Weitere Artikel
Energieversorgung

Konkurrenzkampf am südbadischen Energiemarkt

Vor ziemlich genau zehn Jahren haben sich in der Region am Oberrhein mehrere kommunale Energieversorger mit der Thüga AG zusammengesetzt, um konkrete Pläne für einen regionalen Energieversorger zu schmieden.

Das Unternehmen wurde dann unter dem Namen „Badenova“ im Freiburger Rathaus vorgestellt, und Freiburgs damaliger Oberbürgermeister Rolf Böhme witzelte anfangs über den etwas unbeholfenen Namen, der „irgendwie nach Baden und Eiern“ klang. Doch Böhme als Vertreter der größten Kommune im Badenova Verbund und der damalige Badenova Vorstandssprecher Adalbert Häge waren überzeugt, mit diesem „großen“ Energieunternehmen, zu dem neben der Thüga AG und den Freiburger Stadtwerken FEW fünf weitere kommunale Energieversorger in Breisach, Offenburg, Waldshut-Tiengen, Achern und Lahr gehörten, für die Herausforderungen des liberalisierten Energiemarkts gerüstet zu sein.

„Sechs plus X“ war die Devise mit der man an den Markt ging. Gemeint war, dass zu den Kommunen und der Thüga AG, die an über 100 Stadtwerken in Deutschland Anteile hält, noch ein Faktor „X“ an weiteren Städten und Gemeinden kommen sollte, die aus Badenova einen noch größeren und wettbewerbsfähigeren Energieversorger machen sollten. Doch die Kommunen haben sich bisher zurückhaltend gezeigt, aus dem „X“ ist bis heute ein „nix“ geworden, denn kein neuer Gesellschafter ist der Badenova beigetreten. Böhme und Häge sind längst im Ruhestand und ihre Nachfolger haben manchmal einige Mühe, das Unternehmen Badenova am stürmischen Energiemarkt auf Kurs zu halten. Dem will man nun mit dem Modell „KOMPAS“ abhelfen. „KOMPAS“ steht für „kommunale Anteilspartnerschaft“ und sieht vor, dass Gemeinden Mitgesellschafter der Badenova werden können, wenn sie ihre Erdgas- oder Stromkonzession an den südbadischen Energieversorger erteilen oder dort belassen. Den Kosten für den Erwerb der Anteile steht eine dauerhafte, nahezu risikolose Rendite aus dem Badenova Geschäft gegenüber. Für Badenova ist das Modell ein möglicher Weg hin zu einem breiter aufgestellten Unternehmensfundament mit mehr Kunden und mehr Umsätzen. Nur so könne man zukunftsfähig agieren, ist Badenova Vorstandssprecher Thorsten Radensleben überzeugt und nur so könne man ökologische Konzepte auf breiter Front durchsetzen, ergänzt sein Vorstandskollege Matthias Nikolay. Zunächst wollte man den Kommunen dafür sogar eine stille Beteiligung am Unternehmen anbieten, doch die wurde vom Regierungspräsidium Freiburg zunächst als nicht genehmigungsfähig gekippt. Nun muss in Gesprächen zwischen Unternehmen und Land nachgebessert werden, doch diese Gespräche stehen noch aus.

Gefochten wird am Energiemarkt mit harten Bandagen und immer neuen Geschäftsideen und -partnern. Als Badenova zum Beispiel vor einem Jahr ankündigte, sich auch im Bereich der Energieberatung etablieren zu wollen, ging ein Aufschrei durch die Handwerkerschaft in der Region, denn schließlich liegt das Thema Energieberatung am Bau vor allem in den Händen der Handwerksbetriebe. Auch dass die Badenova hinter dem Unternehmen steckt, das den Kirchen und Gemeinden im Bistum Freiburg Ökostrom verkauft, hat den Freiburgern nicht nur Applaus eingebracht, manche Stadtwerke sind sauer, dass ihnen nun die Kirchen als Kunden davon laufen.

Um die Gesellschafteranteile für die Teilnahme an „KOMPAS“ frei werden zu lassen, haben Freiburg und die Thüga als größte Anteilseigner im Badenova Verbund angekündigt, auf eigene Anteile und somit auch Teile ihrer Gewinnausschüttungen zu verzichten. Eine Abgabe von Geschäftsanteilen bedeutet für die Stadt Freiburg, dass sie sich von einem knappen Prozent ihrer Anteile trennen muss. Dafür erhält sie nach Abzug der Steuern rund 6,3 Millionen Euro, wird aber künftig auf jährlich rund eine halbe Million Euro verzichten. Kein leichter Schritt, schließlich verzichtet keiner gern auf Einnahmen und in Freiburg wird zum Beispiel seit Jahren der defizitäre städtische ÖPNV aus Badenova Gewinnen mitfinanziert. Dennoch war die Mehrheit im Gemeinderat für den Schritt überwältigend. Was Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon (Die Grünen) unlängst einen „Akt der Solidarität“ genannt hat, hat einen bedrohlichen Hintergrund: Immer mehr Gemeinden gründen, wenn ihre Strom- und Gaskonzessionen frei werden, eigene Stadtwerke. Meist tun sie das mit einem großen Partner im Hintergrund, in Emmendingen zum Beispiel mit der EnBW. Anders sind Verwaltung, Rechnungswesen oder Einkauf an internationalen Märkten für die kleineren Unternehmen nicht zu bewältigen. Die kleinen Stadtwerke haben alle ein Ziel: Gewerbesteuereinnahmen und Gewinne aus dem Energiegeschäft sollen in der Kommune bleiben. Sechsstellige Gewinne locken. Badenova hingegen muss sich, bedingt durch ihren Sitz in Freiburg, immer wieder anhören, mit Geld aus dem Umland städtische Unternehmen in Freiburg zu finanzieren. Badenova erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von 750 Millionen Euro, der Gewinn lag bei 53 Millionen.

Badenova Sprecher Roland Weis kontert: Wer dezentral und ökologisch einwandfrei Energie produzieren will, der könne das in Südbaden in erster Linie im Badenova Verbund. „Mit Hilfe von Badenova Förderprogrammen, mit regenerativen Projekten der Badenova, mit Kraftwärmekoppelung alleine oder mit Partnern zusammen, produziert die Region inzwischen rund 50 Prozent der Strommenge selbst, die Badenova an Privatkunden verkauft.“ Es reiche nicht, sich 50 Quadratmeter Solarzellen aufs Rathaus zu bauen, und dann von Ökologie zu reden, zumal wenn man einen großen Atomstromkonzern als Partner in der Hinterhand habe, so Weis weiter. „Wer es ernst meint mit dem Thema Energiewende, der muss dies in großem Stil tun und in Angeboten für alle Kunden. Das ist der Anspruch der „Energiewende für alle“, wie sie Badenova verspricht.“ Manche der neuen Stadtwerke im Freiburger Umland seien dagegen lediglich Energiehändler.

(Ralf Deckert)


 


 

Konkurrenzkampf
Badenova
Kommunen
Stadtwerke
Energieunternehmen
Energieversorger
KOMPAS
Energiemarkt

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Konkurrenzkampf" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: