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SiFo-Studie

Erste Ergebnisse der Untersuchung „Know how-Schutz in Baden-Württemberg“

Innenminister Heribert Rech hat am Freitag, 2. Oktober 2009, auf der Fachmesse SAFEKON in Karlsruhe erste Ergebnisse der vom Sicherheitsforum Baden-Württemberg in Auftrag gegebenen Studie zum Thema „Know-how-Schutz in Baden-Württemberg“ vorgestellt. Ziel der Studie ist es, Fälle von Industrie- und Wirtschaftsspionage statistisch zu ermitteln und ihre Auswirkungen auf die Unternehmen zu untersuchen.

Aktuelle SiFo-Studie soll Bewusstsein der Unternehmen schärfen und Handlungsempfehlungen geben

„Die Studie macht deutlich, wie sehr Urheberrechtsverletzungen, Spionage und Informationsabfluss unsere Unternehmen bedrohen“, sagte Rech. Die Untersuchung analysiere aber nicht nur die Gefahrenlage, sondern zeige mit konkreten Empfehlungen Wege auf, wie sich Unternehmen vor Schäden schützen können. Die SiFo-Studie sei ein wichtiger Beitrag für zielgerichtete Maßnahmen zum Schutz des betrieblichen Know-hows. Mit ausgewerteten Angaben von rund 240 baden-württembergischen Unternehmen handle es sich um eine der größten empirischen Untersuchungen zur Wirtschafts- und Industriespionage in Unternehmen. Bis zum Jahresende werde das Sicherheitsforum Baden-Württemberg eine Broschüre „Know-how-Schutz - Handlungsempfehlungen aus der SiFo-Studie 2009“ vorlegen.

Der Bericht zur Studie, der neben den Ergebnissen auch Angaben zum methodischen Vorgehen und zu den Handlungsempfehlungen enthalte, werde ebenfalls bis Jahresende in der Steinbeis-Edition, Stuttgart, veröffentlicht.

Die SiFo-Studie 2009 wurde im Auftrag des Sicherheitsforums Baden-
Württemberg durch das Ferdinand-Steinbeis-Institut in Kooperation mit der School of Governance, Risk & Compliance der Steinbeis-Hochschule Berlin durchgeführt. Sie wurden dabei unterstützt von der Steinbeis- Stiftung für Wirtschaftsförderung und dem baden-württembergischen Industrie- und Handelskammertag.

Erste Ergebnisse:

1. Geistiges Eigentum wird noch zu wenig geschützt
Von den Unternehmen, die an der Befragung teilgenommen haben, betreiben mehr als 55% Forschung und Entwicklung am Betriebsstandort Baden-Württemberg, 30% sogar intensiv. Über die Hälfte der forschungsstarken Unternehmen verfügt zwar über eine Reihe antragsfähiger (64%), aber bislang nicht geschützter Patente. Ein Teil ihres geistigen Eigentums ist somit rechtlich schutzlos. Die Gründe für diese Situation sind vielfältig. Bei der Hälfte der Unternehmen mit ungeschützten Patenten liegt aus ihrer Sicht die Antragsreife noch nicht vor (57%), aber fast ebenso viele der kleinen und mittelständischen Unternehmen scheuen vor allem den hohen zeitlichen (49%), finanziellen (47%) und rechtlichen Aufwand (45%) einer Antragstellung. Fast die Hälfte beklagte sich auch über den mangelhaften Schutz im Ausland, so dass sie bei einigen Produkten auf eine Eintragung eines Patents verzichteten.

2. Unternehmen erleiden Schäden
2.1 Urheberrechtsverletzungen
Die Befragung ergab, dass sich knapp 38% der Unternehmen in den letzten vier Jahren Urheberrechtsverletzungen ausgesetzt sahen (Verstöße gegen Patentrechte, Gebrauchsmuster, Markenrechte oder Geschmacksmuster) und 18% durch den Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen geschädigt wurden. Am stärksten wurden vor allem Unternehmen durch Produkt- und Markenpiraterie getroffen, die eine intensive Forschung und Entwicklungsarbeit betreiben. Fast zwei Drittel dieser Unternehmen (65%) wurden hierdurch mindestens einmal geschädigt. Diese forschungs-intensiven Unternehmen erlitten am häufigsten Verstöße gegen ihre Patente (46%) sowie den Missbrauch einer geschützten Marke (33%). Etwa 40% der betroffenen Unternehmen hatten aufgrund von Urheberrechtsverletzungen
mit gravierenden Umsatzeinbußen (37%), Beeinträchtigungen von Geschäftsbeziehungen (40%) oder strategischen Vorteilen für Wettbewerber zu kämpfen (44%). Bei den forschungsintensiven Unternehmen erleidet sogar jedes zweite Unternehmen Umsatzeinbußen (46%) und Beeinträchtigungen in den Geschäftsbeziehungen (53%). Die finanziellen Schäden aus Urheberrechtsverletzungen können erheblich sein. So dokumentieren Unternehmen ihre erlittenen Schäden zwischen unter 10.000
Euro bis über zwei Million Euro je Vorfall. Im Durchschnitt betrug der finanzielle Verlust für die geschädigten Unternehmen bei 364.000 Euro. Die mit Abstand höchsten Schäden erlitten forschungsintensive Unternehmen: im Durchschnitt über eine halbe Million Euro (540.000 Euro), bei 23% lagen die Schäden deutlich oberhalb dieses Mittelwerts.
2.2 Verrat bzw. Ausspähen von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen
Die klassische Form der Wirtschafts- und Industriespionage ist der Verrat oder das Ausspähen von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen. Mehr als jedes vierte forschungsintensive Unternehmen berichtete 2009 über mindestens einen derartigen Fall. Bei diesen Unternehmen lagen die Hauptziele der Täter naturgemäß im Bereich Produktion und Fertigung (19%) sowie Forschung und Entwicklung (14%).

Die wirtschaftlichen Auswirkungen aufgrund eines Verrats oder Ausspähens von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen lassen sich nur schwer schätzen. Die betroffenen Unternehmen bezifferten im Durchschnitt ihre finanziellen Schäden mit 171.000 Euro, wobei mit 259.000 Euro forschungsintensive Unternehmen deutlich stärker geschädigt wurden. Derartige Verluste können vor allem mittelständische Unternehmen bereits empfindlich treffen. 19% der geschädigten Unternehmen stuften die finanziellen Folgen immerhin als gravierend ein. Zu berücksichtigen ist überdies, dass es sich nur um Durchschnittswerte handelt. Bei jedem fünften betroffenen Unternehmen
lagen die Schäden zudem deutlich oberhalb einer halben Million Euro.


 


 

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