Weitere Artikel
Bilanz Elektrizitätswerk Mittelbaden

Geringerer Stromverbrauch wegen Wirtschaftskrise

In der Bilanz-Pressekonferenz des Elektrizitätswerks Mittelbaden am 22. Juni 2009 hat Vorstand Helmut Nitschke gemeinsam mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden, dem Lahrer Oberbürgermeister Dr. Wolfgang G. Müller, den Jahresabschluss 2008 vorgestellt. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit ging von 16,8 auf 14,3 Mio. Euro zurück. Beim Jahresüberschuss ergab sich - insbesondere aufgrund steuerlicher Effekte - ein geringerer Rückgang von 12,4 Millionen Euro auf 12,2 Millionen Euro.

Nitschke zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis - vor allem angesichts der Tatsache, dass die Wirtschaftskrise eine sinkende Stromabnahme bei Großkunden nach sich zieht. „Wenn Unternehmen Kurzarbeit anmelden, stehen natürlich die Maschinen still", sagte er. Aus Sicht des Stromversorgers ist die Krise aber noch lange nicht ausgestanden: „Das E-Werk-Mittelbaden und die überwiegend kommunalen Anteilseigner müssen sich künftig auf Umsatzeinbußen einstellen", stellte er fest. Der Stromverbrauch im Netzgebiet des E-Werks Mittelbaden ging insbesondere im 4. Quartal zurück. Aufgrund der Wirtschaftskrise verstärkt sich diese Entwicklung bisher auch im Jahr 2009 fort. Im Bereich Industrie- und Gewerbekunden geht das E-Werk, so Nitschke, für das laufende Jahr „von einem Rückgang im zweistelligen Prozentbereich" aus.

Positiv wirke sich aus, dass die Kostensenkungsprogramme beim E-Werk Mittelbaden greifen. Positiv wirken sich auch die Ergebnisse der Dienstleistungsangebote des E-Werks aus. „Sonst wäre der Ergebnisrückgang deutlich stärker ausgefallen. Wir werden uns aber nicht auf dem Erreichten ausruhen, sondern unsere Anstrengungen noch verstärken", so Nitschke. So hat das E-Werk im vergangenen Jahr zum Beispiel eine zentrale Steuerung der Arbeitsabläufe eingeführt. Mit Hilfe dieses Systems werden die anfallenden Arbeiten im Stromnetz erfasst, bewertet und effizient auf die vorhandenen Kapazitäten verteilt. Aufträge, die nicht vom eigenen Montagepool erledigt werden können, vergibt das E-Werk nach wie vor an Unternehmen in der Region.
Die Umsatzerlöse stiegen geringfügig von 191 Mio. Euro auf 193 Mio. Euro. Gleichermaßen erhöhte sich der Materialaufwand von 140 Mio. Euro auf 142 Mio. Euro; der größte Teil entfällt dabei auf die Strombeschaffung. Die Preise an der Strombörse in Leipzig sind seit ihrem vorläufigen Höchstwert im September 2008 wieder rückläufig. Die kurz- und mittelfristige Entwicklung ist aufgrund der Wirtschaftskrise jedoch nur schwer abschätzbar. Bedingt durch den langfristig angelegten Stromeinkauf wirkt sich die derzeitige Entwicklung an der Strombörse stabilisierend auf den Beschaffungspreis aus, erläuterte Nitschke.

Sechs Mitarbeiter weniger

Rückläufig entwickelten sich trotz Tariferhöhung die Ausgaben für Löhne und Gehälter. Die Mitarbeiterzahl wurde um sechs auf 279 reduziert - und das trotz einer Vielzahl meist staatlich geforderter neuer Aufgaben, beispielsweise aus der Netzentgeltregulierung. Dazu gehört auch die Abrechnung von Anlagen, die nach dem „EEG-Gesetz" Strom aus erneuerbaren Energien ins Netz einspeisen. Allein rund 2500 Fotovoltaikanlagen sind derzeit beispielsweise im Netzgebiet des E-Werks in Betrieb, und die Zahl steigt weiterhin stark an. Der Anteil des aus erneuerbaren Energien produzierten Stroms stieg insgesamt im Jahr 2008 um 7 Prozent. Für Strom aus Sonne, Wind- und Wasserkraft haben die Betreiber der meist kleinen Anlagen vom E-Werk Mittelbaden rund 23 Mio. EUR (Vorjahr: rund 19 Mio. EUR) erhalten.


