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Statt Bälle kicken Autos schieben?

Freiburger Fußballprofi wegen Betrugsverdachts vor Gericht

Hat der Freiburger Mittelfeldspieler Yacine Abdessadki im April 2009 den Diebstahl seines teuren BMW X 6 vorgetäuscht, um sich die Versicherungssumme für die Nobelkarosse zu ergaunern? Dieser Frage musste am Dienstag das Amtsgericht in Freiburg nachgehen.

Am Ende kam es weder zu einer Verurteilung, noch zu einem Freispruch: die Prozessbeteiligten einigten sich darauf, dass der Spieler insgesamt 25.000 Euro für den Erhalt des Freiburger Münsters und für zwei Einrichtungen für behinderte Kinder spendet. Im Gegenzug wird das Verfahren gegen ihn eingestellt.

Es war ein skurriler Fall: Abdessadki hatte den Wagen mit einem Listenpreis von 86.000 Euro mit einem „Fußballerrabatt“ von 20 Prozent für 69.000 gekauft, wollte ihn aber offenbar wieder abstoßen. „Ich wechsle meine Autos häufiger“, so der Spieler, der im Frühjahr 2009 noch drei andere PKW besessen haben will. Deshalb habe er auch nicht „nein“ gesagt, als ein entfernter Verwandter aus Südfrankreich ihn im März 2009 gebeten habe, ihm das Auto als „Hochzeitskutsche“ auszuleihen. Als die Hochzeit wegen eines Trauerfalls in der Familie dann ausgefallen sei, habe er sich zunächst nicht weiter um den Verbleib des Wagens gekümmert, erst an Ostern 2009, als er den Wagen verkaufen wollte, habe er erfahren, dass das Auto geklaut worden sei. Erst als es mit der Versicherung Ärger gegeben habe, sei ihm gedämmert, dass er von dem „Onkel“ betrogen worden sei: Er habe von ihm nur ausweichende Antworten erhalten, so der Spieler. Mittlerweile habe man keinen Kontakt mehr, der „Onkel“ sei wegen des verschwundenen Wagens in Polizeigewahrsam genommen worden.

Die Staatsanwaltschaft hielt dagegen, dass das Auto mit Wissen des Spielers bereits im März 2009 über Marokko und dann nach Mauretanien verbracht worden sei. Später habe Abdessadki dann die Versicherungssumme ergaunern wollen. Ein Computerprotokoll über die Schlüsselnutzung des Autos unterstrich: Bereits am 5. April 2009 wurde das Fahrzeug in Marokko gefahren. Gegenüber Versicherung und Polizei hatte Abdessadki aber zunächst angegeben, das Auto erst am 9. April 2009 nach Frankreich gebracht zu haben. Erst später erzählte er die Version, dass das Auto im März schon weggebracht worden sei. Die Protokolle bei Polizei und Versicherung habe er zwar unterschrieben, ausgefüllt habe sie aber ein Freund und Berater, der sich in Deutschland um seine Unterlagen kümmert. Dieser „Zahlensalat“ hatte dem Spieler letztlich die Klage eingebrockt.

Gegen einen Strafbefehl über 120 Tagessätze legte Abdessadki zuletzt Widerspruch ein. Er ließ zu Beginn der Verhandlung eine Erklärung verlesen, in der er seine Unschuld beteuerte: „Ich habe so etwas nicht nötig“, so der in Nizza geborene Kicker, der vor seinem Engagement beim SC Freiburg in Frankreich unter anderem bei Racing Straßbourg und in Toulouse gespielt hat und auch für Marokkos Nationalteam aufläuft. In Freiburg war der laufstarke Spieler vor zwei Jahren entscheidend am Aufstieg in die erste Bundesliga beteiligt. Entsprechen zufrieden zeigte sich SC-Sprecher Rudi Raschke mit dem Ausgang des Verfahrens: „Das Verfahren wird eingestellt, Yacine Abdessadki ist nicht vorbestraft, damit können wir sehr gut leben, er ist ein wichtiger Spieler für uns!“ Mit der Geldauflage geht kein Schuldeingeständnis des Spielers einher.

(Ralf Deckert)


 


 

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