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  • 10.06.2009, 13:49 Uhr
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  • Offenburg
Wasserkraftwerk bei Offenburg

"Erster Spatenstich" zum Kraftwerksbau an der Kinzig

Mit einem symbolischen Spatenstich hat Oberbürgermeisterin Edith Schreiner Mittwoch, 10.06.09 den Startschuss gegeben: Die E-Werk Mittelbaden Wasserkraft GmbH & Co. KG, eine Tochter des E-Werk Mittelbaden, baut in Offenburg am Wehr „Großer Deich“ das zweite Kinzig-Wasserkraftwerk. Es wird ab Frühjahr 2010 Strom für 800 Haushalte liefern und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zum Gewässerschutz leisten. Landrat Frank Scherer lobte das ehrgeizige Vorhaben, das die Kinzig ökologisch aufwerte und so dazu beitrage, die Ortenau zur Vorzeigeregion in Sachen Nachhaltigkeit zu machen. Projektpartner und Planer ist das Ingenieurbüro Hydro-Energie Roth aus Karlsruhe.

Das E-Werk Mittelbaden setzt auf eine neue Kraftwerkstechnik, die sich unter anderem durch ein bewegliches Krafthaus auszeichnet, das unter Wasser liegt und ständig unter- und überströmt wird. An der Oberfläche ist von alledem nur wenig zu sehen, und, so E-Werk Vorstand Helmut Nitschke bei seiner Begrüßung zum Spatenstich, „auch so gut wie nichts zu hören“. Ökologische Stromerzeugung dürfe nicht aus reinem Selbstzweck die Umwelt optisch oder akustisch beeinträchtigen, sagte er. So wird auch die zugehörige Schaltwarte an der Oberkante mit dem Kinzigdamm-Radweg abschließen. „Das interessanteste, was Sie von dieser Anlage wirklich sehen können, ist der Fischaufstieg! So profitieren von der innovativen Technik am Fluss der Mensch und im Fluss zum Beispiel der Lachs, der die Kinzig so in beiden Richtungen durchwandern kann“, erklärte Nitschke.

Egal, ob ein Fisch an der Oberfläche oder bodennah am Kraftwerk vorbei wandern möchte: Das umströmte, bewegliche Stahlgehäuse mit Turbine, Generator und Rechen ermöglicht auf jeden Fall den unversehrten Abstieg. Der ökologisch naturnah gestaltete Fischaufstieg ermöglicht es nun den Fischen, das Wehr am „Großen Deich“ zu überwinden. Die Anlage verbessert zusätzlich den Schutz vor Hochwasser, weil sie sich komplett hochklappen lässt – zum Beispiel, wenn große Baumstämme angespült werden. Das ökologische Gleichgewicht wird verbessert, eine Verlandung verhindert, mehr „Restwasser“ verbleibt im Flussbett der Kinzig.

„Mit dieser neuen, innovativen Anlagentechnik erhöhen wir vor Ort den Anteil regenerativ erzeugten Stroms“, erklärte E-Werk Vorstand Helmut Nitschke und ergänzte: „Als regionaler Versorger freuen wir uns natürlich besonders über umweltfreundlichen Strom aus heimischer Produktion gepaart mit modernster Technik!“ Dabei beweise das E-Werk Mittelbaden, dass auch regionale Energieversorger führend in Sachen Innovation sein können, erläuterte Nitschke auch im Hinblick auf den intelligenten Stromzähler, den das E-Werk als wohl erster Stromversorger im Land mit einem mobilen Funkdisplay auf den Markt gebracht hat.

Als stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates zeigte sich Oberbürgermeisterin Edith Schreiner hocherfreut, dass das E-Werk Mittelbaden die im Jahre 2005 auf den Weg gebrachte „ökologische Neuausrichtung“ so aktiv umsetzt. „Das hier sichtbare Engagement in Sachen Wasserkraft, das Ökostrom-Angebot auf Wasserkraft-Basis und Projekte wie der Solarstrompark Ortenau gehen über Lippenbekenntnisse deutlich hinaus und zeigen, dass nicht nur den kommunalen Eigentümern, sondern auch dem E-Werk die Umwelt sehr am Herzen liegt“, lobte Schreiner. „Dieses Projekt beweist außerdem, dass ökologische und ökonomische Interessen vereinbar sind. Es wird deshalb von der EU gefördert und gilt als Referenzanlage für ähnliche Standorte in ganz Europa!“ Sie sei stolz darauf, dass Offenburg ein solches Kraftwerk bekomme und dankte dem E-Werk Mittelbaden für seein Engagement sowie der EU für die Fördermittel.

Das Patent für die Anlage liegt beim Ingenieur-Büro Hydro-Energie Roth in Karlsruhe, das auch schon die erste Anlage dieser Art in Gengenbach geplant hat. Geschäftsführer Andreas Roth erläuterte einige technische Raffinessen dieses neuen Anlagentyps: So läuft zum Beispiel der Generator direkt auf der Turbinenwelle, ohne dass ein Getriebe mit den damit verbundenen Verlusten zum Einsatz kommt. „Wir erreichen so einen extrem hohen Wirkungsgrad von mehr als 96 Prozent“, sagte er. Und weil die Turbine Strom unter Wasser produziert, bedarf es keiner zusätzlichen Kühlung. „Das reduziert den Betriebs- und Wartungsaufwand ganz erheblich und ist dabei besonders leise“, erläuterte Roth.

 Elektrische Leistung des Generators: 465 kW, Stromerzeugung pro Jahr: 1,88 Mio. kWh, Investitionsvolumen: 3,3 Mio. Euro, Zuschuss EU-Life: 1,7 Mio. Euro.

(Redaktion)


 

 

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