Auch das E-Werk Mittelbaden plant die Zukunft mit Wasserkraft. In der Kinzig sollen drei moderne Kraftwerke nach neuesten ökologischen Gesichtspunkten entstehen: in Gengenbach (in Bau) und Offenburg (erster Spatenstich am 10. Juni 2009) mit Unterstützung der EU sowie in Hausach (Baubeginn 2010). Alle Kraftwerke sind baugleich: Sie erzeugen an Stauwehren Strom mit einem beweglichen, unter Wasser liegenden Krafthaus, das Langdistanzwanderfischen einen problemlosen Auf- und Abstieg ermöglicht. Die Turbine wird dabei vom Flusswasser umströmt und gleichzeitig gekühlt, ist strömungsoptimiert und erzielt einen Wirkungsgrad von über 96 Prozent. „Besser kann man Ökologie, Regionalität und Ökono-mie kaum unter einen Hut bringen", erläuterte Nitschke das innovative Konzept, das in Europa Pilotcharakter hat. Wenn alle drei Kraftwerke am Netz sind, liefern sie Strom für mehr als 2.000 Haushalte. Die Kosten dafür belaufen sich auf insgesamt rund 11 Mio. Euro.

Teil der praktizierten ökologischen Neuausrichtung ist der intelligente Stromzähler „SmartE", den das E-Werk Mittelbaden seit Juni anbietet. Der Clou ist ein mobiles Display, das die aktuellen und aufgelaufenen Zählerwerte empfängt, sie anzeigt und so den aktuellen Stromverbrauch transparent macht. Die Daten werden per Funk übermittelt, so dass das Display mobil und überall einsetzbar ist. „In Deutschland sind wir die Ersten, die diese Technik zur Serienreife gebracht haben", sagte Nitschke. Nicht ohne Stolz fügt er hinzu, dass sich regionale Stromversorger aus dem gesamten Bundesgebiet für das System interessieren und bereits entsprechende Anfragen abgesetzt haben.

Passend zum Zähler bietet das E-Werk auch einen speziellen Stromtarif an, der nachts und am Wochenende - also außerhalb der Spitzenlast-Zeiten - einen kostengünstigeren Betrieb von Geräten wie Waschmaschine oder Trockner ermöglicht. Auch den aktuellen Tarif zeigt das Display an. „Der Kunde kann mit diesem Gerät Strom sparen und den CO2-Ausstoß verringern - wenn er dann noch einige Gewohnheiten ändert, spart er auch bares Geld", bilanzierte Nitschke.
Die vom E-Werk Mittelbaden getätigten Investitionen liegen praktisch unverändert mit rund 11 Mio. Euro auf dem Niveau der Vorjahre. Schwerpunkt der Investitionen waren Ausbau und weitere Verbesserung des Versorgungsnetzes und der Versorgungssicherheit. 

Durch Spenden und Sponsoring hat das E-Werk Mittelbaden auch im abgelaufenen Geschäftsjahr wieder das soziale, sportliche und kulturelle Leben in der Ortenau tatkräftig unterstützt. Auch mit dem Ökologie- und Innovationsfonds übernimmt das E-Werk Verantwortung und fördert ökologische Maßnahmen in der Region. Wie sich Energie einsparen und sinnvoll nutzen lässt, ist Thema der kostenlosen Energieberatung, mit der das E-Werk Mittelbaden an den Standorten im Versorgungsgebiet, aber auch auf Leistungsschauen und Messen das gesamte Fachwissen zum Thema Energie anbietet. Mehr als 1 Mio. Euro war dem E-Werk dieses Engagement wert - „Geld, das in der Region bleibt und schließlich allen zugute kommt", wie Helmut Nitschke betonte.

Der Aufsichtsratsvorsitzende, Oberbürgermeister Dr. Wolfgang G. Müller, zog eine positive Bilanz. Der Aufsichtsrat gebe einen Rahmen vor, der sich bewusst an regionalen und kommunalen Interessen und nicht ausschließlich an der Rendite orientiere, sagte Müller. Dennoch: „Ohne die Einnahmen aus den Beteiligungen am E-Werk Mittelbaden wäre vieles vor Ort nicht möglich oder finanzierbar." Energieversorger in kommunalem Eigentum stünden für den Erhalt sicherer Versorgungsnetze und vieler Arbeitsplätze vor Ort, betonte er. „Mit den erzielten Gewinnen werden nicht nur in Lahr wichtige kommunale Aufgaben finanziert", sagte Müller und dankte den Mitarbeitern des E-Werks für die geleistete Arbeit. Trotz der sich verschlechternden Rahmenbedingungen sei es gelungen, durch ein strenges Kostenmanagement ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen und das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen. Besonders hob Müller das ökologische Engagement hervor, das beim E-Werk in hohem Maße innovativ sei.

Das Versorgungsgebiet des E-Werks Mittelbaden umfasst 33 Gemeinden mit insgesamt rund 285.000 Einwohnern. Im Netzgebiet des E-Werks Mittelbaden liegen insgesamt 5267 Kilometer Erdkabel und 1726 Kilometer Freileitungen. Die Versorgungssicherheit liegt im Netz des E-Werks Mittelbaden bei 99,94 Prozent, einem europaweiten Spitzenwert.

(Redaktion)


 


 

e-werk-mittelbaden
bilanz
stromverbrauch
2008
helmut
nitschke
smarte

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "e-werk-mittelbaden" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: