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Forschungspreis 2008 der RAG

Computergestützte Kommunikation steigert Effizienz in allen Arbeitsbereichen

Der deutsche Steinkohlenbergbau ist Technologietreiber für den Bergbau weltweit. Viele Entwicklungen, die international Einsatz finden, wurden hier erforscht und erprobt. Die RAG Aktiengesellschaft vergibt jährlich einen Forschungspreis. In diesem Jahr in Essen auf der Zeche Zollverein für eine Entwicklung, die die Arbeit unter Tage revolutionieren kann: Die computergestützte Übermittlung von Sprache, Bildern und Daten.

Man stelle sich vor: Der Elektriker unter Tage repariert eine hochkomplizierte Anlage. Visuell und akustisch zugeschaltet wird innerhalb kürzester Zeit ein Experte der Herstellerfirma. Ohne Zeitverlust durch Anreise, ohne stundenlange Stillstände im Betrieb ist der Schaden schnell behoben. In der Komplexität der Untertage-Welt waren viele Voraussetzungen zu schaffen, um diese Technologie zu realisieren.

Preisträger Uwe Pollei

"Dinge, die für jeden heute über Tage selbstverständlich sind, wie beispielsweise das mobile Telefonieren, oder das Navigieren per Satellit, funktionieren 1.000 Meter unter der Erde nicht", so der diesjährige Preisträger, RAG-Mitarbeiter Uwe Pollei aus Dortmund. Darüber hinaus müsse bei allen technischen Geräten auf einen entsprechenden Explosionsschutz für den Untertage-Einsatz geachtet werden.

Einst eine Vision

"Es ist noch nicht lange her, da waren die Ziele des heute ausgezeichneten Projektes eine von vielen belächelte Vision: ein Bergmann, der mit einem Pocket-PC, Head-Set und Helm mit Mini-Kamera ausgerüstet Informationen und Hinweise per Email oder SMS auf sein mobiles Empfangsgerät untertage erhält", so RAG-Vorstandsmitglied Jürgen Eikhoff in seiner Laudatio bei der diesjährigen Forschungspreisübergabe. Das von der Europäischen Kommission geförderte Projekt "Entwicklung von mobilen Systemen zur Sprach-, Daten- und Videokommunikation für die Wartungs- und Reparaturunterstützung" unter der Leitung des 49-jährigen Pollei hatte genau diese Vision zum Thema. Bis heute sind Sprach-, Daten- und Videokommunikationseinrichtungen unter Tage in der Regel ortsfest und drahtgebunden. Ein wesentlicher Fortschritt, der in die Lage versetzt, Daten, Sprache und Bilder in nahezu beliebiger Menge zu transportieren war die Einführung der Lichtwellenleitertechnik. Der zweite Schritt gelang 2007 mit der Entwicklung von Access-Points nach dem Prinzip der Wireless LAN-Technik.

Mobile Kommunikation unter Tage

Pollei: "Mit dem Bluetooth-Headset in Verbindung mit einem Pocket-PC besteht jetzt die Möglichkeit der drahtlosen, mobilen Kommunikation unter Tage. Eine im Projekt entwickelte mobile WLAN Kamera, die selbst bei ungünstigen Lichtverhältnissen qualitativ hochwertige Aufnahmen liefern kann, stellt ein ideales Hilfsmittel für die Wartungs- und Reparaturunterstützung dar." Mit Hilfe der mobilen WLAN-Kamera sei der Fachmann über Tage in der Lage, live zu verfolgen, welche Arbeiten unter Tage vor Ort durchgeführt werden.

Unterstützung der Arbeit

Bei komplexen Vorort-Wartungen und Instandsetzungen kann auch der direkte Zugriff auf digitale Unterlagen wie z. B. Konstruktionszeichnungen, Reparaturanleitungen oder Schaltpläne hilfreich und zeitsparend sein. Hierzu wurde eine spezielle Software für die bei RAG eingesetzten Pocket-PC realisiert. Sie bietet die Möglichkeit technische Unterlagen, Dateien, kleine Videos oder Kurznachrichten (SMS) per WLAN zum Pocket-PC zu senden und mittels E-Mail zu antworten. Der Mitarbeiter vor Ort erhält in sekundenschnelle das Material, das ihn bei seiner Arbeit unterstützt.

Nutzung von WLAN

Bestimmte Bereiche machen die uneingeschränkte Kommunikation mittels WLAN allerdings aufwändig. Abzweige, Kurven, Wettertüren oder auch abschirmende Stahleinbauten können die WLAN-Reichweite erheblich reduzieren und erfordern daher den Einsatz einer erhöhten Anzahl an Access-Points, der Schnittstelle zwischen drahtloser und kabelgebundener Kommunikation untertage. Für diese Situationen ohne direkten "Sichtkontakt" zum nächsten Access-Point, wurde im Rahmen des Projektes eine sogenannte Leaky-Line-Antenne realisiert, vergleichbar einem undichten Schlauch mit vordefinierten Öffnungen, der die gleichmäßige WLAN-Verteilung über eine Länge von bis zu 200m auch in diesen schwierigen Bereichen erlaubt. Eine Antenne übrigens, die auch neuerdings im Flugzeugbau genutzt wird, um das Handy-Telefonieren an Bord zu ermöglichen.

Für die Nutzung von mobiler WLAN-Kamera und mobiler Telefonie ist es wichtig, jederzeit einen Überblick über die Funktionstüchtigkeit jedes einzelnen Access-Points zu besitzen. Zu diesem Zweck wurde ein Softwarepaket entwickelt, das die Ferndiagnose von Access-Points ermöglicht, kontinuierlich deren Funktion anzeigt und im Fehlerfall für eine schnellstmögliche Störungsbearbeitung sorgt.

Effizienzsteigerung

RAG-Vorstand Jürgen Eikhoff: "So wie das Internet die Welt der Kommunikation über Tage veränderte, so erwartet die RAG vom Einsatz modernster Kommunikationstechnologie unter Tage eine rasante Effizienzsteigerung in vielen Arbeitsbereichen. Reibungslosere Betriebsabläufe oder schnellere Behebung von Störungsfällen sind beispielhaft nur zwei wichtige Themen, die sich durch eine ungehinderte Kommunikation entscheidend beeinflussen lassen."

(Redaktion)


 


 

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