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  • 13.06.2009, 20:18 Uhr
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  • Steinach/Wolterdingen
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Paschal aus Steinach liefert Schalung

Größtes im Bau befindliches Dammbauwerk in Mitteleuropa

Die anhand der alten Klimamodelle erstellten Berechnungen für die schlimmsten in 100 Jahren denkbaren Hochwässer wurden von der Realität mittlerweile gleich mehrfach übertroffen. Flussbegradigungen der letzten 200 Jahre sowie das Vordringen von Neubaugebieten in Überflutungsareale haben dies verstärkt. Das verheerende Hochwasser von 1990 hatte das Land Baden-Württemberg zum Anlass genommen, 1992 das Integrierte Donau-Programm (ITP) ins Leben zu rufen, das Ökologie und Hochwasserschutz verknüpfen sollte. Die Hochwasser von 1993 und 1994 unterstrichen diese Bedeutung. Über 200 (vor der Finanzkrise) geplante und begonnene Projekte für Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser werden in den nächsten Jahren etwa 900 Millionen Euro erfordern. 2006 war dann der Spatenstich für das Hochwasserrückhaltebecken Wolterdingen im Schwarzwald, das im Moment das größte im Bau befindliche Dammbauwerk in Mitteleuropa ist.

Wie können die Anrainer der Donau besser vor Hochwasser geschützt werden? Vor allem, indem man die kräftigsten Nebenflüsse bändigt. Die bescheiden und nicht viel größer als ein Dorfbach anmutende Breg, die bei Donaueschingen zusammen mit der Brigach die Donau bildet, hat mit 183 Quadratkilometern allerdings ein sehr großes Einzugsgebiet im Naturpark Südschwarzwald und ist daher besonders anfällig für Hochwasser. 

Am westlichen Ortsausgang von Wolterdingen wurde die ideale Stelle gefunden, um ein Hochwasser-Rückhaltebecken zu errichten. Quer durch das schmale Tal wird ein 110 Meter breiter, 460 Meter langer und bis zu 18 Meter hoher Erddamm errichtet, der das Bregtal auf vier Kilometer Länge mit 4,7 Millionen Kubikmeter Wasser auf 70 Hektar Fläche aufstauen kann. Der Hochwasserabfluss wird dadurch stark gemindert und der Hochwasserspiegel sämtlicher Gemeinden bis Riedlingen, das ca. 130 km flussabwärts liegt, gesenkt. Das Regenrückhaltebecken ist als Trockenbecken (mit Fischtreppen) konzipiert, das die Breg nur bei Hochwasser aufstaut, welches man alle fünf bis sieben Jahre erwartet.

Das Durchlassbauwerk

Zentrum und Kernstück des Damms ist das 100 Meter lange Durchlassgebäude, das 2007/2008 von der Emil Steidle GmbH & Co KG (Sigmaringen) im Auftrag des Regierungspräsidiums Freiburg komplett aus Ortbeton hergestellt wurde. Der Querschnitt ist kastig und U-förmig, wobei die Außenwände an der Basis 1,75 und am Top 0,80 Meter dick sind; die Innenseiten sind senkrecht, die Außenseiten im Verhältnis 1:20 nach innen geneigt. Parallel zur Fließrichtung stehen im Inneren zwei weitere 1,5 Meter dicke Mauern. Diese führen die mächtigen Absperrriegel. Am Ausfluss senkt sich die Bodenplatte radial um einige Meter zum so genannten Kolksee ab; gleichermaßen verbreitern sich die Ausmaße auf 35 Meter wie bei einem „T“. Insgesamt hat das Bauwerk eine Höhe von 19 Metern. Die Staumauer wird 16,9 Metern Wasserhöhe widerstehen. Decken von 0,75 bis 0,96 Meter Dicke schließen das Gebäude nach oben ab.

Für die Baugrube und das Umleitungsgerinne mussten 20.000 Kubikmeter Erdreich ausgehoben werden. Um die komplette Baugrube herum wurden über fünf Meter tiefe Schlitzwände erstellt, die mit Bentonit gefüllt wurden. Damit wurde der Zutritt von Fluss- und Grundwasser stark eingeschränkt. Der Damm soll zukünftig auch als westliche Umgehungsstraße für Wolterdingen fungieren; ein teures Brückenbauwerk wird hierdurch eingespart.

Schalarbeiten

Bereits in der Angebotsphase wurden Arbeitsvorbereitung und Taktplanung mitberücksichtigt. Mit der "Athlet" von Paschal (Steinach im Kinzigtal) konnte ein Schalkonzept erstellt werden, das Aufwand und Verschleiß minimierte sowie die Arbeitsgeschwindigkeit und die Sicherheit verbesserte. Die Aufgaben sahen vor: Das Einschalen von zunächst 11,20 Meter Höhe in Taktbauweise, dabei enthaltend eine fest montierte und samt Schalung umsetzbare Sicherheitskonsole mit ebenso fest montierten Laufbelägen, Handläufen und Leitern, sowie zusätzliche 8,40 Meter Schalhöhe als Kletterschalung; hierbei wurde die Last der Schalung von 4 Meter (!) auskragenden Stützböcken aufgenommen, die – horizontal gelegt – als Kletterkonsolen fungierten. Insgesamt wurden fast 1000 Quadratmeter Schalung gestellt.

Der frische C35/45-Beton wurde zur Nachbehandlung noch sieben Tage in der Schalung belassen. Für das Bauwerk wurden 7500 Kubikmeter Beton verbraucht und über 1000 Tonnen Stahl. Bauleiter Dipl.-Ing. Arno Fischer: „Die 1,5 Meter dicken Mauern bis in 19 Meter Höhe zu bewehren, waren nicht einfach. Wir hätten eigentlich ein zwischen den Schalungen stehendes Gerüst gebraucht, doch hierfür fehlte uns der Platz. Aber wir wussten uns zu helfen.“ Das Hochwasserrückhaltebecken soll 20121 in Betrieb genommen werden.

Die Großflächenschalung Athlet von Paschal ist eine Stahl-Rahmenschalung, welche sich hervorragend für den Einsatz im Industrie- und Ingenieurbau eignet. Sie bietet Rekordwerte bezüglich der Frischbetondruckaufnahme, der eingehaltenen Ebenheitstoleranzen und der geringen Anzahl von Spannstellen im Beton. Das Schalungssystem erschließt darüber hinaus vielfältige Einsatzmöglichkeiten im Hoch- und Tiefbau. Hohlkastenprofile aus hochfestem Stahl mit 16 cm Bauhöhe, trapez- bzw. hutförmige Querprofile, entsprechende Materialstärken und ihre konstruktive Optimierung erlauben höchste Frischbetondrücke.

(Redaktion)


 


 

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