Sie sind hier: Startseite Südbaden Lokale Wirtschaft
Weitere Artikel
Einzelhandel

Handelsverband dringt auf verkaufsoffenen Sonntag

Freiburg. Von wegen „versprochen ist versprochen“: als Freiburgs Erster Bürgermeister Otto Neideck (CDU) im Sommer 2011 dem Einzelhandel in der Stadt einen verkaufsoffenen Sonntag als Trostpflaster für entgangene Umsätze im Zusammenhang mit dem Papstbesuch im September in Aussicht stellte, hat er die Rechung sprichwörtlich ohne den Wirt gemacht:

 Kirche, Gewerkschafter und der Gemeinderat waren und sind nicht damit einverstanden, dass in der Bischofsstadt am Dreisamufer, wie andernorts auch, auch sonntags einmal „geshoppt“ werden darf:

Neben München ist Freiburg nach unseren Recherchen damit der einzige Bischofssitz in Deutschland, der keine verkaufsoffenen Sonntage zulässt“, sagt Rathaussprecher Walter Preker. Wenn kommende Woche der Gemeinderat über das Thema abstimmt, dürfte die Mehrheit über Fraktionsgrenzen hinweg gegen den Einkaufssonntag stehen, seitens der Verwaltung hätte man den Tag jedoch gern angeboten. „Mal sehen, wie es ausgeht“, so Preker. Sollte es so kommen wie es aussieht, wird die Abstimmung auch eine persönliche Ohrfeige für Neideck und Oberbürgermeister Dieter Salomon (Die Grünen) werden, die beide für das Konzept waren.

Pabstbesuch verhagelte Möblern das Geschäft

Dabei sah es zunächst so aus, als sei die Sache zumindest zwischen Erzbistum und Stadt bereits in trockenen Tüchern, und hätte somit auch den Stadträten vielleicht schmackhaft gemacht werden können: Vor allem die Möbelhäuser im Norden der Stadt hatten auf der einmaligen Ausnahme bestanden, da sie am Tag des Papstbesuchs geschlossen bleiben mussten und große Umsatzeinbußen verzeichneten. Doch dann machte das Erzbistum einen Rückzieher: „Zum einen sind wir nicht zuständig gewesen, denn das ist ein Thema, das im Stadtdekanat entschieden werden muss“, betont Bistumssprecher Robert Eberle, „und außerdem kann so etwas natürlich auch nur in Absprache mit unseren Evangelischen Brüdern und Schwestern gemacht werden.“ Und die seien schließlich auch dagegen.

Scheinbar auch politisch nicht mehrheitsfähig

Nun zeige sich aber ohnehin, dass der verkaufsoffene Sonntag in Freiburg auch politisch nicht mehrheitsfähig sei. Als Kirche setze man sich natürlich weiterhin für die Sonntagsruhe ein, so Eberle. „Unser Motto lautet ja nicht `Wer wird Millionär`“. Die Attraktivität des Einzelhandels sei sicher nicht von einem offenen Sonntag abhängig, gibt der Sprecher von Erzbischof Robert Zollitsch zudem zu bedenken. Auch unter den Einzelhändlern habe man Kritiker des verkaufsoffenen Sonntags gefunden, und außerdem komme ja zurzeit auch keiner auf die Idee, die Läden ein paar Tage lang zu schließen, weil die Kundschaft aus der Schweiz für Rekordumsätze gesorgt habe.

Ganz so humorig sieht der Handelsverband das Thema freilich nicht und hat daher nun in einem Brief an die Freiburger Stadträte einen neuerlichen Vorstoß gemacht: Es sei nicht verständlich, dass erst ein Angebot in Aussicht gestellt werde, um den Handel angesichts kommender Einschränkungen milde zu stimmen, nur um dieses Angebot anschließend wieder „zu kassieren“, so Verbandsgeschäftsführer Manfred Noppel.

Einbußen bis zum 90 Prozent

Auch die Gewerkschaft Ver.Di müsse sehen, dass es sich hier um einen einzigen, nicht aber um 52 Sonntage handle. Die Einbußen der Händler hätten bis zu 90 Prozent der üblichen Umsätze betragen, so Noppel weiter. Staatsbesuche und immer wieder irgendwelche Demonstrationen sei man ja gewöhnt, und der Einzelhandel in der Stadt sei bisher immer sehr leidensfähig gewesen, wenn es um Einschränkungen ging, so Noppel, „aber irgendwo ist eine Grenze zu sehen.“ Letztlich gehe es bei dem Thema auch um den Erhalt von Jobs.

(Ralf Deckert)


 


 

Sonntag
Verkaufsoffen
Pabstbesuch
Einbußen
Erzbistum
Einschränkungen
Gemeinderat
Möbelverkäufer

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Sonntag" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: