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Sorgen der Europäer

Ergebnisse der GfK-Studie "Challenges of Europe" 2009

Die diesjährige Sorgenliste der Europäer wird von der Finanz- und Wirtschaftskrise dominiert. Trauriger Spitzenreiter im gesamteuropäischen Sorgenranking ist erneut die Arbeitsmarktproblematik. Im letzten Jahr kurzfristig von Platz 1 verdrängt, nimmt die Besorgnis der Bürger hier wieder deutlich zu.

Dies ist ein Ergebnis der GfK-Studie „Challenges of Europe“, die jährlich im Auftrag des GfK-Nürnberg e.V. durchgeführt wird. Ein sehr starker Anstieg zeigt sich bei der Beunruhigung über die wirtschaftliche Stabilität. Das Thema war im Jahr 2008 gar nicht in den europäischen Top 10 vertreten, besetzt in diesem Jahr aber Platz 2. Bei der Sorge um die Preis- und Kaufkraftentwicklung hingegen entspannt sich die Lage in diesem Jahr. Auch in Deutschland belegt die Arbeitsmarktproblematik Platz 1 im Ranking.

Nach einem kontinuierlichen Rückgang in den letzten Jahren ist die Sorge der deutschen Bürger in Bezug auf die Arbeitslosigkeit 2009 mit einem Zuwachs von 4 Prozentpunkten wieder leicht angestiegen. Mit derzeit 57 Prozent bleibt die Arbeitsmarktproblematik mit Abstand das Thema Nummer 1 in Deutschland. Dabei war die Ausgangslage auf dem Arbeitsmarkt eigentlich gut, denn seit der Wiedervereinigung waren in Deutschland nicht mehr so viele Menschen erwerbstätig wie im Jahr 2008. Doch Anfang 2009 zeigte der konjunkturelle Abschwung erste Auswirkungen. Die Erwerbstätigenzahl lag erneut knapp unter der magischen 40-Millionen-Marke; die Arbeitslosenquote stieg nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation ILO (International Labour Organization) im Januar diesen Jahres um 0,1 Zähler auf 7,3 Prozent. Gebremst wurde eine weitere Verschärfung vermutlich durch die Regelungen zur Kurzarbeit. Ob und wie lange diese oder andere konjunkturfördernde Maßnahmen eine Verschlechterung der Arbeitsmarktsituation aufhalten können, bleibt abzuwarten.

Wirtschaftliche Entwicklung beunruhigt Deutsche

Einen rasanten Anstieg verzeichnet die Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Nach Rang 15 im letzten Jahr belegt sie nun mit 36 Prozent der Nennungen den zweiten Platz. Hauptgrund ist die viel diskutierte, durch die so genannte " Bankenkrise " ausgelöste Rezession, die auch in Deutschland zu spüren ist. Somit prangern 13 Prozent der Bundesbürger konkret die "Finanz- und Bankenkrise" an, 11 Prozent nennen die "Wirtschaftskrise". Dem entsprechen die aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamtes, wonach das reale Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2008 um 2,1 Prozent geschrumpft ist. Auch die Prognosen für das Jahr 2009 weisen nach unten.

Mit beachtlichem Abstand zu Rang 2 belegt das Thema Bildung mit 14 Prozent der Nennungen den dritten Platz der Sorgenliste. Insbesondere durch die Pisa-Studien ist das Bildungssystem hierzulande mehr und mehr in die Diskussion geraten.

Sorgen um Renten im Schatten der Wirtschaftskrise

Deutlich weniger Sorgen als noch im Vorjahr bereiten den Deutschen die Renten beziehungsweise die Altersversorgung. Nach einem Anstieg in den letzten Jahren ist die Bedeutung des Themas im Vergleich zum Vorjahr um 14 Punkte auf 9 Prozent gefallen. Grund dafür könnten gestiegene Rentenbezüge sein. Doch vermutlich lässt auch die Beunruhigung über die aktuelle wirtschaftliche Situation die Sorge um die Altersbezüge in den Hintergrund treten.

Die Sorge um die Entwicklung von Preisen und Kaufkraft liegt im aktuellen Ranking auf Platz 4. Allerdings sehen hier nur noch 13 Prozent der Bürger ein Problem. Im letzten Jahr waren es noch 37 Prozent. Ein Grund dafür ist die sinkende Inflationsrate, die im Jahr 2008 zunächst durch steigende
Energie- und Lebensmittelpreise einen Höhepunkt erreicht hatte. Seit vergangenem Herbst sind die Kosten für Benzin, Gas, Öl und Lebensmittel jedoch deutlich zurückgegangen. Dies wirkt dämpfend auf die Inflation , die im Februar 2009 bei nur noch 1 Prozent lag.

Das Thema der sozialen Sicherung stellt wie auch im Vorjahr für 13 Prozent der Deutschen ein Problem dar. Ähnlich hohe Werte wurden zuvor nur gegen Ende der letzten Rezession in den Jahren 2003 und 2004 erreicht.

Arbeitslosigkeit wichtiges Thema in Ost und West

Fast 20 Jahre nach dem Mauerfall gleichen sich die Hauptsorgen in beiden Teilen Deutschlands an. So nimmt die Arbeitslosigkeit als größtes Problem in Ost und West die zentrale Stellung ein. Im Jahr 2009 klettert die Besorgnis im Westen von 51 auf 55 Prozent und nähert sich dem Niveau im Osten an (unverändert 63 Prozent). Die wirtschaftliche Stabilität Deutschlands stellt in beiden Teilen des Landes ein deutlich größeres Problem dar als noch im vergangenen Jahr und liegt aktuell auf Platz 2. Zeigten sich in den vergangenen Jahren die Bürger im Osten tendenziell beunruhigter, dreht sich nun das Verhältnis um. Insgesamt 38 Prozent der westdeutschen Verbraucher zeigten sich besorgt angesichts der Konjunktur , im Osten liegt dieser Wert bei 29 Prozent.

Arbeitslosigkeit ist Top-Thema in Europa

Die globale Wirtschaftskrise hat zwar erst in einigen Ländern den Arbeitsmarkt erreicht, doch in Europa wächst die Beunruhigung über mögliche Folgen. Mit einem Anstieg um 15 Prozentpunkte auf 39 Prozent führt die Arbeitslosigkeit die gesamteuropäische Sorgenliste an. In Spanien, wo sich die Krise bereits in einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosenzahlen bemerkbar macht, sind die Menschen besonders beunruhigt. Rund 67 Prozent äußern Besorgnis über die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Mit einigem Abstand folgen Deutschland (57 Prozent) und Frankreich (54 Prozent). Jeweils mehr als 40 Prozent der Bürger beschäftigt der Mangel an Arbeitsplätzen in Italien, Polen und Österreich; auch dort ist die Arbeitsmarktsituation das wichtigste Problem. In Belgien ist etwa ein Viertel der Menschen besorgt, in Großbritannien und Russland je etwa ein Fünftel. Untergeordnete Priorität hat das Thema dagegen in den Niederlanden. Lediglich 7 Prozent sehen hier Handlungsbedarf seitens der Politik.

Sorgenfaktor Wirtschaftsentwicklung

Massiv angestiegen ist europaweit die Sorge um die wirtschaftliche Stabilität. Lag dieser Aspekt in den Vorjahren bei 5 Prozent, schnellt er auf momentan 29 Prozent. In Großbritannien sehen sogar 43 Prozent der befragten Verbraucher schwierigere Zeiten auf sie zukommen. Hier nimmt – ebenso wie in Belgien und den Niederlanden – dieses Thema den ersten Rang ein. Auch in Deutschland (36 Prozent), Österreich und Spanien (je 34 Prozent) ist die Besorgnis groß. In Italien, Belgien und den Niederlanden empfindet jeweils knapp ein Drittel die wirtschaftliche Situation als verbesserungsbedürftig. In den übrigen Ländern ist – mit Ausnahme Frankreichs – mindestens ein Fünftel beunruhigt.

Sinkende Energiepreise drücken Inflationssorgen

Die Sorge um die Preis- und Kaufkraftentwicklung hat nach dem dramatischen Anstieg um 11 Prozentpunkte im letzten Jahr aktuell an Wichtigkeit verloren und sinkt um immerhin 7 Zähler. Mit 22 Prozent der Nennungen liegt dieses Thema nun hinter der Arbeitslosigkeit und der Sorge um die konjunkturelle Entwicklung. Grund hierfür könnte die sinkende Inflation sein, von der Verbraucher in den meisten Ländern derzeit profitieren. Eine Ausnahme ist Russland. Hier werden für 2009 sinkende Realeinkommen prognostiziert, zudem verteuern sich Importe durch die Abwertung des Rubels. Dies verunsichert die Bürger offenbar sehr, somit belegt die Preis- und Kaufkraftentwicklung mit 31 Prozent Rang 1. Noch besorgter sind die Franzosen (51 Prozent), hier steht allerdings die Kaufkraft im Vordergrund – vermutlich befürchten die Bürger Lohneinbußen aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise.

(gfk)


 


 

GfK-Studie „Challenges of Europe“
Finanz- und Wirtschaftskrise
Arbeitsmarkt
Kaufkraftentwicklung

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