Sie sind hier: Startseite Südbaden Lifestyle Top-Tipps
Weitere Artikel
Ausflugstipp

Claude Chappe erfand mit seiner Telegrafie die moderne Nachrichtenübertragung

Nachrichten wurden in Europa bis zum 18. Jahrhundert von Reitern übermittelt. Die Erfindung der optischen Telegrafie war der Schritt in die Moderne: Innerhalb von Minuten konnten Nachrichten über hunderte Kilometer übertragen werden – eine technische Revolution. Im Elsass westlich von Straßburg kann eine alte Telegraphenstation besichtigt werden. Alte Burgen und Wanderwege machen einen Berg bei Saverne zusätzlich zum attraktiven Ausflugsziel.

Napoleon hat die Möglichkeiten der Erfindung von Claude Chappe erkannt: Damit konnte er Nachrichten in Windeseile aus fernen Regionen erhalten und damit seine Macht festigen und militärisch wichtige Information nutzen. Napoléon Bonaparte ließ deshalb Ende des 18. Jahrhunderts in Frankreich 534 Telegrafen-Stationen bauen, die über rund 5000 Kilometer sternförmig von Paris aus in alle Richtungen verliefen. Telegrafenlinien führten bis Venedig, Bologna und Antwerpen. Eine historische Station wurde bei bei Saverne im Elsass wieder aufgebaut. Daneben gibt es ein kleines Museum, auf Wunsch erklärt ein Museumsmitarbeiter, wie die Station funktioniert und macht eine Führung. 

Übertragen werden die Signale mittels "Armen", die wiederum über Seile verstellt werden. Je nach Ausrichtung der Arme sind unterschiedliche Symbole zu sehen. Zwar könnte jedem Symbol auch ein Buchstabe zugeordnet werden, aber die Übermittlung verläuft anders: Ein Symbol steht für einen Satzteil, zum Beispiel "Heute Abend". Dafür gab es am Anfang und am Ende der Nachrichtenübertragung Codierstationen. Mit anderen Worten: Die Bedienmannschaft an den einzelnen Telegrafenstationen wußte nicht, wie die Nachricht lautete. Geheimhaltung war wichtig. Weiterer Vorteil: Mit der Übertragung von Satzelementen für ein einziges Zeichen war die Übertragungsgeschwindigkeit hoch. Das System hatte allerdings auch Nachteile: Bei Nacht und Nebel war kein Nachrichtenaustausch möglich, zudem war der Personalaufwand hoch. Die moderne Telegraphie wurde durch eine weitere Erfindung erst möglich gemacht: Das Fernrohr. Damit konnte der Abstand zwischen den Stationen relativ groß gehalten werden.

Vor der Errichtung der Telegrafenlinie dauerte zum Beispiel aus dem Elsass die Übermittlung einer Nachricht per Reiter nach Paris mehrere Tage – nun nur noch Stunden. Die Telegrafenstationen von Chappe standen je nach Gelände und Sichtverhältnissen neun bis zwölf Kilometer weit auseinander, so dass man mit einem Fernrohr die Zeichen der Nachbarstation noch zweifelsfrei erkennen konnte. In jeder Station arbeiteten zwei „Telegraphisten“, die die Zeichen von einer der beiden Nachbarstationen ablasen, an ihrer Station gleich selbst einstellten und damit an die nächste Station weitergaben. Das System wurde in vielen europäischen Staaten übernommen. In den USA wurden ebenfalls Linien gebaut, so von New York nach Philadelphia. Unter Mohammed Ali wurde in Ägypten ein optisch-mechanischer Telegraf zwischen Alexandria, Kairo und Sues errichtet.

In Preußen führte von der Sternwarte in der Dorotheenstraße in Berlin über die Dahlemer Dorfkirche zum Telegrafenberg bei Potsdam eine Telegrafenstation, weiter über Magdeburg, Oschersleben, Veltheim, Liebenburg, bei Holzminden durch braunschweigisches Gebiet zum Köterberg westlich der Weser wieder ins preußische Westfalen über Paderborn nach Köln und von dort nach Koblenz. Zwischen 1832 und 1852 bestand diese Linie auf einer Länge von 550 Kilometer. In Köln-Flittard ist eine rekonstruierte Station dieser Linie zu besichtigen mit einer Zeigervorrichtung auf dem Dach. Die Stationen Neuwegersleben bei Oschersleben und Oeynhausen bei Nieheim (Westfalen) sowie die Straßenhauser Station im Kreis Neuwied wurden ebenfalls rekonstruiert und als Museum eingerichtet. Der nächste technische Schritt kam 100 Jahre später: Die Telegraphie mittels Strom, also in Leitungen. 

Die Idee, frei Botschaften mit Feuerzeichen zu übermitteln, beschrieb erstmals der griechische Geschichtsschreiber Polybios: Hinter einem großen Schild standen zwei „Telegrafisten“, die entsprechend dem zu sendenden Buchstaben Fackeln an einer bestimmten Position links oder rechts des Schildes positionierten. Das funktionierte jedoch nur auf kurze Entfernungen. Und die Römer richteten entlang der Grenzen ihres Reiches Wachtürme ein, die über Feuerzeichen miteinander kommunizierten. Auch damit ließen sich nur einfache Botschaften übertragen – Chappe machte die zuverlässige und schnelle Übermittlung detaillierter Nachrichten auch über große Entfernungen möglich.

Zurück ins Elsass nach Saverne: Nahe der Telegrafenstation steht die sehr gut erhaltene Burgruine Haut-Barr mit einem Restaurant. Bei der Burg gibt es einen Parkplatz, es sind nur 200 Meter bis zur Telegrafenstation. Von der kann man auf einem Wanderweg (acht Kilometer, 2,5 Stunden) zwei weitere Burgruinen besichtigen und einen Aussichtsturm besteigen (Schilder vor Ort). In Saverne steht im Ortskern beim Kanal ein Schild, das auf die Telegrafenstation und die Burg Haut-Barr verweist (rund vier Kilometer Anfahrt). Saverne wiederum liegt westlich von Straßburg, die Fahrt dorthin dauert mit dem Auto rund eine Stunde.

Wenn Sie über unsere Suchfunktion oben rechts auf der Seite "Ausflugstipp" eingeben, erhalten Sie weitere.

(Redaktion)


 


 

saverne
chappe
telegrafenstation
napoleon
telegrafie
claude
preußen
haut-barr

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "saverne" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: