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Familienunternehmen

Ein Chef, der selbst Hand anlegt

Familienunternehmen prägen die Wirtschaft. Ein Beispiel aus dem Südwesten zeigt welche Menschen dahinter stecken. Peter Michael Binder aus Tuttlingen ist mit seinen Simulationsschränken Weltmarktführer.

Peter Michael Binder aus Tuttlingen baut Simulationsschränke, in denen für Wissenschaft und Industrie alle erdenklichen Klimata erzeugt werden. 1983 hatte er dafür die Idee. Inzwischen ist er Weltmarktführer.

Der 56jährige Peter Michael Binder ist ein Chef vom alten Schlag, so einer, wie es heute nicht mehr viele gibt: Er ist präsent, jeden Tag in seiner Firma und für seine 340 Mitarbeiter auch zu sprechen. "Ich kenne sie fast alle und nehme sie nicht nur als Arbeitskräfte, sondern auch als Menschen wahr", sagt er. Wenn er genug hat von der Schreibtischarbeit, geht er von seinem gläsernen Verwaltungsgebäude im Tuttlinger Gewerbegebiet Gänsäcker hinüber zur Halle, in der die Simulationsschränke gebaut werden. "Ich bin gern in der Fertigung und schaue, wie die Geräte hergestellt werden", sagt Binder. Wenn es seine Zeit erlaubt, lehnt er sich auch mal entspannt in seinem Sessel zurück und blickt zurück auf das, was er in den vergangenen 26 Jahren geschaffen hat.

"Wir haben 1983 mit 15 Mitarbeitern begonnen, die Welt zu erobern", sagt Binder. Er stammt aus einer Tuttlinger Familie, in der fast 100 Jahre lang Schuhe hergestellt wurden. "Den Unternehmergeist habe ich schon mit der Muttermilch aufgesaugt." 1923 begann sein Vater Wilhelm Binder Geräte zu bauen, in denen medizinische "Bestecke" sterilisiert werden konnten. Diese entwickelte er weiter zu Heißluftsterilisatoren. Binder senior starb als sein Sohn Peter Michael sechs Jahre alt war. "Da mußte meine Mutter von einem Tag auf den anderen die Firma führen, und ich half mit", erzählt Binder. Er wuchs in das Unternehmen hinein, studierte in Karlsruhe Elektrotechnik und war 1981 Diplom-Ingenieur. Die Idee, die Sterilisatoren zu Schränken weiterzuentwickeln, war der Beginn der Erfolgsgeschichte.

Binder verkaufte 1982 die Firma des Vaters nach Pakistan. "Die gibt es dort heute noch." Der Erlös war das Startkapital für die Gründung der WTB Binder Labortechnik GmbH im Januar 1983. Binder begann, seine Idee umzusetzen und Simulationsschränke zu bauen. "Am Anfang war ich unter 15 Mitarbeitern der einzige Ingenieur", sagt er. Er kann sich gut an den Moment erinnern, als das erste Gerät vor ihm stand. "Das war ein sensationelles Glücksgefühl." Das empfindet er bis heute immer dann, wenn ein neues Produkt fertig ist. "Zu sehen, dass eine Idee zu Materie geworden ist, ist unbeschreiblich."

Heute sind 40 Ingenieure damit beschäftigt, die Schränke ständig weiter zu entwickeln, - und Peter Michael Binder ist mitten unter ihnen. In den Schränken können biologische, chemische und physikalische Umgebungsbedingungen perfekt simuliert werden. Kliniken zum Beispiel züchten darin menschliches Gewebe oder nutzen sie bei der künstliche Befruchtung. Für wissenschaftliche Untersuchungen in der Lebensmittel-, Getränke- und auch Pharmaindustrie können darin Alterungsprozesse beschleunigt werden. Es kann zum Beispiel herausgefunden werden, wie lange Medikamente haltbar sind.

Seit 1991 wächst Binders Firma, die im Jahr 2000 zur Binder GmbH umfirmiert wurde, jährlich um 13 bis 17 Prozent. Nur in diesem Jahr nicht. Die Weltwirtschaftskrise ging auch an ihm nicht vorbei. "Ich habe noch nie erlebt, dass eine Krise so schnell und so global kommt." Deshalb hat er sich auch nicht vorstellen können, dass seine Firma, "die so breit aufgestellt ist", da hinein gerät. Von einem Tag auf den anderen seien die Aufträge ausgeblieben. "Wir dachten, unsere Telefone, Faxe und das Internet seien kaputt, weil sich niemand mehr meldete." Nach drei Monaten Kurzarbeit ging es langsam wieder aufwärts. Der Umsatz schrumpfte zwar, die Firma ist aber nach Aussage von Binder "noch in der Gewinnzone".

"Wir gehen gestärkt aus der Krise", sagt er und blickt optimistisch in die Zukunft. Der Umsatz soll bis 2016 auf 120 Millionen Euro steigen, die Zahl der Mitarbeiter auf 500. Im nächsten Jahr wird eine weitere Montagehalle gebaut. "Wir haben eine riesige Pipeline an neuen Produkten für 2010." Genug Stoff für jede Menge Glücksgefühle.

Die stellen sich bei dem 56-Jährigen auch ein, wenn er Klavier spielt oder sich in ein Buch vertieft - beides im Idealfall in den Bergen. Die liebt er. Das Wasser ist nicht so sein Element, viel lieber steigt er auf die Berge, will hoch hinaus. "Von Montag bis Freitag gehöre ich mit Haut und Haaren der Firma", sagt Binder. Am Wochenende nimmt er sich Zeit für sich und seine Partnerin. "Ein intaktes Umfeld mit guten Freunden ist bei dem Arbeitspensum, das ich erledige, essentiell." Neue Kraft schöpft er in der Natur und auch aus der Kunst. "Ich interessiere mich für alles, was schön ist."

(Pressebox )


 


 

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