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Continental/Schaeffler

Das Monopoly - Spiel der Politik und Wirtschaft

Die Entwicklung bei den Autozulieferern Schaeffler und Continental zeigt, wie Politik und Wirtschaft auf die internationale Wirtschaftskrise reagieren: Die Belegschaften haben die Last der Krise zu tragen, während das Vermögen der Besitzer mit staatlichen Mitteln gerettet wird.

Das fränkische Familienunternehmen Schaeffler hatte im letzten Jahr den dreimal größeren Reifenhersteller und Autozulieferer Continental in einer feindlichen Übernahme geschluckt. Es war "der größte Firmenkauf in Europa in diesem Jahr" (Wiener Zeitung). Ziel der beiden Eigentümer Maria-Elisabeth Schaeffler und Sohn Georg war es, unter ihrer Führung den weltweit zweitgrößten Autozulieferer hinter dem Weltmarktführer Bosch (Umsatz 26,3 Mrd. Euro) zu schaffen.

Der Globalplayer Allianz hat sich von der kränkelnden Conti befreit und das Familienunternehmen Schaeffler damit, beglückt‘ bzw. an den Rand der Insolvenz gebracht. Doch die Familie verspekulierte sich. Sie hatte sich insgesamt 16 Milliarden Euro geliehen, um den Coup zu finanzieren. Den beteiligten Banken - Commerzbank, Dresdner Bank, Hypo-Vereinsbank, Royal Bank of Scotland, Landesbank Baden-Württemberg und UBS - dienten die erworbenen Aktien von Continental als Sicherheit. Doch der Wert dieser Aktien brach drastisch ein, als sich der Absatzrückgang in der Autobranche auf die Zulieferindustrie auswirkte. Hatte Schaeffler pro Conti- Aktie noch 75 Euro bezahlt, so liegt der heutige Wert des Papiers nur noch bei 15 Euro.

Schaeffler hat zudem weit mehr Conti-Aktien gekauft, als ursprünglich geplant. Da sich wegen der Absatzkrise viele Investoren aus der Autoindustrie zurückzogen, erhielt Schaeffler bis zum Ablauf der Übernahmefrist rund 90 Prozent der Aktien, statt wie geplant 50.
49,9 Prozent davon gingen direkt in den Privatbesitz der Familie Schaeffler über, während die restlichen Aktien bei zwei privaten Banken deponiert wurden.

Die durch die Übernahme entstandenen Schulden lasten nun auf Schaeffler. Sie summieren sich auf 22 Milliarden Euro. Um die Aktionäre zu bezahlen, musste das Unternehmen mehr als 10 Milliarden der von den Banken geliehenen 16 Milliarden in Anspruch nehmen. Außerdem ist Continental mit Sitz in Hannover wegen der Übernahme der Siemens-Tochter VDO im Jahr 2007 zusätzlich mit rund 11 Milliarden Euro verschuldet.

Die Belegschaft von Schaeffler und Conti soll nun doppelt bluten: Zum einen soll sie die Lasten des Produktionseinbruchs in der Autoindustrie und zum anderen die Kosten der milliardenschweren Verschuldung tragen.

Anfang Februar hat Schaeffler begonnen, 20.000 der 31.000 in Deutschland Beschäftigten in die Kurzarbeit zu schicken. Betroffen sind fast alle deutschen Standorte. Der Konzern beantragte die Kurzarbeit für ein halbes Jahr.
Vor ein paar Tagen wurde dann bekannt, dass Schaeffler die Löhne einfrieren will. Statt zum 1. Mai soll eine mit den Gewerkschaften vereinbarte Tariferhöhung erst zum 1. Dezember 2009 in Kraft treten.

Und schließlich werden die Zerschlagung des Unternehmens und der Verkauf seiner profitablen Teile vorbereitet. Experten schätzen, dass dadurch 80.000 der weltweit 230.000 Arbeitsplätze bei Schaeffler und Continental in Gefahr sind.

Ende Januar 2009 beantragte der Schaeffler-Konzern Staatshilfen von bis zu vier Milliarden Euro. Diese Hilfen sind mit weiteren Angriffen auf die Belegschaft verbunden und dienen in erster Linie dazu, das Privatvermögen der Milliardärsfamilie Schaeffler retten.

Die Gewerkschaften und Betriebsräte unterstützen die Forderung nach Staatshilfe, auch wenn sie wissen, welche Bedingungen daran geknüpft sind, nämlich das letztlich die Belegschaften für die Spekulationsverluste bezahlen werden!

Wie die "Financial Times Deutschland" heute berichtet muss der Finanzchef des hochverschuldeten Autozulieferers Schaeffler, Thomas Hetmann, nun offenbar auf Druck der Banken gehen. Thomas Hetmann verhandelt derzeit über die Details seines Aufhebungsvertrages.
Hetmann hatte zusammen mit Schaeffler-Geschäftsführer Jürgen Geißinger nach Einschätzung der Zeitung den Kauf des Konkurrenten Continental im vergangenen Jahr vorangetrieben.

(Redaktion)


 


 

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