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  • 12.05.2009, 14:23 Uhr
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Management/Abzockermentalität

Der Robin Hood vom Rheinfall

Schweizer Unternehmer geht mit einer Volksinitiative gegen die Abzockermentalität im Management vor. Thomas Minder (47) hat in ganz Europa Interviews gegeben und ist mit politischen Institutionen in Kontakt. Allerdings nicht, weil er ein erfolgreicher Hersteller von Zahnpasta ist, sondern weil er eine Volksinitiative in der Schweiz gestartet hat, die ein großer Erfolg werden könnte.

Ihr Inhalt richtet sich gegen die Abzockermentalität von Topmanagern, die Millionen einstreichen und gleichzeitig Firmen in den Sand setzen. „Ich könnte ihnen jeden Tag einen neuen Skandal aus der Welt der Schweizer Börsenwerte berichten“, so Minder. Minders Wut auf stinkreiche Nieten in Nadelstreifen kommt nicht von ungefähr: Sein Unternehmen „Trybol“ war Lieferant der „Swiss Air“. Als die vor Jahren in den Ruin flog, wäre Minders kleiner Betrieb fast auf einer halben Million Franken Außenständen sitzen geblieben. Als er erfuhr, dass „Swiss Air“ Chef Mario Corti sich sein Millionengehalt für fünf Jahre im Voraus hatte auszahlen lassen, platzte ihm der Kragen und er begann über eine „Volksinitiative gegen Abzockerei“ nachzudenken.

Warf man ihm anfangs noch Neid vor, so weiß Thomas Minder heute eine Menge Leute hinter sich: Rund 150.000 Unterschriften hat die Volksinitiative gesammelt. Der Politik wirft der Unternehmer vor, das Thema zu blockieren. „Die wollen, dass das Thema frühestens 2012 zur Entscheidung vors Volk kommt.“ Dann könnte es in der Schweiz tatsächlich zu einem Bürgerentscheid darüber kommen, ob Managergehälter bei Schweizer Börsenunternehmen von der Aktionärsversammlung abgesegnet werden müssen. Eine Deckelung der Vergütungen will Minder dagegen nicht erreichen. „Das wäre ein Eingreifen in die Regeln des Kapitalismus.“ Wenn eine Vollversammlung einer 20 Millionen hohen Vergütung zustimme, sei das am Ende ihr Problem. „Die Unternehmen sind ja so dumm und zahlen Millionensaläre für Manager, die noch kaum ihre Stelle angetreten haben.“

Minder rechnet für seine Volksinitiative mit einer Zustimmung von 70 Prozent in der Bevölkerung. Es könne schließlich nicht mehr angehen, dass in Unternehmen wie der Zürich Versicherung über 23.000 Stellen gestrichen und gleichzeitig dem gescheiterten Konzernchef Rolf Hüppi in 2002 über sechs Millionen Franken Entschädigung mit auf den Weg gegeben werden. Die Liste derer, die in Selbstbedienungsmentalität große Konzerne in der Schweiz leiten und die Thomas Minder auf der Homepage seiner Initiative unter www.abzockerei.ch aufführt ist lang.

Die Entwicklungen seien skandalös, so Minder. Zwischen 2002 und 2006 seien die Gehälter in den Schweizer Chefetagen zum Teil um bis zu nahezu 200 Prozent angestiegen. „Bei einem miserabel geführten Unternehmen wie der UBS Bank müsste es die Möglichkeit geben, die Managergehälter zu reduzieren!“ Aber: „Fast alle großen Konzerne werden schlecht gemanagt, sie sind praktisch kaum steuerbar.

(Ralf Deckert)


 


 

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