland gefragt. Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise suchen deutsche Unternehmen nach neuen Wegen, die Absatzschwäche zu überwinden.

Eine der Lösungen liegt für Unternehmen aus dem Bereich Energieeffizienz und erneuerbare Energien direkt vor der Haustür – in der tschechischen Republik. Staatliche Förderprogramme, die in den letzten Monaten noch weiter aufgestockt wurden und Gelder aus dem EU Fonds sorgen für eine weiterhin steigende Nachfrage im Bausektor. 26,7 Mrd. Euro stehen der tschechischen Republik im Rahmen von Infrastrukturprogrammen bis zum Jahr 2013 seitens der EU zu Verfügung. Weil die Vergabe der EU Gelder jedoch nur an konkrete Vorhaben gebunden ist, werden entsprechende Projekte geplant und realisiert.

Tschechiens Markt für Umwelttechnologien im Bau und intelligente Energielösungen wächst somit, durch die EU-Fördergelder begünstigt, auch in der aktuellen Krise. 280 Mio. Euro Fördergelder sollen allein in die Steigerung der Energieeffizienz investiert werden. Auf Fachmessen in Prag, wie der „For Industry“ oder der im September stattfindenden „For Arch 2009“, sind die Bereiche alternative Energien und Energieeffizienz im Fokus der Öffentlichkeit.

40 % des gesamten Energieverbrauchs wird in Tschechien im Gebäudesektor verursacht – damit liegt Tschechien EU weit auf den hintersten Plätzen. Zwar wurden in den letzten 15 Jahren durch Modernisierung im Haushaltssektor erhebliche Fortschritte in Punkto Energieeffizienz erzielt, die zahlreich vorhandenen Plattenbausiedlungen bieten jedoch noch ein erhebliches Einsparpotential. Doch nicht nur Sanierungsmaßnahmen der Altbauten stehen in der tschechischen Republik im Vordergrund, bei Neubauten werden immer mehr energiesparende Häuser oder Passivhäuser nachgefragt. Lösungen in denen deutsche Unternehmen führend sind.

Im Jahr 2005 wurden die ersten fünf Passivhäuser in der tschechischen Republik fertiggestellt. 2007 waren es bereits 15 - eine Steigerung um 150%. Diese positive Tendenz konnte auch im Jahr 2008 fortgesetzt werden. In den kommenden Jahren sollen Beratungszentren die aktuellen Informationsdefizite und Vorurteile bei Architekten, Projektplanern und der Bevölkerung selbst beseitigen. Angst vor zu hohen Kosten und den neuen Technologien verhindert derzeit ein schnelleres Wachstum dieser Branche.

Mit 3 Mrd. Euro sollen die Bereiche Emissionsschutz, Abfallmanagement und Abwasserbehandlung gefördert werden. 1 Mrd. fließt in die regenerativen Energien. Photovoltaik hat sich durch gestiegene Ankaufspreise und den „grünen Bonus“ zu einer wahren Boombranche entwickelt. „In Tschechien haben deutsche Unternehmen einen deutlichen Know How Vorteil, denn sie blicken auf jahrelange Erfahrungen auf dem heimischen Markt zurück“, sagt Dipl. Vw. Georg Urban vom Marketinginstitut für deutsch-tschechische Wirtschaft (MDTW).

Die aktuelle Krise scheint die Entwicklung des Marktes für erneuerbare Energien noch zu begünstigen. Die Unternehmen und Banken bewerten das Investitionsrisiko angesichts der festgeschriebenen Einspeisepreise und einer Planungssicherheit von bis zu 20 Jahren positiv und tun sich mit einer Finanzierung weniger schwer. 12.890 Kc/MWh werden derzeit in der tschechischen Republik für Sonnenenergie gezahlt.

Architekten, Bauleiter und Hausbesitzer werden seit dem 01.01.2009 zusätzlich gefordert, den Energieverbrauch ihrer Häuser im Auge zu haben. Seit diesem Tag dürfen neue Gebäude und Renovierungen ab einer bestimmten Größe ein festgelegtes Energieeffizienzniveau (Klasse C) nicht mehr unterschreiten. Ähnlich dem deutschen Energiepass, müssen künftig auch in Tschechien Gebäude eine öffentliche Kennzeichnung des Energieverbrauchs aufweisen.

Öffentliche Gebäude unterliegen dieser Kennzeichnungspflicht bereits seit dem 01.01.2008. Bei Altgebäuden gilt die Kennzeichnungspflicht spätestens nach einem Besitzer- oder Mieterwechsel. Bei Bauvorhaben mit einer Größe von 1.000 qm und mehr müssen durch technische Analysen die Wirtschaftlichkeit des Einsatzes alternativer Heizsysteme, wie Bsp. Wärmepumpen oder dezentralisierte Systeme aus erneubaren Energien, bewertet werden.

„Der tschechischer Markt entwickelt sich gerade in der aktuellen Krise für viele deutsche Unternehmen zu einem Hoffnungsschimmer“, sagt Herr Urban. „Gerade erst haben wir einen deutschen Hersteller und Distributeur aus dem Bereich Fotovoltaik erfolgreich am Markt platziert und die nächsten warten bereits.“ Zusammen mit dem Prager Messeveranstalter ABF bietet MDTW interessante Pakete für die diesjährige Baumesse For Arch an. Damit möchte man vor allem Unternehmen helfen, die sich kurzfristig für eine Messeteilnahme entscheiden. Denn Märkte mit Wachstumspotenzial und dazu direkt vor der Haustür sind für den deutschen Mittelstand in Zeiten der globalen Krise eine Chance.

(Redaktion)


 


 

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1 Kommentar

von Mr. Bellevue
06.06.09 01:02 Uhr
Kann ich nur unterstützen

Auch unser Unternehmen hat die Krise für eine Expansion in die tschechische Republik genutzt (Wärmepumpen) und wir können den Artikel nur bestätigen. Das wirtschaftsliche Umfeld ist in einer Aufbruchstimmung, die Leute sind sehr engagiert und wissbegierig. Es macht uns Freude unsere Niederlassung in Mlada Boleslav (hier kommen übrigens die Skoda Autos her) bei der Entwicklung zu beobachten.

 

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