Sie sind hier: Startseite Südbaden Aktuell Lokales
Weitere Artikel
30-jähriges Jubiläum

Der Solarmotor der Energiewende wird 30

Mit einem Festakt mit 300 Ehrengästen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft hat am Donnerstagabend in der alten Güterbahnhalle in Freiburg ein dreitägiger „Partymarathon“ angefangen.

Das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg wird 30 Jahre alt und haut mächtig auf den Putz: Neben dem Festakt luden die führenden Solarforscher Europas am Freitag ihre 1100 Mitarbeiter zu einer großen Party ein, bevor sie am Samstag ihr Institut bei einem Tag der offenen Tür von 10 bis 15 Uhr dem Publikum zugänglich machten. Ebenfalls am Samstag erhielt das ISE eine Auszeichnung als „Ausgewählter Ort“ im Wettbewerb „Deutschland – Land der Ideen“. Grund zum Feiern haben die Forscherinnen und Forscher um ISE-Chef Eicke Weber also allemal: Alternative Energien wie die Photovoltaik sind längst raus aus der Ecke der „Öko-Spinner“ und international erfolgreich in Forschung und Wirtschaft. Und das ISE ist in seinem Feld nach eigenen Angaben europaweit die Nummer eins.

Das war nicht immer so, wie die Festgäste am Donnerstag erfahren durften. ISE- Gründer Adolf Goetzberger musste sich 1981 Fragen nach seiner geistigen Fitness gefallen lassen, als er aus seiner Professorenstelle am Institut für angewandte Festkörpertechnik in Freiburg heraus mit zwei Dutzend Idealisten sein eigenes Solarinstitut gründen wollte. Sein Nachfolger Joachim Luther, der das ISE von 1993 bis 2006 leitete, berichtete, dass das Haus in den Neunzigern fast pleite gewesen sei, da keiner etwas wirtschaftlich sinnvolles mit Solarenergie anfangen wollte. Eicke Weber, der dritte Leiter des ISE seit dessen Gründung, gilt da schon eher als Glückspilz, so Ministerialrat Knut Kübler aus Berlin in seiner Festrede, denn Weber leitet das ISE in einer Zeit, da die Mitarbeiterzahl einen Höchststand erreicht hat und das Budget des Instituts, das anfangs bei nicht einmal 1 Mio. € lag, weit über 50 Mio. € erreicht hat.

„Wir wollen einen Beitrag zur Lösung des Weltklimaproblems leisten.“

Energieeffiziente Gebäudetechnik, Solartechnologie, Wasserstofftechnologie, regenerative Stromversorgung und einiges mehr; die Arbeitsfelder des ISE sind vielfältig. Die Ergebnisse der angewandten Solarforschung, die hier betrieben wird, sind es ebenfalls und reichen von Solarkochern für Drittweltländer über hochmoderne Solarzellenbeschichtungen für Fensterscheiben bis zu neuen Konzepten der Stromspeicherung für Solaranlagen, damit diese auch im Dunkeln aus gespeicherter Solarenergie Strom produzieren können. Ein wichtiges Kernthema ist auch die Erhöhung der Effizienz von Solarzellen, sprich: die Suche nach Wegen, um mehr Strom aus jedem Sonnenstrahl ernten zu können. „Wir wollen einen Beitrag zur Lösung des Weltklimaproblems leisten“, so Webers Anspruch. Entsprechend groß ist auch das internationale Interesse an den Tüfteleien der Freiburger Sonnenschmiede: „Es vergeht keine Woche ohne internationale Anfragen, ob wir nicht hier oder da in der Welt einen Ableger unseres Hauses starten wollen“, so Eicke Weber. Ohnehin sei Freiburg bundesweit der Standort Nummer eins, wenn es um die Haushaltsgröße der angesiedelten Fraunhofer Institute gehe. Die 53 Mio. € Budget in 2010 bedeuteten ein sattes Plus von 13 % gegenüber 2009. Alleine die ISE-Ausgründung „Soitec“ (ehemals Concentrix) hat 2010 sechs Millionen Euro umgesetzt und hat zudem einen Großauftrag aus den USA an Land gezogen, der das Unternehmen für 10 Jahre auslasten würde, sollte es nicht – wie mittlerweile beschlossen – in den USA einen weiteren Firmenableger gründen.

Danke des ISE ist Freiburg in Sachen „Green Energy“ ein Top-Forschungsstandort

Für so viele gute Nachrichten gab es entsprechend viel Lob aus dem Pulk der Festredner des Abends. Regierungsdirektorin Kerstin Deller aus dem Wissenschaftsministerium in Berlin hob die verschiedenen Rekorde der ISE-Produkte bei der Energieausbeute von Solarzellen hervor. Unirektor Hans-Jochen Schiewer betonte, dass Freiburg in Sachen „Green Energy“ dank des ISE ein Top-Forschungsstandort sei, Oberbürgermeister Dieter Salomon (Die Grünen) lobte Mut und Weitsicht der ISE-Gründer und Ulrich Buller, Vorstandsmitglied der Fraunhofer Gesellschaft, hob hervor, dass das Institut nicht zuletzt im Sog der Anti-Atomkraftbewegung der Siebziger seinen Ursprung habe. „Die Energiewende war damals schon das Ziel“, urteilte auch Dieter Salomon. Dennoch, so Stefan Gloger, Referatsleiter im Umweltministerium Baden-Württemberg, werde der Job des ISE jetzt ernster denn je, denn nun gelte es zu beweisen, wie leistungsfähig die Solartechnologie wirklich ihren Beitrag zu einer Energieversorgung ohne Atomstrom leisten könne. Die Zeit in der Opposition ist auch für die Forscher vorbei, doch Weber und sein Team scheinen gewappnet: Bereits 15 Solarfirmen wurden in der Vergangenheit aus dem ISE ausgegründet. Der Trend nach oben scheint derzeit ungebrochen, wenngleich Weber noch immer betont, dass „der politische Kampf“ um die Zukunft der Solarenergie noch nicht gewonnen sei. „Die Atomkonzerne wissen: Jede Kilowattstunde Sonnenstrom frisst ihnen Gewinne weg.“ Kein Wunder, dass aus dieser Richtung immer wieder Versuche gestartet würden, die Arbeit der Solarforscher in Frage zu stellen.

(Ralf Deckert)


 


 

Solarmotor
Energiewende
ISE
Solarenergie
Solarforscher
Fraunhofer Institut
Klima

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Jubiläum" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: