17.04.2009  09:08 Uhr

ZWISCHEN EKLIG UND GEFÄHRLICH
Das Hauptzollamt Lörrach hat entlang der Rheinschiene viel zu tun

Südbaden. Maschinengewehre, Vogelspinnen, Kokain oder Kosmetika, es gibt nahezu nichts, was nicht geschmuggelt werden kann und wird. Die rund 840 Mitarbeiter des Hauptzollamts in Lörrach haben viel zu tun, wenn sie den Schmuggel entlang der Rheinschiene bekämpfen. Denn zwischen der Ortenau und dem Dreiländereck werden offenbar besonders gern und oft Waren dubioser Herkunft oder zweifelhaften Inhalts transportiert.

„Einerseits geht es dabei immer wieder um die Umgehung von Zollvorschriften, andererseits um die Ein- und Ausfuhr von unerlaubten Waren wie Waffen, geschützten Tier- und Pflanzenarten oder natürlich Drogen“, fasst Zollamtsrat Markus Ückert die Arbeit seiner Behörde zusammen. Für die Schmuggelbekämpfung stehen dem Zoll Röntgenanlagen, Wärmebildgeräte und Zollboote zur Verfügung.

Maschienenpistolen, Copyright: Ralf Deckert
Maschie­nen­pistolen

Dazu kommen Spürhunde für Rauschgift, Geld, Tabak und Sprengstoff. Häufig werden die Beamten fündig.

In den vergangenen Wochen ging ihnen zum Beispiel ein Schmuggler in die Fänge, der geschützte lebende Vogelspinnen im Gepäck hatte. Und gleich noch Eimer voll lebender Schaben als Spinnenfutter. Ein weiterer spektakulärer Fang war ein Drogenkurier, der mit 1,7 Kilo Kokain in so genannten „Bodypacks“ im Magen verhaftet wurde. Büstenhalter voller Drogen und Schwarzgeld in Unterhosen, es gibt nichts, was es am Zoll nicht gibt. „Eine Waffenhändlerin haben wir mit mehreren Maschinenpistolen erwischt. Die zerlegten Waffen waren in bunten Kartons für Schreibpapier versteckt“, so Zollsprecher Ückert.

Rund 2.000 Strafverfahren wurden vom südbadischen Zoll eingeleitet, hinzu kamen über 120 Strafverfahren wegen Waffenschmuggelei. Auch Markenpiraterie ist immer wieder ein Thema. Waren es im Jahr 2007 noch 3.500 Paar gefälschte Sportschuhe, die der südbadische Zoll sicherstellen konnte, so wurden in 2008 20.000 gefälschte Druckerpatronen aus dem Verkehr gezogen. Hier spielt auch der Internethandel immer wieder eine Rolle, wobei viele Schmuggelpakete bereits an den großen Flughäfen aus dem Umlauf gezogen.

Auch Medikamente werden geschmuggelt: Knapp 7.000 Tabletten und Kapseln wurden durch das Zollamt Weil am Rhein im Jahr 2008 abgefangen. In einem Fall enthielt ein Paket aus dem Kongo nicht nur Medikamente, sondern auch noch getrockneten Fisch, der mit Ungeziefer befallen war. Beim Zollamt Appenweier beschlagnahmten die Zollbeamten hingegen 180 Tuben Kosmetika mit Dachsfett, sowie 100 Tiegel mit Blutegelextrakt aus Russland. Manchmal erwische man bei Zollkontrollen auch Menschenhändler, die Personen im Kofferraum über die Grenze schleusen wollen, so Ückert weiter.

Der Zoll in Deutschland nimmt rund die Hälfte des Steueraufkommens des Bundes ein. In 2007 und 2009 hat das Hauptzollamt Lörrach zum Beispiel jährlich 1,9 Milliarden Euro eingenommen. Zu seiner Arbeit gehören aber auch Betriebsprüfungen, die Bekämpfung der Schwarzarbeit und das Eintreiben von Außenständen. Und wo nichts mehr zu holen ist, da klebt schließlich der Kuckuck: So landen gepfändete Autos und Firmeninventare auf ganz legalem Weg im Internet. Die Plattform www.zoll-auktion.de ist als Auktionshaus längst kein Geheimtipp mehr.


 

(Ralf Deckert)

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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1, 2, 3 © Ralf Deckert



 


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