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Kreditklemme

Finanzierung in der Krise - Die vielen Sichtweisen auf die Praxis der Kreditvergabe

Mittelständler spüren sie, Banken bezweifeln sie und offizielle Stellen haben es bisher vermieden, sie so zu benennen: Die Kreditklemme. Je nach Blickwinkel und eigener Situation hat jeder seine eigene Meinung auf die Frage, ob Banken nicht mehr genug verleihen. Bei aller Diskussion um den Begriff, unstreitig ist: Die Banken verleihen das Geld nur noch zögerlich und verlangen zum Beispiel deutlich höhere Sicherheiten oder Zinsen für die Kredite.

Konrad Franke Eberhard Schulz hat ein Problem. Der Unternehmer ist in der Solarbranche tätig. Seit Oktober vergangenen Jahres sind ihm zahlreiche Aufträge weggebrochen, „weil die Investoren wegen der Finanzkrise reihenweise ausgestiegen sind“, wie er sagt. Trotzdem hat er in den letzten Monaten an seinen Mitarbeitern festgehalten, „da ich mich auch sozial in der Verantwortung sehe“, wie er betont. Er hat die Monteure speziell für diese Tätigkeit ausgebildet und will es nicht verantworten, „wenn Männer, die sehr gerne arbeiten wollen mit ihren Familien am Abgrund stehen“. Bisher konnte Schulz das Unternehmen selbst finanzieren und ist ohne Kredite ausgekommen. Dabei „sieht die Auftragslage sehr gut aus. Doch jetzt haben wir das Problem, dass wir Geld für die Vorauskasse für Material brauchen und die Bank uns nicht mal anlaufende Projekte finanziert“, ärgert sich der Unternehmer. Schulz hatte aber auch auf öffentliche Gelder aus den Konjunkturprogrammen gehofft. „Die Bank machte sich nicht einmal die Mühe bei der KfW Bank anzufragen“, ist er enttäuscht.

Mit dem Problem, keinen Kredit zu erhalten, ist Schulz nicht allein, wie eine aktuelle Untersuchung des BDS Baden-Württemberg unter 1223 BDS-Mitgliedern zur Jahresmitte ergab. Vor allem Klein- und Kleinst-unternehmen haben Schwierigkeiten, einen Kredit zu bekommen. Selbst bei wieder verbesserten Geschäftserwartungen melden Unternehmen verstärkt Probleme beim Kreditzugang. Die wichtigste Kredithürde stellen derzeit steigende Anforderungen an Sicherheiten dar. Das trifft insbesondere kleinere und mittlere Betriebe. Und gleichzeitig sinkt die Bewertung vorhandener Vermögenswerte. Hinzu kommen deutlich gestiegene Kreditkosten infolge schlechterer Bonitäten und gestiegener Risikoprämien, die die Kreditinstitute verlangen. Ein Mechanismus, der sich in der Krise fast automatisch einstellt.

Verschlechterte Kreditbedingungen und die Probleme werden zunehmen

Der BDS als Vertreter des Mittelstands weißt daher bereits seit über einem halben Jahr auf die schwierige Kreditsituation hin. Mit gleicher Konstanz bestreiten jedoch Bankenvertreter, Bundesregierung und selbst Vertreter der Wirtschaft wie die Industrie- und Handelskammern, dass es eine Kreditklemme gäbe – zumindest keine flächendeckende, wie immer wieder betont wird. So auch wieder beim Kreditgipfel der Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft mit den Bankenverbänden dem Bundesfinanzministerium sowie dem Wirtschaftsministerium Anfang September. Doch die Wortwahl wird zunehmend vorsichtiger. Bei dem Treffen habe sich Einigkeit gezeigt, dass es zwar keine flächendeckende Kreditklemme gebe, aber Probleme, "und die Probleme werden zunehmen", so DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann. Dies belege auch die DIHK-Unternehmensbefragung Kreditkonditionen. 30 Prozent der Unternehmen berichteten in der aktuellen Umfrage von verschlechterten Kreditbedingungen – im Frühsommer waren es noch 23 Prozent. Bei der BDS-Umfrage waren es sogar 36 Prozent. Die schlechtere Bewertung der BDS-Mitglieder dürfte auch daran liegen, dass der Schwerpunkt der BDS-Mitglieder eher bei den Kleinunternehmen liegt, die es in der Regel schwerer haben, einen Kredit zu erhalten.

Deshalb wird BDS-Präsident Günther Hieber nicht müde, die Kreditwirtschaft aufzurufen, sich ihrer Verantwortung bewusst zu sein und mehr Kredite zu vergeben.

Das wiederum bringt die Vertreter der Banken auf die Palme, die sich zu Unrecht an den Pranger gestellt sehen. Besonders diejenigen, die seit vielen Jahren dem Mittelstand zur Seite stehen und auch in vielen BDS-Vereinen immer sehr engagiert waren.

Differenzierung zwischen den Bankengruppen

Gerhard Roßwog, Präsident des baden-württembergischen Genossenschaftsverbandes wünscht sich daher in der Debatte mehr Differenzierung, sowohl zwischen den verschiedenen Bankengruppen als auch bezüglich der Größe oder wirtschaftlichen Situation der Unternehmen. Im vergangenen Geschäftsjahr habe man die Kreditvergabe sogar um 3,2 Prozent ausgeweitet. „Die Volksbanken und Raiffeisenbanken haben in der Vergangenheit keine Luftschlösser finanziert“, macht er deutlich und kann sich durch die BDS-Umfrage bestätigt fühlen. Die BDS-Mitglieder bewerten die Situation bei den Genossenschaftsbanken deutlich besser als bei den Sparkassen und den Privatbanken.

„Der inflationäre Umgang mit dem Begriff Kreditklemme ärgert uns deshalb“, so Roßwog. Und er geht sogar noch einen Schritt weiter: „Kreditklemme muss dort sein, wo Luftschlösser auf den Weg gebracht und finanziert worden sind.“ Wo Schulden gemacht worden seien, die nicht durch reale Projekte finanziert werden können, müsse sowohl bei den betroffenen Banken wie auch bei den betroffenen Kreditnehmern der Rückwärtsgang eingelegt werden. „Das tut weh, aber nur so schaffen wir eine solide Grundlage für ein neues Wachstum unserer Wirtschaft.“ Das gelte insbesondere auch für den Rückbau der Banken, die sich mit Kreditersatzgeschäften in Form von toxischen Wertpapieren verspekuliert hätten.


 


 

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