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Esther Weber

Die Olympiasiegerin Esther Weber hat 2009 in der Bundesversammlung Horst Köhler mit gewählt

Die Fechterin und Olympiasiegerin von 1992 Esther Weber aus Waldkirch hat im vergangenen Jahr auf Einladung der CDU Baden-Württemberg als eine von über 600 Personen des öffentlichen Lebens an der Bundesversammlung teilgenommen und Horst Köhler zum Bundespräsidenten gewählt. Als Köhler nun am Montag überraschend seinen Rücktritt verkündete, traf die Nachricht die renommierte Behindertensportlerin wie ein Blitz.

business-on.de: Frau Weber, welche Gefühle hat Horst Köhlers Rücktritt bei Ihnen zunächst ausgelöst?

Esther Weber: Ich war schockiert, das konnte und wollte ich erst nicht glauben. Ich hab den ganzen Abend am Montag vor dem Fernseher verbracht, um für mich eine Erklärung für diesen Rücktritt zu finden.

business-on.de: Ist Ihnen das gelungen?

Esther Weber: Nicht so richtig, ich denke, es kann nicht nur an der jüngsten Kritik an Köhler gelegen haben, da muss sich vorher schon über einige Zeit ein Entschluss angebahnt haben. Das Amt des Bundespräsidenten bringt doch eine riesige Verantwortung mit sich. Vielleicht konnte er diese nicht mehr schultern. Das gibt es ja in jeder Partei, in der Wirtschaft und im Sport, dass man viele Kompromisse machen muss und vielleicht wollte er das nicht mehr, um vor sich selbst bestehen zu können. Ich weiß es nicht.

business-on.de: Fühlen Sie sich, da sie Horst Köhler ja selbst mit gewählt haben und sicher sehr stolz über Ihre Teilnahme an der Bundesversammlung waren, nun von ihm persönlich im Stich gelassen?

Esther Weber: Das nicht, aber in der derzeitig schwierigen politischen Lage in Deutschland ist sein Rücktritt natürlich problematisch. Ich denke daher, dass er sich das vorher genau überlegt haben muss. Ich kann als Mutter ja auch nicht zu meinen Kindern sagen, dass ich den Kram hinschmeiße, abhaue und nicht mehr Mama bin, wenn ich mich über sie geärgert habe.

business-on.de: Würden Sie nochmals an der Bundesversammlung teilnehmen?

Esther Weber: Sicher. In der Regel wird man zwar nur einmal eingeladen, aber es gibt Ausnahmen und ich sehe keinen Grund abzulehnen, wenn ich gefragt werden würde. Ich bin total gespannt, wer nun die Nachfolge antreten soll. Die ersten Namen, die da gehandelt wurden, haben aber nicht das Charisma, das Horst Köhler ausstrahlte.

business-on.de: Haben Sie denn Favoriten? Margot Käßmanns Name ist ins Spiel gebracht worden. Aber auch Wolfgang Schäuble.

Esther Weber: Frau Käßmann hat sicher eine gute Ausstrahlung, aber sie ist ja gerade erst aus einem Amt ausgeschieden. Und Wolfgang Schäuble hat in seinem jetzigen Job ja schon viel um die Ohren. Für uns Rollstuhlfahrer sind solche hohen beruflichen Belastungen oft besonders schwer, da wir ja auch ein körperliches Handicap mitbringen. Schäuble hat ja nun schon lange bewiesen, dass auch ein Körperbehinderter Höchstleistungen erbringen kann.

(Ralf Deckert)


 


 

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