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Handwerksberuf

"Hut Sutterer" aus Achern hat die Krise überstanden

Viele alte Handwerksberufe sterben aus. Dies, weil eine Dienstleistung - zum Beispiel Scherenschleifen - kaum mehr gewünscht ist aber vor allem, weil vieles industriell billiger hergestellt wird.

Was für Hutmacher erschwerend dazukam war, dass in den 70er Jahren diese Kopfbedeckung kaum mehr getragen wurde. Noch 20 Jahre früher ging ein Mann, der etwas auf sich hielt, nicht ohne Hut auf die Straße.
Einer der wenigen Hersteller in Deutschland, der diese Krise überstanden hat, ist "Hut Sutterer" aus Achern. Dafür gibt es viele Gründe. Einer ist Fleiß. "Ich arbeite jeden Tag mindestens zwölf Stunden, auch samstags", sagt Uwe Sutterer (48). Ein anderer ist Handwerkskunst: Alle zwölf Mitarbeiter sind Fachkräfte, der Inhaber Hutmachermeister. Der redet und arbeitet schnell. In der Werkstatt zeigt er, wie aus einem Rohling ein Dreispitz wird: Mit heißem Wasserdampf wird das Material formfähig gemacht und dann "gezogen", die Krempe abgeschnitten und schließlich Verzierungen sowie innen Leder angebracht. Das nennt der Fachmann "garnieren".

Und Flexibilität ist wichtig: "Wir machen alles, was auf den Kopf geht. Nur keine Stahlhelme", sagt Uwe Sutterer. Diese Flexibilität ist der Grund, wieso die Firma drei Standbeine hat: 1. das eigene Ladengeschäft in Achern, 2. Der Großhandel mit dem Ankauf fertiger Ware und die eigene Produktion von Damenhüten sowie 3. die Fertigung von historischen und Karnevals-Kopfbedeckungen. "Hut Sutterer" hatte vor 15 Jahren mit der Produktion historischer Kopfbedeckungen begonnen - mit Erfolg. Der Chef: "Am Rosenmontag sind beim Umzug in Mainz oder Köln 95 Prozent aller Hüte von uns."

Bei der Produktion werden von zwölf Mitarbeitern Kleinserien oder Einzelstücke ganz nach Kundenwunsch gefertigt. Weil das die Hersteller aus dem nahen und fernen Osten nicht bieten können oder wollen, macht sich Uwe Sutterer keine Gedanken um diese Konkurrenz . Von den 6000 bis 8000 Exemplaren pro Jahr gibt es auch Anfertigungen für Reitsportgeschäfte, Theater (zum Beispiel die Metroplitan Oper in New York), für die die Akteure der Abendshow auf Kreuzfahrtschiffen und vieles mehr. Ein Hut kostet 50 bis 350 Euro - je nach Form und Material. Geliefert wird in viele Länder Europas.

Das Familienunternehmen sei mit der Produktpalette das größte in Deutschland, eine Krise habe es in den vergangenen 20 Jahren nicht erlebt. Und derzeit geht es weiter aufwärts mit dem Umsatz: Nach einer Durststrecke in den 70er Jahren sind seit zwei Jahrzehnten Hüte bei den jüngeren Leuten wieder "in". Dabei sind Stilikonen wichtig: "Wenn Madonna einen Cowboyhut aufzieht, wollen den viele haben." Das gleiche gilt, wenn Justin Timberlake mit einer bestimmten Kappe zu sehen ist. Die Vielfalt sei im Vergleich zu früher sehr gewachsen, "es hat zehn Formen und 15 Farben gegeben, heute hat unsere Kollektion rund 350 Teile."
Uwe Sutterer: Auch die ältere Generation möchte jetzt flotteres als früher: "Es kann sein, dass eine alte Dame einen feuerroten weichen Hut aus Schurwolle haben möchte." Was geblieben sei, ist für das Ladengeschäft die Abhängigkeit vom Wetter: November bis Januar sind die wichtigsten Verkaufsmonate, "für Umsatz muss es kalt sein". Andererseits gebe es die Entwicklung, sich im Sommer spezielle Hüte als Sonnenschutz zu kaufen.

Die einzige Sorge, die Uwe Sutterer hat, ist derzeit die Verteuerung der Rohstoffe und Energiekosten: "Bei Rohlingen sind die Preise in drei Jahren um 50 Prozent gestiegen. Die Preiserhöhung können wir nicht weitergeben."

www.hutfabrik-sutterer.de

(Redaktion)


 


 

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